Hans Kammerlander: „Für mich gibt es keine Grenzen!“
Nach Reinhold Messner im Vorjahr ist heuer Hans Kammerlander Stargast beim Austria Skitourenfestival – Vortrag „Bergsüchtig“ am Freitag, 27. Jänner, im Lienzer Stadtsaal.
Nach der Eröffnung des 4. Austria Skitourenfestivals am Freitag, 27. Jänner, um 19.00 Uhr, wird der Südtiroler Bergsteiger und Kletterer Hans Kammerlander mit seinem Vortrag „Bergsüchtig“ das Publikum in seinen Bann ziehen. Die Veranstalter des Festivals haben mit dem Südtiroler, der am 6. Dezember 2016 seinen 60. Geburtstag feierte, über seine Leidenschaften, den Alpinismus, seine Projekte und natürlich das Skibergsteigen gesprochen:
Was erwartet die Zuschauer beim Vortrag „Bergsüchtig“?
Der Vortrag ist eine Mischung aus alten und neuen Projekten, es geht vor allem auch um das Skifahren in der dünnen Luft. Es war immer mein Traum, meine Hobbies seit der Jugend – das Klettern und das Skifahren auf den ganz hohen Bergen – miteinander zu verbinden. Es dreht sich auch rund um das Jahr 1996 am Mount Everest, das waren damals meine stärksten Stunden der Skiabfahrten. Zuvor bei den Expeditionen mit Reinhold Messner, als wir die ersten 8.000er bestiegen, konnte ich das Klettern und Skifahren nicht kombinieren. Reinhold ist bekanntlich kein Skifahrer, deshalb mussten wir bei unseren gemeinsamen Projekten immer zu Fuß wieder runter von den Gipfeln.
Was macht für Sie generell die Faszination Skibergsteigen aus?
Wenn ich im Sommer am Berg unterwegs bin, freue ich mich auf das gemütliche Raufgehen. Die Abstiege im Sommer mag ich nicht so – da geht es vielen Menschen ähnlich. Aber im Winter mit den Skiern rauf auf den Berg, dann eine nette Pause und danach liegt noch der Genuss der Abfahrt vor dir, wenn man ins Tal schwebt – das macht für mich die Faszination Skitourengehen aus. Nach dem Gipfel noch einen richtigen Höhepunkt zu erleben, das gibt es nur im Winter.
Mit welchem Alter haben Sie ihre ersten Touren unternommen?
Gleich nachdem ich gehen konnte, sind wir mit einfachen Skiern rund um unseren elterlichen Bauernhof gefahren. Mit 16 Jahren habe ich dann ernsthaft mit dem Skibergsteigen begonnen. Das war gerade als Skilehrer – in der Zeit bin ich auch Rennen gefahren – eine besondere Faszination für mich.
Das Tourengehen boomt, alleine in Österreich besitzen rund 600.000 Menschen eine Ausrüstung. Immer mehr Menschen erklimmen die Berge auch via Pisten. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Ich bin der Meinung, man muss hier endlich flächendeckend einen Konsens mit den Liftbetreibern erzielen. Sie pflegen die Pisten und investieren viel Geld. Wenn ich dann Skibergsteiger sehe, die mitten auf der Piste hinaufgehen, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Das risikofreie Pistengehen ist prinzipiell ein tolles Erlebnis und für viele der erste Schritt in Richtung alpines Gelände. Gerade auch, wenn es nicht viel Schnee gibt. Aber man muss sich dabei an Regeln halten.
Was raten Sie Anfängern, die sich mit ihren Tourenskiern erstmals ins alpine Gelände wagen? Worauf sollten sie besonders achten?
Zuerst sollte die komplette Ausrüstung mit dem Notfallequipment besorgt werden. Bevor ich mich als Anfänger ins alpine Gelände wage, sollte ich mich Erfahrenen anschließen. Und auf keinen Fall übertreiben bzw. ein Risiko eingehen. Wenn es für einen nicht mehr passt, jederzeit umdrehen! Mittlerweile bieten alpine Vereine auch viele Kurse an, das ist auch sehr ratsam. Aber grundsätzlich sollte man nicht übertreiben, sich Schritt für Schritt steigern. Aber ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich in der Natur, man sieht nicht in die Hänge rein.
Haben Sie Verbindungen zu Osttirol bzw. waren Sie schon öfter in den Lienzer Dolomiten oder in einem der Täler unterwegs?
Für mich ist Osttirol meine Heimat, ebenso wie Südtirol. Meine Heimat liegt in Tirol, in den Bergen, und mich zieht es nicht so sehr in den italienischen Süden. Die Grenze, die es seit dem 1. Weltkrieg gibt, zählt nicht für mich. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich mit meinen Skiern ins Villgratental komme. Meine Touren richte ich nach dem Schnee und nicht nach Grenzen. Ich habe in Osttirol viele Freunde und Bekannte und freue mich sehr, einige davon beim Festival wieder zu treffen.
An welche ihrer zahlreichen Alpinprojekte erinnern Sie sich mit dem schönsten Gefühl zurück?
Ganz klar: 1996 an den Mount Everest. Das war etwas ganz besonderes, als ich alleine bis zum Gipfel kam, die Steigeisen runter nahm und dann mit den Skiern die Abfahrt bestritt. Die Skier sind einfach meine Freunde! Diese Einsamkeit werde ich nie vergessen, und solche Erinnerungen kann man nicht steigern. Viele Erinnerungen habe ich auch speziell an meine Jugendzeit, als ich die ersten Bergtouren auf unsere Hausberge unternahm.
Werden Sie im Rahmen des Skitourenfestivals selbst auch eine Tour in Osttirol bestreiten?
Das möchte ich auf alle Fälle. Obwohl ich derzeit viel Arbeit in die Vorbereitungen für die Besteigung meines Schicksalsberges stecke. Das Projekt Manaslu – der letzte der vierzehn 8.000er – will ich in diesem Jahr im Oktober beginnen. Wir werden daraus auch einen Kinofilm machen. Aber ich freue mich sehr auf das Skitourenfestival in Osttirol, wo ich mit Freunden eine Tour gehen und viel reden und lachen werde.
Der Manaslu wird das letzte große Projekt des Hans Kammerlander?
Es wird ein Projekt ohne Leistungsgedanken – meine starken Zeiten sind vorbei. Das machen die Jungen heutzutage viel besser als ich, und ich gebe ihnen gerne meine Erfahrungen weiter. Ich kann mich noch selbst erinnern, wie wichtig die Projekte an der Seite von Reinhold Messner für mich waren, ich habe unglaublich von ihm profitiert.
Am 6. Dezember haben Sie ihren 60. Geburtstag gefeiert. War es ein rauschendes Fest des Hans Kammerlander?
Gar nicht bzw. habe ich meinen Geburtstag gar nicht bemerkt. Das ist nur eine Zahl, die nicht wichtig für mich ist. Die Freude am Leben und Gesundheit sind viel wichtiger, ebenso sind die vielen schönen Stunden und Erlebnisse unbezahlbar. Aber in einem Punkt hat das Alter eine Ähnlichkeit mit dem Berg: Je älter man wird, umso höher werden die Berge!

Sowohl für den Vortrag von Hans Kammerlander (27. Jänner, 19.00 Uhr) als auch für die Osttirol-Premiere des Films „Heimschnee“ (28. Jänner, 20.00 Uhr) gibt es noch Karten (10 Euro) – erhältlich im Vorverkauf beim Tourismusverband Osttirol sowie an der Abendkassa im Stadtsaal.
Text: Redaktion, Fotos: Hans Kammerlander