Hansjörg Voithofer: Aus Liebe zum Schreiben und zur Pinzgauer Mundart

Dass der Pinzgauer Dialekt bewahrt wird, ist Hansjörg Voithofer aus Bramberg wichtig. Vor Kurzem hat er sein erstes Buch mit dem Titel „Pinzgauer Mundartgedichte“ herausgegeben.

Seit seiner Kindheit ist Hansjörg Voithofer ein begeisterter Ranggler – so wie früher auch sein Vater und sein Großvater. Der gelernte Forstfacharbeiter, Baumkontrolleur und Landschaftsgärtner ist im Sommer bei den Bundesforsten und im Winter im Forstbetrieb seines Vaters beschäftigt. An seinem Job gefällt Hansjörg sehr vieles, die Berufswahl hat er nie bereut. Es sei sehr schön, die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft zu verbringen und das Ergebnis der eigenen Arbeit immer direkt sehen zu können, meint er und berichtet, dass ihm in der Natur auch die besten Ideen für seine Liedtexte und Gedichte einfallen. „Es kommt so nicht selten vor, dass ich in der Mittagspause zu Papier und Stift greife und mir Notizen mache oder Stichworte aufs Handy speichere“, erzählt der 32-Jährige.

 

 

Seit etwa zehn Jahren trainiert Hansjörg den Ranggler-Nachwuchs – und das „Bramberger Rangglerlied“ war auch der erste Liedtext, der aus seiner Feder stammt. „Der Rangglerverein Bramberg wollte bei den Wildkogel Buam ein Lied in Auftrag gaben. Die beiden Musiker Christoph Egger und Lukas Leo schlugen vor, dass ich den Text verfassen sollte. Und das tat ich dann auch.“ Das Rangglerlied kam gut an, und so nahm „die Geschichte ihren Lauf“, wie Hansjörg schmunzelnd sagt. Bis heute hat er bereits rund 400 Liedtexte verfasst und ein kleines Archiv zu verschiedenen Themen angelegt.

„Das Schreiben ist mir eigentlich immer schon gelegen. Ich habe mich auch schon in Prosa versucht.“ Das Lied „Holz geh Toi“ hat der Pinzgauer im Vorjahr veröffentlicht. Auf dem eigens zum Lied gedrehten Musikvideo sind auch alte Aufnahmen von Holzarbeitern zu sehen. „Ich möchte mit diesem Lied meine Wertschätzung gegenüber Holzknechten und Forstarbeitern ausdrücken. Die Waldarbeit war in früherer Zeit eine besonders schwere. Heute stehen zwar moderne Maschinen und eine entsprechende Sicherheitsausrüstung bereit, gefährlich ist die Arbeit im Wald jedoch immer noch“, hält er fest.

 

 

Irgendwann hat der kreative Bramberger den Entschluss gefasst, ein Buch mit Pinzgauer Mundartgedichten zu publizieren. Rund ein Jahr hat er an dem Band gearbeitet. „Schon heute sind vermutlich auch älteren Pinzgauern manche Wörter und Begriffe nicht mehr geläufig. Mir ist es ein Anliegen, dass die alten Dialektausdrücke für die Nachwelt erhalten bleiben“, erläutert er seine Intention. Im Anhang des Buches findet sich auch ein Übersetzungsteil. „So wie in anderen Gebirgstälern unterscheidet sich der Dialekt auch bei uns im Oberpinzgau von Ort zu Ort“, sagt er dazu.

Die Mundartgedichte handeln vom bäuerlichen Milieu, von den Menschen früherer Zeiten, ihrer Arbeit auf den Feldern oder im Wald, von ihrer Genügsamkeit und Zufriedenheit sowie vom Ranggeln und vom Brauchtum im Pinzgau. „Meine Gedichte sollen vor allem unterhalten. Sie sind humorvoll, das eine oder andere ist auch tiefsinnig und sagt viel über unseren bodenständigen Menschenschlag aus. Natürlich will ich die Leserinnen und Leser auch zum Nachdenken anregen.“ Bebildert ist Hansjörgs Buch übrigens z.T. mit alten Fotos aus Familienbesitz. „Mit meinem Großvater war ich früher oft im Wald unterwegs. Er hat mir viel von der harten Arbeit und auch von den sozialen Ungerechtigkeiten erzählt, die das Leben vieler Menschen prägten. Das habe ich zum Beispiel in einem Gedicht über den ,Lichtmess-Tag’ festhalten.“

Dass Stillstand nicht das Seine ist, macht die Antwort auf die Frage nach Hansjörgs Zukunftsplänen deutlich. „Ich liebe es, kreativ zu arbeiten und immer wieder etwas Neues auszuprobieren. So habe ich vor Kurzem auch mit dem Malen begonnen, und das Konzept für mein zweites Buch habe ich auch schon im Kopf.“

 

Wia söd denn dea des dazoin?

Da Nochba hod an neu’n Traktor griag.
Wonns den Toifö eh ohwirg.
Wia hod a se denn den da’kafft?
Er sog jo oiwei das letz lafft.
Ih hu jo a Trum mehr Kiah.
Henna, Ressa und an Stier.
Ih hu a Oim. Er nua a Mohd.
Ba eam is stickö. Ba mia is grod.
Er hot 8 Kinna. Ih glei vier.
I glab, dass ih boid den Vastond valier.
Hod er g’erb oda epan iwafoin?
Wia söd dann dea des dazoin?

 

Das Buch „Pinzgauer Mundartgedichte“ ist in den Oberpinzgauer Raiffeisenbanken und Lagerhäusern sowie direkt beim Autor Hansjörg Voithofer, Dorf 16, 5733 Bramberg (Tel.: 0664/429 51 42, Mail: hans.voithofer@gmx.at) erhältlich.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Thomas Reitsamer, Voithofer

08. März 2022 um