Heinrich Untergantschnig: Ein Leben zwischen Bildhauerkunst und Landwirtschaft

Auf seinem selbst renovierten Bergbauernhof am Grafenberg in Flattach im Mölltal vereint Heinrich Untergantschnig Kunst und Landwirtschaft zu einem Lebenskonzept, das ebenso bodenständig wie kreativ und inspirierend ist.

Heinrich Untergantschnig wurde 1959 am Grafenberg im Mölltal geboren. Schon als Kind zeigte er sich fasziniert vom Zeichnen und Schnitzen. Ein Lehrer erkannte früh sein Talent und empfahl ihm die Schnitzschule in Hallein, die er von 1974 bis 1978 besuchte und wo er bei Professor Bernhard Prähauser schließlich mit Auszeichnung abschloss. Nach ersten beruflichen Erfahrungen als Bildhauer wagte der Mölltaler bereits mit 19 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit.

 

 

Von 1991 bis 1993 besuchte er als weiterführende Ausbildung die Meisterschule für Bildhauerei in München, wo er sich unter anderem intensiv mit griechischer Mythologie und sakraler Kunst auseinandersetzte. Studienreisen nach Budapest und Ägypten erweiterten seinen Horizont. Die Motive seiner Werke reichen von sakralen Themen bis hin zu profanen und gesellschaftskritischen Skulpturen.

 

 

Als besonders prägend bezeichnet er sein Kunstwerk „Abendmahl“ aus Lindenholz, das er mit 18 Jahren schuf: „Mir war wichtig, dass Judas nicht als schlechter Mensch dargestellt wird, sondern als jemand mit Gewissen und Aufgabe. Während der Arbeit an diesem Werk hatte ich das Gefühl, selbst mit am Tisch zu sitzen – so sehr hat mich die Beschäftigung mit dem Thema bewegt.“  Heute arbeitet Heinrich bevorzugt mit Stein – Krastaler Marmor, Kalkstein vom Plöckenpass, Granit oder Serpentin aus Prägraten am Großvenediger. Auch mehrere Brunnen aus Tauerngneis hat er in seiner Werkstatt geschaffen.

 

 

Zu Heinrichs größten und wichtigsten Arbeiten zählen etwa die 3,45 Meter hohe Christusfigur in der Pfarrkirche Mallnitz (1995/96) oder die Steinskulptur „Das große soziale Gefüge“ in Velden am Wörthersee (2012). Werke im öffentlichen Raum, wie „Evolution“ im Schulzentrum Obervellach oder der „Sinne Trinkbrunnen“ in der Volksschule Flattach, zeigen, dass seine Kunst einen bedeutenden Beitrag zur Gestaltung gemeinschaftlicher Identität leistet – und dafür breite Anerkennung findet.

 

 

Sein Krippenkunstwerk „Das Brot an der Grenze“ thematisiert die Migration – in Form einer untypischen Krippe, in der das Brot und nicht das Weihnachtsgeschehen im Mittelpunkt steht. „Jesus ist im Brot immer noch gegenwärtig“, sagt Heinrich. Seine Botschaft ist klar: Kunst soll nicht nur abbilden, sondern anregen, hinterfragen, inspirieren. Was ihn antreibt, ist nicht nur die handwerkliche Präzision, sondern ein tiefes inneres Bedürfnis, mit seinen Arbeiten etwas Wesentliches sichtbar zu machen. „Der Künstler durchlebt Phasen in seinem Dasein, in denen sich Positives und Negatives abwechseln – und das drückt sich dann in den Arbeiten aus. Euphorie, Melancholie, Besessenheit und Lust sind die Triebfedern. Herz, Kopf und Bauch stehen für das Resultat. Die sonst tiefe, verborgene Seele wird heraufgeholt an die Oberfläche, wird sichtbar in Form und Farbe. Ein wesentliches Bedürfnis ist es mir, der Arbeit Seele zu geben, sodass sie Botschaft, Frage, Anker und Inspiration sein kann“, sagt er über seine Kunst.

 

 

1997 erwarb Heinrich den „Unterlienznerhof“ – einen alten Bergbauernhof etwas unterhalb jenes Hofes, auf dem er aufgewachsen ist. Mit viel Engagement und Begeisterung renovierte er das Anwesen und machte es zu seinem Lebensmittelpunkt. Seitdem lebt und arbeitet er dort – auf 1.240 Meter Seehöhe – inmitten von Natur und künstlerischer Inspiration. 2022 heiratete er Monika, eine gebürtige Steirerin, die seine Begeisterung für die Landwirtschaft teilt. Sie wuchs auf einem Bauernhof auf und brachte so eine große Leidenschaft für Tiere, das Imkern, für Kräuter und für den Gemüsegarten mit.

 

 

Die Bienen sind Monikas besonderes Herzensprojekt, 13 Bienenstöcke gehören mittlerweile zum Hof. „Mit der Heirat hat ein neuer Lebensabschnitt für mich begonnen“, sagt Heinrich. „Wir leben gemeinsam unsere Begeisterung für die Natur und für die Landwirtschaft. Monika ist eine tragende Säule am Hof und begleitet mich auch in meiner bildhauerischen Arbeit mit klarem Blick und feinem Gespür.“

 

 

Rund 20 Mutterschafe mit Lämmern bilden das Herzstück der Landwirtschaft. Hühner und Hund Steini, der immer alles im Blick behält, tragen viel zum pulsierenden Leben am Bergbauernhof bei. „Die Lämmer werden lebend verkauft, die Wolle dient als Dämmmaterial, Düngemittel im Garten und für die Blumen oder wird zum Filzen verwendet. Honig, Propolis und Kerzen stellen wir in unserer kleinen Imkerei her“, freut sich Monika. Nachhaltigkeit ist am Unterlienznerhof kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis. „Die alten Schafe verwerten wir für den Eigengebrauch“, ergänzt Heinrich.

 

 

Der Bergbauernhof und die Naturlandschaft am Grafenberg sind für Heinrich Quelle der Inspiration. „Das Ausloten von Höhen und Tiefen der Seele, meiner, anderer, der Gesellschaft insgesamt, ist wesentlicher Inhalt meiner Arbeit“, sagt der 66-Jährige. Und genau das macht seine Kunst so besonders: Sie ist verwurzelt – in der Erde, im Leben. Sie greift soziale und gesellschaftspolitische Themen auf und vermittelt eine klare Botschaft: „Jeder Mensch ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft – ob jung oder alt, unabhängig von Herkunft und Beruf. Kunst kann sichtbar machen, was oft übersehen wird“, betont er. Heinrich Untergantschnigs Werke sind ein stiller, aber eindringlicher Appell für mehr Menschlichkeit und Zusammenhalt.

 

 

Wer die Werke des Kunstschaffenden aus dem Mölltal betrachten und erleben möchte, hat dazu bald Gelegenheit: Am Freitag, 10. Oktober, eröffnet Heinrich Untergantschnig um 17.00 Uhr seine Ausstellung FORMENdIALOG im Garten „Zur guten Quelle” in Lassach bei Obervellach.

Bis 26. Oktober 2025 kann man dann inmitten der herbstlichen Landschaft seine Skulpturen und Zeichnungen entdecken.

Nähere Informationen zum Künstler und seiner Arbeit findet man auch auf www.grafenberg.at.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Manuel Zlöbl

29. September 2025 um