Imkern – mehr als nur ein Hobby
Maria Lederer aus Lienz ist seit dem Vorjahr Neo-Imkerin. Beim Start in die Bienenzucht hat sie der erfahrene Imker-Experte Thaddäus Stocker tatkräftig unterstützt.
Nach ihrer Pensionierung hat sich Maria Lederer, zuletzt engagierte Leiterin der Hebammenstation am BKH Lienz, mit dem Gedanken befasst, sich intensiver mit Bienen und der Bienenzucht zu beschäftigen. 2015 entschloss sie sich dazu, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Von Thaddäus Stocker kaufte sie zwei Bienenvölker an und fand in ihm gleichzeitig auch einen Ratgeber, der ihr seitdem mit exzellentem Expertenwissen rund um die Honigbiene zur Seite steht. „Ich habe von Thäddäus sehr viel gelernt. Vor allem schätze ich seine Geduld, die mir auch über einige Schwierigkeiten beim Start in mein Imkerdasein hinweggeholfen hat,“ schwärmt sie von ihrem Lehrmeister.

Fünf Neo-ImkerInnen hat Thaddäus Stocker, der in Leisach den Osttiroler Bienenladen betreibt, im Vorjahr begleitet. „Für Neueinsteiger-Innen ist eine verlässliche Betreuungsperson am Beginn sehr wichtig. Auch bei Marias Bienenstock galt es, einige Hürden zu meistern. Ihr Bienenvolk nahm beispielsweise seine Königin nicht an und wurde in der Folge drohnenbrütig. Mit einem Ableger konnten wir dieses Problem lösen“, erinnert sich der Bienenvater zurück. Die beiden Bienenvölker, die ihre Heimat in zwei Bienenstöcken am Linken Drauweg in Lienz haben, sind bis zum Herbst auf „Winterstärke“ herangewachsen. „Sie wurden von Maria bestens auf den Winter vorbereitet. Gemeinsam haben wir auch eine Restentmilbung durchgeführt, und so konnten die Bienen wohlbehütet in ihre Winterruhe gehen. Die ersten Ausflüge jetzt im Frühjahr deuten darauf hin, dass die Bienenvölker in einem prächtigen Zustand sind“, lobt Stocker die Neo-Imkerin.

Jetzt im Frühjahr befindet sich die Königin, wie es im Fachjargon heißt, in Eilage. Im April wird dann das Bienenvolk von Winter- auf Sommerbiene wechseln und die Königin ihre Legetätigkeit auf bis zu 2.000 Eier am Tag steigern. „Bis zur Kirschblüte kann ein Bienenvolk sprunghaft anwachsen“, informiert der Bienen-Experte. „In dieser Phase ist es sehr wichtig, dem Volk genügend Raum zu geben. Ansonsten würden die Tiere ausschwärmen.“ Für den als Sicherheitstechniker arbeitenden Osttiroler ist der Umgang mit den Bienen Ausgleich zum Beruf und die Imkerei auch eine gesellschaftliche Verantwortung. „Die Biene ist im Frühjahr die erste, die mit der Bestäubungsaktivität beginnt. Sie gewährleistet, dass unsere vielfältige Pflanzenwelt erhalten bleibt!“ Bis zur Haupttrachtzeit werde sich die Anzahl der Bienen im Stock verdrei- oder sogar vervierfachen: „Eine richtige Bienenführung ist auch in dieser Phase besonders wichtig!“

Neo-Imkerin Maria Lederer freut sich schon sehr auf ihre erste Honigernte. „Ich hoffe, dass ich im Sommer genügend Honig für den Eigenbedarf ernten kann.“ Pro Volk könne man bei ansprechender Ernte in der Höhenlage von Lienz rund 15 bis 20 Kilogramm Honig erwarten, spricht Thaddäus Stocker das mögliche Ernteergebnis an. Er selbst betreut 40 bis 50 Trachtvölker im Raum Thal und in St. Johann im Walde. Am Gelände seines Bienenladens in Leisach zählt er weitere 20 bis 25 Völker, die der Zucht und Nachzucht vorbehalten sind. Der erfahrene Imker liefert Bienen an NeustarterInnen wie Maria und stattet sie mit dem notwendigen Zubehör – vom Kleinwerkzeug bis zur Schleuder – aus. In seinem Osttiroler Bienenladen bietet er nicht nur eine große Auswahl der besten Honigsorten der Region an, sondern auch Spezialprodukte wie Honiglikör, Propolis, Wachs- und Kosmetikartikel. Hochwertige Hautcremen oder Shampoos werden aus Gelée Royale erzeugt, und das aus Bienengift erzeugte „Bienenstich punktgenau“ soll bei Rheuma, Arthritis und Gelenksbeschwerden aller Art helfen.

„Ich schätze den Duft von Honig, auf mich wirkt aber auch der Geruch des Bienenstockes sehr entspannend. Das Arbeiten mit den Bienen ist für mich so etwas wie eine Meditation“, beschreibt Maria Lederer die Faszination, die das Imkern auf sie ausübt. Ähnliches berichtet auch Thaddäus Stocker, der selbst vor etwa 15 Jahren mit dem Imkern begonnen hat. „Ich versprach meinem Vater, mich um seine Bienenvölker in Assling/Dörfl zu kümmern. Nach seinem Tod setzte ich mich intensiv mit der Thematik auseinander.“ Inzwischen ist er zu einem echten Bienen-Experten herangereift. Derzeit absolviert er die Ausbildung zum Imkermeister in Klagenfurt. „An den Bienenstöcken zu arbeiten ist für mich Erholung pur. Zwei Stunden bei meinen Bienen und ich fühle mich wie neugeboren“, beschreibt er seine Passion, die ihm auch bei schwierigen Entscheidungen im Alltag helfe. „Bienen sind ein sehr wesentlicher Faktor der Natur. Wenn die Völker jetzt, bei steigenden Temperaturen, wieder bis zur Stockgröße heranwachsen, sehe ich darin eine sehr starke Symbolkraft für das Frühlingserwachen“, so Thaddäus Stocker abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger


