Jugendzentrum Matrei in Osttirol: Zwischen Billardtisch und Lebensfragen
Mit neuem Konzept und modernisierten Räumlichkeiten ist das Jugendzentrum Matrei vor zwei Jahren in eine neue Phase gestartet. Seit Juni 2024 leitet Sozialpädagogin Sarah Wibmer den offenen Raum für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren.
Es ist früher Freitagabend im Matreier Jugendzentrum. Beim Tischfußball wird lautstark diskutiert, im hinteren Bereich beugt sich eine kleine Gruppe konzentriert über ein Schachbrett. Wer durch die Tür tritt, merkt schnell: Hier geht es um Begegnung und Austausch.
„Die Jugendlichen sollen hier begleitet werden – in einem offenen Raum. Begegnung, Kreatives und Austausch stehen im Mittelpunkt. Hier werden Kontakte geknüpft. Spiel und Spaß gehören genauso dazu“, sagt Sarah Wibmer, die seit Juni 2024 das Jugendzentrum leitet. Die gebürtige Obertilliacherin lebt mit ihrem Mann Andreas und ihren zwei Kindern in der Tauerngemeinde. Früher war sie als Kindergartenassistentin tätig, hat berufsbegleitend Sozialpädagogik studiert und arbeitet bei AusbildungsFIT in Lienz.
v.l.n.r.: Jan Raneburger, Sarah Wibmer, Johanna Santner und Marion Gasser
Engagiertes Team
Unterstützt wird Sarah Wibmer von einem engagierten Team: Johanna Santner, Ingo Pranter, Jan Raneburger sowie Marion Gasser, die hauptsächlich für die Fahrschüleraufsicht zuständig ist. Mit viel Einsatz begleiten sie die Jugendlichen im Alltag, unterstützen bei persönlichen Anliegen und organisieren Freizeit- und Kreativprojekte. „Wir reden auch oft über Themen, über die man zu Hause vielleicht nicht sprechen möchte – wie Sucht, Alkohol oder Beziehungsprobleme. Für uns als Betreuerteam ist es immer wieder eine Überraschung: Wer kommt heute? Mit welcher Stimmung? Mit welchen Anliegen – vielleicht auch mit welchen Problemen?“ Die Ergebnisse sozialer Arbeit seien nicht immer unmittelbar sichtbar. „Durch das Jugendzentrum vermitteln wir auch die Botschaft, dass Matrei lebenswert ist. Die Jugendlichen sollen merken, dass sie hier eine Zukunftsperspektive haben.“

40-jähriges Bestehen
Die Geschichte des Jugendzentrums reicht bis ins Jahr 1986 zurück, als in der Marktgemeinde Matrei erstmals ein alternatives Sommerangebot für Kinder und Jugendliche geschaffen wurde. Seit 1999 hat das Jugendzentrum seinen Standort im Schulzentrum in der Lienzerstraße 17. Im Zuge eines neuen Konzepts, das 2024 in Zusammenarbeit mit der Plattform Offene Jugendarbeit Tirol (POJAT) erarbeitet wurde, wurden die Räumlichkeiten modernisiert und an aktuelle Bedürfnisse angepasst. Eine begleitende Jugendbefragung zeigte deutlich: Die Jugendlichen schätzen die gelebten Traditionen, die Natur vor der Haustür und den Zusammenhalt in der Gemeinde. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Orte zum Verweilen und Freunde treffen. Auch das seit Jahren geschlossene Freischwimmbad wird vermisst.

Räumliches Angebot
Das Matreier Jugendzentrum besteht aus einem großen offenen Raum mit verschiedenen Bereichen. Billardtisch, Tischfußball, Dartautomat, Karten- und Brettspiele stehen u.a. zur Verfügung. Eine Küche ermöglicht die Zubereitung kleiner Speisen zu minimalen Selbstkostenpreisen. Angeboten werden ausschließlich alkoholfreie Getränke. Im gesamten Jugendzentrum gilt Rauchverbot. Über eine Verbindungstür ist die Mehrzweck- und Sporthalle, das Matreier Tauerncenter, direkt erreichbar. „Handys gehören heute zwar zum Alltag. Wenn die Jugendlichen beim Sport sind, rücken die Smartphones aber in den Hintergrund“, erzählt Sarah Wibmer.
Fußball, Federball oder Völkerball sorgen für Bewegung – und für Gemeinschaft. Leider fehle dem Jugendzentrum laut Sarah ein adäquater Außenbereich. Ebenso werde der Zugang über das Schulgelände nicht als ideal empfunden. Dementsprechend wurde der Wunsch nach alternativen, zentral gelegenen Räumlichkeiten von Seiten der Jugendlichen mehrfach geäußert.

Aktivitäten, Veranstaltungen, Öffnungszeiten
Neben dem offenen Treff organisiert das Team des Matreier Jugendzentrums auch Veranstaltungen wie Flohmärkte, Adventmärkte, gemeinsames Kochen, Tischfußball- und Dartturniere. Auch an der Müllsammelaktion im Frühjahr beteiligen sich die Jugendlichen.
Für die Fahrschüleraufsicht ist das Jugendzentrum von Montag bis Freitag jeweils von 10.45 bis 14.00 Uhr sowie von Montag bis Donnerstag jeweils von 15.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Der reguläre Jugendtreff findet mittwochs und donnerstags von 16.30 bis 21.00 Uhr sowie freitags und samstags von 16.00 bis 21.00 Uhr statt.

Kooperationen und Auszeichnung
Vernetzungsarbeit spielt in der Arbeit des Jugendzentrum-Teams eine zentrale Rolle. Man arbeitet mit Schulen, Vereinen, sozialen Einrichtungen, der Gemeinde Matrei sowie anderen Jugendzentren im Bezirk eng zusammen. Dadurch können Angebote besser abgestimmt, Ressourcen geteilt und Projekte gemeinsam umgesetzt werden. Bürgermeister Raimund Steiner betont die Bedeutung der Einrichtung. „Gerade im jugendlichen Alter ist ein Betreuungsangebot wichtig. Deshalb sind Jugendzentren, wie wir es in Matrei haben, wesentlich. Das Angebot wird gut angenommen.“ Er selbst schaue regelmäßig vorbei, tausche sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus und suche auch das Gespräch mit den Jugendlichen.

2025 wurde das Jugendzentrum Matrei mit dem Karl-Sartori-Preis der Lienzer Sparkasse Privatstiftung ausgezeichnet. Von insgesamt 120.000 Euro, die an 16 Projekte vergeben wurden, gingen 5.000 Euro nach Matrei. „Damit werden wir einige Ideen der Jugendlichen umsetzen können“, freut sich Sarah. „Das Schwierigste ist oft, junge Menschen zu motivieren. Die Ergebnisse sozialer Arbeit zeigen sich nicht von heute auf morgen. Aber wenn junge Menschen Vertrauen fassen und spüren, dass sie hier in unserer Marktgemeinde eine Zukunft haben, dann zahlt sich jede Mühe aus.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger





