„Hollerstauden”: Dreistimmig, bodenständig und mit viel Gefühl

Was einst in der Volksschule und im Jugendchor von Hollersbach begann, entwickelte sich für Eva Hofer, Eva Gruber und Vera Egger zu einer musikalischen Erfolgsgeschichte weit über den Pinzgau hinaus.

Wenn die „Hollerstauden“ gemeinsam auf der Bühne stehen, spürt man schnell, worum es ihnen eigentlich geht. „Wir wollen vor allem unterhalten und gemeinsam mit den Leuten eine gute Zeit verbringen“, erzählen die drei Musikerinnen – Eva Hofer sowie die beiden Schwestern Eva Gruber und Vera Egger. Aufgewachsen sind alle drei in Hollersbach im Salzburger Pinzgau. Eva Hofer lebt bis heute dort und betreibt einen Campingplatz. Eva Gruber arbeitet nach ihrer Tätigkeit als Kindergartenpädagogin nun als Musiklehrerin, während ihre Schwester Vera Egger – eine ausgebildete Bauingenieurin und Baumeisterin – derzeit als Mittelschullehrerin tätig ist. Die beiden Schwestern wohnen heute in Niedernsill.

Die Liebe zur Musik begleitet die drei Frauen schon seit ihrer Kindheit. Bereits in der Volksschule standen sie gemeinsam auf der Bühne, später sangen sie auch zusammen im Jugendchor Hollersbach. Danach trennten sich ihre Wege zunächst, ehe sie sich musikalisch erneut zusammenfanden und 2014 schließlich die „Hollerstauden“ gründeten. Von Anfang an stand dabei das Singen im Mittelpunkt. Musikalisch bewegen sich die „Hollerstauden“ bewusst quer durch verschiedenste Genres. Ihr Repertoire reicht vom Heimatlied über Jodler und Oldies bis hin zu Rock- und Popmusik. Begleitet werden die Stimmen unter anderem von Klavier, Gitarren, Geige, Harfe, Cello und verschiedenen Percussion-Instrumenten.

 

 

„Begonnen haben wir als Coverband, heute spielen wir fast nur mehr unsere eigenen Titel“, erklärt Eva Hofer. Bekannt wurde das Trio zunächst vor allem durch Mundpropaganda und Auftritte im Pinzgau – etwa bei den Zeller Sommernachtsfesten. Von Anfang an gehörten rote Hüte und schwarze Dirndl zu ihrem Markenzeichen.

Der große Durchbruch kam schließlich eher zufällig. Während einer Autofahrt zu einer Veranstaltung entstand ein Video, in dem die drei Pinzgauerinnen ihre umgedichtete Version von „Despacito“ – „Des passt mir so“ – sangen. Der humorvolle Titel beschäftigt sich augenzwinkernd mit kleinen Alltagsproblemen vieler Frauen und vermittelt gleichzeitig eine einfache Botschaft: „Du bist super, so wie du bist!“ Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich das Video rasant über Facebook. Mittlerweile wurde das Lied millionenfach angeklickt und zählt allein auf YouTube rund 4,9 Millionen Aufrufe.

Plötzlich folgten Anfragen von Presse, Radio und Fernsehen. Die „Hollerstauden“ traten bei großen Veranstaltungen und Fernsehsendungen wie „Wenn die Musi spielt“ in Bad Kleinkirchheim oder der „Zauberhaften Weihnacht“ auf. Hinzu kamen Fernsehreportagen und Videodrehs – unter anderem in einem Ferienresort zum Titel „Luft und Liebe“. Sogar aus Brasilien erreichten die drei Musikerinnen Anfragen.

 

 

Viele Möglichkeiten mussten die „Hollerstauden“ aber auch ausschlagen, weil Familie und Beruf für sie bewusst Vorrang haben. „Wir haben insgesamt acht Kinder. Familie steht bei uns an erster Stelle“, betont Eva Gruber. Früher standen oft bis zu 30 Konzerte pro Jahr in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf dem Programm, heute sind es noch etwa zehn. „Besonders freuen wir uns heuer auf die Fanwanderung zur Panorama-Alm im Skigebiet Kitzbühel am 2. Oktober und auf das Konzert ,Heimspiel 2.0‘ am darauffolgenden Tag in unserer Heimatgemeinde Hollersbach.“

Die Konzerte leben nicht nur von der Musik, sondern vor allem auch von Spontanität und der Nähe zum Publikum. „Wir erzählen kleine Anekdoten aus dem Leben – natürlich und humorvoll“, sagt Eva Gruber. „Wir gehen stark auf das Publikum ein. Vor uns ist keiner sicher“, betont Vera Egger lachend. „Wir verstehen uns wahrscheinlich gerade deswegen so gut, weil wir unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Von Vegetarierin bis Fleischfresserin, von sehr ruhig bis Rampensau, vom Turnschuh bis High Heels, von Labello bis rotem Lippenstift und von strukturiert bis chaotisch ist bei uns alles dabei“, schmunzelt Eva Hofer.

 

 

Mittlerweile haben die „Hollerstauden“ bereits vier CDs veröffentlicht, ein weiteres Album ist derzeit in Arbeit. „Für die Aufnahmen nutzen wir heute vor allem das Online-Recording. Das ist für uns praktisch, weil wir dadurch zeitlich flexibler sind und sich alles besser mit Kindern und Beruf vereinbaren lässt“, berichtet Vera Egger.

Die Natürlichkeit, die emotionale Nähe zum Publikum und die sichtbare Freude an der Musik machen die „Hollerstauden“ so besonders. Ihre Lieder sollen unterhalten, berühren und Menschen für ein paar Stunden den Alltag vergessen lassen. „Wir haben nie etwas erzwingen wollen“, sagt Eva Hofer. „Wir waren immer dankbar für das, was gekommen ist.“ Und Eva Gruber ergänzt: „Wichtig ist die Dankbarkeit. Wir haben nie vergessen, wo wir herkommen.“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Eva Reifmüller

10. Juni 2026 um