Kärntner und Osttiroler unterwegs auf historischen Pfaden über den Plöckenpass
Um mehr über den geschichtsträchtigen Weg zu erfahren, machten sich einige Dutzend interessierter Menschen aus ganz Kärnten und Osttirol am Samstag, 27. Juli, zu Fuß auf den Weg von Mauthen über den Plöckenpass nach Italien.
Im Via Iulia Augusta Kultursommer arbeiten drei Oberkärntner Gemeinden tälerübergreifend zusammen und bieten Einheimischen wie Gästen ein reichhaltiges Kulturprogramm. Dafür verantwortlich zeichnet Intendantin Helga Pöcheim, und sie wählt gerne besondere Orte entlang der namensgebenden Straße. Im Zentrum der kulturhistorischen Betrachtungen der von Wanderführer und Buchautor Hannes Guggenberger begleiteten Via Iulia Augusta Wanderung stand das Altwegenetz, das auf den Karten vom Ende des 18. Jahrhunderts gut dokumentiert ist.

Die Römerstraße Via Iulia Augusta nimmt in Aquileia in der italienischen Region Friaul Julisch Venetien ihren Anfang und verbindet über den Plöckenpass und den Gailbergsattel auf einer Strecke von exakt 50 römischen Meilen (ca. 75 km) die nördlichste Römerstadt Italiens, Iulium Carnicum (heute Zuglio), mit Aguntum, der Römerstadt in Osttirol.

Auf halbem Weg zur Passhöhe erfuhren die Teilnehmer, darunter der Kulturpolitiker, Diplomat und ehemalige Österreichische Botschafter in den USA, Dr. Wolfgang Waldner, vom traditionsreichen „Leitersteig“, der über Jahrtausende von der Kreuztratte auf direktem und sicherem Weg in die Plöcken (Plöckenhaus) führte. Er gilt heute als der älteste erhaltene Wegabschnitt von Mauthen zum Plöckenpass und harrt seiner Wiederbelebung. Infrastrukturmaßnahmen am europäischen Stromnetzausbau könnten dafür die Voraussetzungen schaffen.

Laut den Ausführungen von Hannes Guggenberger verläuft entlang der Karnischen Alpen zwischen dem Zollnersee (Lago di Salderies) im Osten und dem Obstanser See im Westen der älteste Grenzabschnitt des heutigen Österreich, ebenso einer der ältesten Europas. Die angrenzenden Gebiete gelten daher als uralte und besonders spannende Kulturkontaktzone.

Am Kreuzberg, wie der Pass bis vor gut 200 Jahren genannt wurde, grenzte im Frühmittelalter das damals von den Langobarden beherrschte Italien an das slawisch Fürstentum Karantanien, eine der Keimzellen des heutigen Österreichs. Zur Zeit des Patriarchenstaates von Aquileia (Friaul) verlief über den Plöckenpass der wichtigste Verbindungweg zwischen den Residenzorten der Grafen von Görz, Görz (Gorizia) und Lienz. Darauf folgend war das Habsburgerreich über den Plöckenpass mit der Republik von Venedig verbunden. Im Jahr 2025 sind die Nachbarorte Nova Gorica und Gorizia europäische Kulturhauptstadt.

Der Gebirgsabschnitt bildete aber bereits im 1. vorchristlichen Jahrhundert die Grenze zwischen dem römische Italien und dem norischen Königreich und später mit der römischen Provinz Noricum. Aus der bedeutenden Epoche der römischen Kaiserzeit stammen zwei Felsinschriften knapp hinter der Staatsgrenze, die die TeilnehmerInnen an der Wanderung betrachten und analysieren konnten. Die ältere davon, von Mitte des 2. Jh. n. Chr., erinnert an einen gewissen Respectus, der Instandsetzungsarbeiten an der Straße geleitet hatte.

Nach einem Felssturz im Dezember 2023 ist die Plöckenpassstraße bekanntlich auf italienischer Seite das ganze Jahr 2024 über nicht befahrbar. Persönliche Beziehungen über die Grenze hinweg sind davon ebenso betroffen wie das Wirtschaftsleben entlang der Plöckenroute dies- und jenseits der Grenze. Der VIA Kultursommer sieht es als seine Aufgabe, die kulturellen Kontakte trotz der Einschränkungen nicht nur zu pflegen, sondern sogar auszubauen. Im Bewusstsein um die jahrtausendealte Tradition des Verbindungsweges über die Karnischen Alpen, der zum allergrößten Teil zu Fuß beschrittenen wurde, machte man sich auf Schusters Rappen auf nach Timau.

Ab der Passhöhe und den Felsinschriften ging unter der Leitung von Hannes Guggenberger zu Fuß voran in Richtung Laghetti di Timau. Man beschritt im Abstieg den Wanderweg Nr. 161, der auch als „Weg des Respectus“ bekannt ist. Dieser führt auf der dem Kleinen Pal gegenüberliegenden, sichereren Seite ins Tal.

Nach Querung der Collinetta-Alm und einer Felspassage (Malpasso) gelangte die Gruppe über einen uralten Serpentinenweg bis an die Staatsstraße und weiter bis zur Trattoria Laghetti. Die Wirtsleute Rita und Boris bereiteten ein schmackhaftes Essen. Im Anschluss musizierte Daniele D’Agaro, einer der bedeutendsten italienischen Improvisationsmusiker, für die Kulturwanderer und die friulanischen KonzertbesucherInnen. Das Konzert restultierte aus der Zusammenarbeit des VIA Konzertsommers mit dem italienischen Veranstalter Estensioni Jazz Club Diffuso. Mit seinen auf einem Teppich aufgereihten Saxophonen und Klarinetten zelebrierte Daniele d’Agaro „A voce sola“ seine „die Kunst des langen Atems“ und bot unter freiem Himmel ein faszinierendes Klangerlebnis, das von mittelalterlichen Melodien bis zu Jazzstandards reichte.

Hervorzuheben ist unter den zahlreichen Teilnehmer:innen der Wandergruppe ein älteres, deutsches Ehepaar, das zu Fuß in 13 Tagesetappen vom bayerischen Berchtesgaden über die Alpen bis nach Tolmezzo unterwegs war. Sie schlossen sich in Mauthen der Gruppe an, um sicher voranzukommen und Wissenswertes zu erfahren. Wie sanfter Tourismus gewürzt mit einer kräftigen Brise Kultur funktioniert zeigte sich an dieser netten Begegnung.

Weitwanderwege von Ort zu Ort sind seit Jahren im Trend und bieten großes touristisches Potenzial. Die Wandersaison beginnt zeitig im Frühjahr und geht bis in den Spätherbst, wirkt also saisonverlängernd. So bezeichnete auch der frühere Chef der NLW, Christopher Gruber, das Wegenetz als „unsere wichtigste Infrastruktur überhaupt”. Einhergehend mit dem Wandertourismus bedarf es eines funktionierenden öffentlichen Verkehrs – im Fall des Plöckenpass grenzüberschreitend und von Bahnhof zu Bahnhof, von Oberdrauburg bis nach Carnia.
Text: Redaktion, Fotos: Gerlinde Ortner, Angelo Salvin