Kals a. Gr.: Leben und Arbeiten auf Osttirols höchstem Bergbauernhof
Wir besuchten Familie Auster-Groder am Schliederlerhof – Mutter Theresia, Vater Charly und Sohn Peter sowie dessen Tante Frieda, die das Haus Fritz bewirtschaftet.
Charly verbrachte seine Skiurlaube in Jugendjahren in Kals, wo er dann auch Theresia, die zusammen mit ihrer Schwester am Schliederlerhof aufwuchs, kennenlernte. Theresias Vater verstarb leider bald nach der Hochzeit mit Charly, und das Paar übernahm fortan den Hof. Für Charly war es gewissermaßen ein Sprung ins kalte Wasser, da er als „Flachländer“ – er stammt ursprünglich aus der Eifel-Gegend nahe Köln – und Reisebusfahrer wenig bis keine Erfahrung für die Bewirtschaftung eines Bergbauernhofes mitbrachte. Im Nachhinein meint er aber, sei es das Beste gewesen, was ihm passieren konnte. Wenn er Rat oder Hilfe brauchte, fragte er bei den ortsansässigen Bauern nach und lernte dadurch gleichzeitig die Kalser Bevölkerung und seine neue Heimat kennen.
Den Bauernhof mit Mutterkuhhaltung bewirtschaften heute Vater und Sohn gemeinsam. Im Hauptgebäude werden rustikal und liebevoll eingerichtete Fremdenzimmer mit Halbpension für bis zu 15 Personen angeboten. Den Eingang in die Zimmer schmücken blau getünchte und kunstvoll mit Bauernbemalung verzierte Türen, welche die Hausherrin selbst bemalt hat. Die Vorderseite des Hofs ziert eine aus holzgeschnitzten Figuren bestehende „Kreuzigungsgruppe“ (Jesus am Kreuz, Maria und Magdalena und der Herrgott, der wohlwollend von oben herabschaut), die aus dem 16. Jahrhundert stammt. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Hofes (im Winter kann die Straße oft wegen Lawinengefahr mehrere Tage gesperrt sein) erwies sich die Bewirtung der Gäste als unerlässlich. Schon Theresias Mutter kochte für die Urlauber, heute tut dies der gelernte Koch Peter. In der bestens ausgestatteten Küche kreiert der Jungwirt verschiedenste Menüs mit Produkten aus der Region oder vom eigenen Hof.
Ein kleines Juwel findet sich gleich neben dem imposanten Hofensemble: Die hölzerne Kapelle mit dem heiligen Rupertus als letzte noch verbliebene große Statue lädt zum besinnlichen Verweilen ein. Der romantische Charme des kleinen Gotteshauses zieht gleichermaßen Hausgäste wie auch Wanderer an. Verzaubert von dieser besonderen Atmosphäre, ließen sich hier auch schon Paare trauen. Für die Familie Auster-Groder hat sich die Verbindung zu diesem kleinen Sakralbau durch die Taufe von Sohn Peter besonders vertieft. Das Außergewöhnliche an den Schliederlerhof-Gästen ist der Generationen-Aspekt: Kinder, die hier mit Eltern und Großeltern Urlaub gemacht haben, kommen als Erwachsene mit den eigenen Familien wieder, um die wundersamen Erinnerungen und einprägenden Erlebnisse wiederum an den eigenen Nachwuchs weiterzugeben.
Die herzlichen Gastgeber und das angenehme Gefühl des „Willkommen-Seins“, gepaart mit einem feinen „Hoangascht“, hinterlassen auch bei uns einen bleibenden Eindruck!
Text: Mariella Raffler, Fotos: Martin Lugger (13), Osttirol heute (1)












