Heiligenbluter Sternsinger: „Denn der Stern muss weiter leuchten!“
Alljährlich zum Dreikönigsfest ziehen die Sternsinger in Heiligenblut am Großglockner von Haus zu Haus. Das jahrhundertealte Brauchtum wurde 2010 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe in Österreich ausgezeichnet.
Wenn die Heiligenbluter Sternsinger in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner durch alle Ortsteile des Glocknerdorfes ziehen, ist es für viele ein emotionales Heimkommen und ein Zeichen der Verbundenheit – von Generation zu Generation. „Insgesamt sind es neun Männer-Rotten, die in ihrem jeweiligen Ortsteil die Familien aufsuchen. Eine Rotte besteht aus zehn bis zwölf Sängern, fünf Musikanten und einem Sternträger“, erzählt Matthias Tribuser, der seit Kurzem die Funktionen des Obmanns der Rotte Hof und des Rottensprechers inne hat.
„Jede Rotte agiert eigenständig und wird von einem Obmann geleitet. Das Amt des Rottensprechers habe ich von Georg Bernhardt übernommen, der diese Funktion zehn Jahre lang ausübte“, informiert der engagierte Heiligenbluter.

Die Wurzeln des „Heiligenbluter Sternsingens“ können bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Das Brauchtum hat sich in seiner ursprünglichen Form zum größten Teil bis heute erhalten. Die Ursprünge stammen wohl aus alpen- und voralpenländischen Einzugsgebieten. Bewohner des Mölltales kamen auf der so genannten „Stör“ in den Salzburger Pinzgau und bis nach Bayern und brachten von dort das Liedgut mit.
Am Nachmittag des 5. Jänner findet die sogenannte „Entsendungsfeier“ in der Pfarrkirche St. Vinzenz statt. Alle rund 160 Akteure der neun Rotten versammeln sich um 16.00 Uhr in der Kirche zur feierlichen Entsendung. Auch viele Gemeindebürgerinnen und -bürger nehmen daran teil, sodass die Pfarrkirche jedes Jahr bis auf den letzten Platz gefüllt ist. „Viele auswärts lebende Mölltaler kommen extra nach Hause, um diesem besonderen Ereignis in der Weihnachtszeit beizuwohnen, und so mancher Feriengast verlängert dafür sogar seinen Urlaub“, freut sich der Rottensprecher.

Nach der Entsendungsfeier starten die Sternsinger, um die einzelnen Häuser aufzusuchen. „In manchen Häusern wird man auch eingelassen und bewirtet. Die Bewohnerinnen und Bewohner können sich Lieder oder Musikstücke wünschen. Bis alle Häuser besucht sind, dauert es bis in die frühen Morgenstunden“, berichtet Matthias, der seit seinem 16. Lebensjahr bei den Heiligenbluter Sternsingern aktiv ist. „Es war für mich eine große Ehre, in die Fußstapfen meines Vaters treten zu dürfen. In manchen Familien wirken sogar drei Generationen mit. Johann Pichler, vulgo Troyer, war beispielsweise beeindruckende 70 Jahre als Sternsinger unterwegs!“
Elemente wie das Sternlied oder das Segnen des Hauses durch das Anbringen des Segensspruches Christus Mansionem Benedicat (CMB) über der Haustür sind bis heute fixe Bestandteile der Tradition. „Ob arm oder reich – für uns Sternsinger ist es wichtig, alle Bevölkerungsschichten aufzusuchen. Der Stern soll verbinden, was durch menschliche Schwächen im Jahresverlauf vielleicht getrennt wurde, und wir möchten allen ein gesegnetes neues Jahr wünschen“, betont der begeisterte Sternsinger.
Der Sternträger mit seinem leuchtenden Stern geht der Rotte voraus, dahinter folgen die Sänger und Musikanten.
Im Jahre 2010 wurde das Heiligenbluter Sternsingen von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet. Die ehemaligen Diözesanbischöfe Dr. Egon Kapellari und Dr. Alois Schwarz haben die Sternsinger mehrmals durch die Nacht begleitet und das Sternsingen als kostbaren Brauch gewürdigt, der religiöse, kulturelle und soziale Zielsetzungen harmonisch miteinander verbindet. „Wir Heiligenbluter Sternsinger sehen es als unseren Auftrag und unsere Verpflichtung, den Brauch unserer Vorfahren weiterzutragen und diese einzigartige Tradition zu bewahren. Sie stärkt die Gemeinschaft und verbindet die Generationen“, hält Matthias Tribuser abschließend fest.
„Denn der Stern muss noch weiter leuchten!“, singen die Heiligenbluter Sternsinger in jedem Haus – eine frohe Botschaft, die auch zu Beginn des Jahres 2025 weit über die Grenzen des Mölltals hinausstrahlen wird.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Heiligenbluter Sternsinger