Historischer Kornschnitt mit „vergessenen“ Erntehelfern
Welche Getreidesorten wurden früher in und um Anras angebaut? Wie wurde das Getreide von unseren Vorfahren geerntet, getrocknet, gedroschen, gesäubert und verarbeitet?
Mit diesen und weiteren verwandten Fragen beschäftigten sich die Mitglieder des sehr engagierten und rührigen Heimatpflegevereins Anras schon seit geraumer Zeit und versuchten mit Hilfe von Zeitzeugen und eigener Sortenerhaltungsflächen am Feschtla- und Orterhof in Unterried Antworten zu finden sowie praktische Erfahrungen wieder zu entdecken. Am Freitag, 14. August 2015, war es dann so weit: Die Getreidefelder hatten Sturm, Regen, Hagel und Hitze gut überstanden und waren reif für den Schnitt. Auf Einladung von Johann Reiter, Schriftführer Martin Riedler und Obmann Robert Perfler konnten gemeinsam Sorten wie der „Anraser Winterroggen“, der „Villgrater Mahlhafer“ und außerdem auch Frühweizen, Gerste, Dinkel und Emmer mit der Sichel geschnitten, in unterschiedlichen traditionellen Verfahren zu Garben gebunden und nach einem andächtigen „Vaterunser“ zum Dank für die Ernte mittels „Patsche“ (Dreschbock) ausgeschlagen oder mit dem Dreschflegel gedroschen werden. Die Mitglieder des Heimatpflegevereines sowie Interessierte aus der Bevölkerung folgten gebannt den Erinnerungen und Ausführungen von Paula und Johann Reiter und ergänzten diese durch eigenes historisches Wissen, sodass der Getreideschnitt interessant, lebendig und würdevoll zelebriert werden konnte. Bei einer Jause im stilvollen „Orter-Stadl“ fand die Veranstaltung ihren gelungenen Abschluss, und manch einer konnte nicht widerstehen, sich einige Ähren der verschiedenen Getreidesorten mit nach Hause zu nehmen.
Wenn es aber nach den Vorstellungen des Heimatpflegevereins Anras geht, sollte man in der Osttiroler Gemeinde den alten, einheimischen Sorten auch in Zukunft optisch wie kulinarisch begegnen dürfen. Ein gelungenes und lobenswertes Projekt, das zur Nachahmung anregt!
Text: Redaktion, Fotos: Heimatpflegeverein Anras
