Hobbyhistoriker Dietmar Simoner: Auf den Spuren der Römer im Drautal
Dietmar Simoner will nachweisen, dass die Via Iulia Augusta bei Irschen ins Drautal mündete und seine Heimatgemeinde damit Hauptknotenpunkt dieser frühen Römerstraße war.
Das Interesse der Wissenschaft und der Fachwelt an den Nachforschungen und Erkenntnissen von Dietmar Simoner ist geweckt. 2016 führten Archäologen der Universität Innsbruck unter der Leitung von Gerald Grabherr am Burgbichl südwestlich von Irschen erste Grabungen durch. Tatsächlich wurde eine Höhensiedlung aus der Zeit zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nach Christus entdeckt. „Für 2020 sind weitere Grabungen geplant“, freut sich Dietmar Simoner über die Fortsetzung der Arbeit der Experten. Der Hobbyhistoriker aus Leidenschaft sieht in seiner Heimatgemeinde viele Perspektiven für die Forschung. „Die Wissenschaft erkennt langsam, dass die Romanisierung in unserer Region früher als bisher angenommen eingesetzt haben muss“, erklärt er.

Der 76-jährige Oberkärntner war bis zu seiner Pensionierung beruflich als Bautechniker im Straßen und Brückenbau tätig. Seine Kenntnisse über Geländeformen und Wegebau waren die Grundlage dafür, dass er damit begann, sich infolge eines Interreg-Projektes über die „Via Iulia Augusta“ näher mit der Geschichte seiner Heimatgemeinde und der Region auseinanderzusetzen. „Es darf angenommen werden, dass die Römer schon früh bis ins keltische Idunum (Irschen) vorstießen und dass hier schon 183 v.Chr. und 170 v.Chr. römische Gesandte mit Keltenfürsten verhandelten, um einen Gastfreundschaftsvertrag abzuschließen. Die südalpinen Kelten pflegten mit den oberitalienischen Völkern intensiven Handel und waren am Aufbau von Handelsbeziehungen mit Rom interessiert. Den Römern ging es in erster Linie um das Norische Eisen für die eigene Waffenerzeugung.“

Dietmar Simoner hat, wie er informiert, im Zuge seiner Recherchen entdeckt, dass die Streckenangaben der Via Iulia Augusta laut römischem Straßenverzeichnis nicht mit den tatsächlichen Entfernungen übereinstimmen. „Der zur Via Iulia Augusta ausgebaute Straßenverlauf erstreckte sich vom Plöckenpass, dem Eingangstor in die Ostalpen, bis ins Drautal. Es handelte sich hierbei um eine Hauptstraße, die sich bei Irschen gabelte, über Aguntum bis ins Pustertal führte und nach Osten durch ganz Kärnten bis ins Görtschitztal verlief. In Irschen, seit jeher ein Macht- und Kultplatz, und schließlich auch Standort einer römischen Zollstation für Noricum, befand sich ein wichtiger Straßenknotenpunkt.“ Simoner zeigt sich davon überzeugt, dass der vom Straßenknotenpunkt Loncium nach Westen über das Pustertal nach Rätien führende Straßenarm vorerst nur bis ins Lienzer Becken ausgebaut wurde. „Dort, an der Straßenabzweigung ins Mölltal mit seinen Goldvorkommen, errichtete man eine Straßenstation in Richtung Pustertal. Nach der militärischen Eroberung Rätiens durch die beiden Stiefsöhne des Augustus im Jahr 15 v.Chr. entfaltete sich hier die spätere römische Stadt Aguntum.“

Der Irschner Hobbyhistoriker vermutet, dass es sich bei der „Stadtmauer“ von Aguntum um eine voraugusteische Sperrmauer handeln könnte. „Ich glaube, dass der Ausbau der bestehenden Wege im südlichen Noricum zur Römerstraße Via Iulia Augusta schon in der Zeit von Julius Caesar begann und in der Zeit von Kaiser Augustus seine Fortsetzung fand.“ 2018 hat Simoner im Bereich der Draubrücke beim Bahnhof Irschen ein Denkmal errichtet. Er möchte damit erreichen, dass die frühe Geschichte von Irschen stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rückt und auch auf den Markt- und Kultplatz Irschen als Straßenknotenpunkt der Via Iulia Augusta hinweisen.
Seine Überlegungen zur alten Eisenstraße sieht er durch die Ergebnisse der Grabungen des Jahres 2017 am Zollfeld in Willersdorf gestützt, in deren Rahmen eine römische Straße Richtung Oberkärnten freigelegt wurde. „Ich bin davon überzeugt, dass auch die weiteren archäologischen Grabungen im Raum Irschen meine Straßentheorie zur Via Iulia Augusta untermauern werden“, so der Irschener abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol Journal