In Außervillgraten hieß es „Step by step to the rap“
In der Osttiroler Gemeinde Außervillgraten begeisterte das vielfältige Kinderprogramm der „Jungen Uni im Dorf“ am 28.11. über 100 Kinder und Jugendliche aus der Region.
Seit dem Jahr 2001 findet in der Osttiroler Gemeinde Außervillgraten im Spätherbst die österreichweit einzigartige Veranstaltung „Universität im Dorf“ statt. Heuer stand das letzte Novemberwochenende vom 28. bis 29.11.2015 ganz im Zeichen des Themas „Die Macht der Musik“. „Dementsprechend haben auch wir uns Gedanken gemacht, was wir den Kindern und Jugendlichen in diesem Jahr bieten bzw. gemeinsam mit ihnen gestalten wollen“, berichtet Dr. Silvia Prock, die von Seiten der Universität Innsbruck für die Organisation der „Jungen Uni im Dorf“ verantwortlich zeichnet.
Vier Stationen in der Volksschule Außervillgraten hatte das Team rund um Dr. Prock vorbereitet und schon die Ankündigung dessen, was sie erwartet, entlockte den Mädchen und Buben der Volksschulen aus dem Villgratental bzw. von TeilnehmerInnen der Jungen Uni: Volksschulen Außer- und Innervillgraten, Sillian, Kartitsch und Obertilliach, NMS Sillian und Abfaltersbach am Samstag, 28.11., viele Ja`s und Ah`s. „Step by step – to the rap“ lautete das Motto von Station 1. Ulrike Pfeiffenberger und Maria Schlögl unterstützten die Heranwachsenden hier bei der Textierung ihres ganz eigenen „Raps“. An Station 2 luden Sandra Mauler und Elisabeth Waldhart die Mädchen und Buben mit der Fragestellung „Wie klingt Außervillgraten?“ dazu ein, sich mit Aufnahmegeräten in den Ort aufzumachen, und die für Außervillgraten typischen Geräusche einzufangen. „Wo liegen deine musikalischen Stärken? Teste dich selbst!“ hieß es an Station 3, begleitet von Hannah Strauß, während an Station 4 die Aufgabe, ein Musikinstrument aus der Altsteinzeit zu basteln, wartete. Michael Praxmarer und Elias Flatscher unterstützten den Nachwuchs bei der Herstellung eines „Schwirrholzes“.
„Ich beneide euch darum, was ihr heute hier machen könnt“, hatte der Vizerektor der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Roland Psenner, den Kindern auf ihren Weg durch die „Junge Uni im Dorf“ mitgegeben. Später, bei seiner Eröffnungsansprache für die „Universität im Dorf“ im Haus Valgrata, betonte er, dass er auch in diesem Jahr mit Freude ins Villgratental gekommen sei. „Gemeinsam mit den Vertretern der `ARGE Universität im Dorf` hier in Außervillgraten, OSR Josef Told und Bgm. Mag. Josef Mair, ist es uns erneut gelungen, ein phantastisches Programm mit renommierten Referenten zusammenzustellen. Das Thema rund um die `Macht der Musik` ist allerdings, wie es möglicherweise auf den ersten Blick hin den Anschein haben könnte, kein harmloses, sondern ein ganz wichtiges. Man denke etwa nur etwa daran, wie die Musik von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht wurde und an vieles Dunkle, das in diesem Zusammenhang erst in jüngerer Vergangenheit an die Oberfläche gelangt ist.“
Dass die Musik jeden Einzelnen berührt, dass sie Jeden/Jede aktiv oder passiv, bewusst oder unbewusst betrifft, sprach der Außervillgrater Bürgermeister Mag. Josef Mair in seinen Grußworten an. Er zeigte sich stolz darüber, dass die hochkarätig besetzte Veranstaltung seit dem Jahr 2001 ohne Unterbrechung stattfinden konnte und verwies auf die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck.
Mit einem Zitat von Nietzsche leitete Univ.-Prof. Mag. Dr. Monika Fink vom Institut für Musikwissenschaft ihre Ansprache ein: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum!“ Die Studiendekanin der Philosophisch-Historischen Fakultät hob die Bedeutung der Musik für unser aller Leben hervor: „Sie spricht uns unmittelbar an und kann jede Art von Emotion – von Freude bis hin zu Traurigkeit – in uns auslösen. Musik hat aber auch eine manipulative Kraft, weshalb wir uns dem Thema `Die Macht der Musik` hier in Außervillgraten aus zwei Perspektiven annähern wollen: einerseits aus der Sichtweise der Psychologie, Neurowissenschaft und Psychotherapie und andererseits aus der Sicht der Musikwissenschaft selbst.“
Zu „Musik und Emotionen“ referierte in der Folge Univ.-Prof. Dr. Marcel Zentner vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck, gefolgt von dem Vortrag „Wie Bilder klingen“ von Univ.-Prof. Mag. Dr. Monika Fink. Der spätere Samstagnachmittag und Abend standen im Zeichen des Workshops „Der multisensorische Ansatz in der Arbeit mit Straftätern“, einer Abendmesse in der Pfarrkirche St. Gertraud (Predigt von Univ.-Prof. P. Dr. Georg Fischer SJ zum Thema „Eure Herzen seien nicht beschwert durch Sorgen des Alltags!“ und eines interaktiven Konzertes, gespielt von der MK Außervillgraten. Für das leibliche Wohl sorgte ein Buffet mit Spezialitäten aus dem Tal, vorbereitet von den Ortsbäuerinnen. Am Sonntag, 29.11., informierte Univ.-Prof. Dr. Raymond Ammann vom Institut für Musikwissenschaft über die Geschichte des Jodelns, nach ihm sprach Dr. Bruno Gingras vom Institut für Psychologie zum Thema „Musik und veränderte Bewusstseinszustände“.
Die Veranstaltungsreihe „Universität im Dorf“ fand um die Mittagszeit mit Schlussworten von Bgm. Josef Mair und Vizerektor Roland Psenner ihren Abschluss.
Text: E. Hilgartner, Fotos: Osttirol heute/H. Kraner



