Heimatpflegeverein erforscht Alter von Bauernhöfen
Mit Spannung werden in Anras die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes erwartet, das in Zusammenarbeit mit einem Wiener Dendrochronologen durchgeführt wird.
Bauernhöfe, Kornkästen, Almhütten – fragt man Touristen, was sie in Osttirol am meisten beeindruckt und in Erinnerung geblieben ist, so geben sie neben der einzigartigen Natur- und Berglandschaft meistens diese alten Holzgebäude an. Aber die alte bäuerliche Bausubstanz ist in Gefahr – viele dieser Gebäude verfallen oder werden abgerissen und müssen Neuem weichen. Der Heimatpflegeverein Anras hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, im Rahmen eines Forschungsprojektes mehr über diese alten Juwele aus Holz herauszufinden. Dr. Robert Perfler, Obmann des Heimatpflegevereins Anras, konnte als kompetenten Experten für das Projekt den Dendrochronologen Dr. Otto Cichocki vom Vienna Institute for Archaeological Science in Wien gewinnen.
Der Dendrochronologe Dr. Otto Cichcocki vom Vienna Institute for Archaeologigal Science in Wien konnte für das Projekt als Fachexperte gewonnen werden.
„Bauhistorische Analyse und dendrochronologische Datierung ausgewählter erhaltenswürdiger bäuerlicher Kulturgüter des Osttiroler Hochpustertales“ nennt sich das Projekt, im Rahmen dessen Otto Cichocki von 15. bis 18. November 2015 vor Ort Bohrproben von zwölf Objekten in Anras, Heinfels, Sillian und Außervillgraten nahm. Als Grundlage für die Auswahl dienten Erkenntnisse aus mehrjährigen Feldforschungen des Heimatpflegevereins. „Es war lehrreich und interessant, Dr. Cichocki bei der Arbeit zu unterstützen und zu beobachten. Mit viel Eifer und auch dem Einsatz der jeweiligen Besitzer entnahm der Experte an vier Tagen insgesamt 150 Bohrproben“, berichtet der Obmann des Heimatpflegevereins Anras.
Dr. Otto Cichocki vor dem „Bacher Kasten“ mit dessen Eigentümer.
Derzeit laufen die Auswertungen auf Hochtouren. Erste Ergebnisse sollen im heurigen Frühjahr vorliegen. Die Daten werden in Anras mit Spannung erwartet. Sie sollen helfen, die Entwicklung und Vielfalt der Osttiroler Hof- und Hausformen über die Jahrhunderte besser zu verstehen und eine Bewertung der Erhaltenswürdigkeit der Kulturgüter abgeben. „Nur wenn wir die historische Bedeutung unserer Höfe und hölzernen Kulturgüter verstehen, können wir sie auch besser wertschätzen und erhalten“, sind sich die Vereinsmitglieder sicher. Die Ergebnisse der dendrochronologischen Analyse werden noch im Jahr 2016 als Publikation veröffentlicht und bei einer Vortragsreihe präsentiert.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: HPV Anras
