Johann Ruggenthaler hat den Überblick

Seit 25 Jahren schon „bewegt“ der gebürtige Virger Johann Ruggenthaler Kräne. Derzeit dreht und lenkt er einen 35 Meter hohen Kran mitten im Zentrum von Lienz.

Der 56-Jährige hat auch schon auf stählernen Riesen mit bis zu 70 Metern Höhe gearbeitet, wie er uns beim Besuch in seiner Führerkabine hoch über den Dächern der Osttiroler Bezirkshauptstadt erzählt. Für die Schönheiten der Umgebung hat Johann Ruggenthaler keinen Blick. Er muss sich in seinem Arbeitsalltag hochkonzentriert dem widmen, was weit unterhalb seiner  Führerkabine – auf der jeweiligen Baustelle – vor sich geht. In den Händen hat er zwei Steuerknüppel, mit denen er seinen Kran dreht und Betonteile, Eisenstangen, Dämmplatten, Kübel voll Beton und alles, was sonst so auf einer Baustelle bewegt werden muss, in die Höhe hebt. Zentimeter genaues Arbeiten ist in seinem Job gefragt. „Die Arbeit fordert weniger körperlich als geistig“, sagt er. Wer als Kranführer auch nur einen kurzen Augenblick unaufmerksam ist, kann schnell größeren Schaden anrichten. Glücklicherweise habe er, so der dreifache Familienvater, bis heute keinen folgenschweren Unfall verursacht.

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Bis zu acht Stunden durchgehend sitzt der Osttiroler in seiner Führerkabine, die er tagtäglich über eine Leiter mit 150 Sprossen erreicht. Ein ungeübter Kletterer braucht etwa 5 Minuten für den Weg zu Johanns Kabine. Mit den Kollegen unten am Boden verständigt er sich – je nach Größe des Krans – per Handzeichen und Zuruf bzw. per Funk. „Jede Baustelle ist anders, jeder Kran hat seine Eigenheiten. Manchmal kommt bei einem Bauprojekt nur ein Kran zum Einsatz. In anderen Fällen sind es bis zu drei. Dabei gilt die Regel, dass der höchste Kran immer auf die niedrigeren zu achten hat. Man muss immer topfit sein“, so Ruggenthaler. Kurzfristige Urlaubsanfragen seien in seinem Beruf schwierig.  „Heit will i nit, geht nit!“, hält er fest. „Der Kran muss immer laufen!“

Gelernt hat Johann Ruggenthaler eigentlich etwas ganz anderes: Tischler. Zu seinem Job als Kranführer ist er mehr oder weniger durch Zufall gekommen. Als er sich 1989 bei einer Baugesellschaft bewarb,  wurde ihm – inklusive vorheriger Ausbildung – die Tätigkeit als Kranführer angeboten. Er  sagte ja, absolvierte eine Ausbildung am WIFI in Innsbruck und ist seitdem dabei geblieben. Routine und Erfahrung sind seinen Angaben nach ebenso wichtig wie Nerven aus Stahl. Bei schlechter Witterung kann es schließlich hoch oben in der Höhe auch gefährlich werden. Der 56-Jährige kennt die Tücken des Wetters, wie starke Windböen, Blitz und Sturm.

„Auf einer Baustelle in Prägraten hat ein Blitz in meinen Kran eingeschlagen. Der Knall war unglaublich laut, aus allen Schaltkästen ist Rauch aufgegangen. Alle Sicherungen waren kaputt. Mir selbst ist Gott sei Dank nichts passiert!“, erinnert er sich zurück. Mitte 2016 soll der Rohbau im Herzen von Lienz fertig sein. Bis dahin wird Kranführer Johann schätzungsweise 2.800 Stunden im Auftrag der Fa. Bodner Bau in seinem Kran verbracht haben. Wir wünschen ihm, dass er auch auf allen nachfolgenden Baustellen den Überblick behält!

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Osttirol heute/David Hotzler

12. Dezember 2015 um