Hannes Weingartner: Neue Wege gehen
In der Gemeinde Dölsach, in der Nähe der Kirche St. Margarethen, hat der Zimmermeister, Landwirt und Jäger das erste Rotwild-Gehege im Bezirk Lienz gebaut.
Geboren und aufgewachsen in seiner Heimatgemeinde Dölsach, machte sich der heute 50-Jährige vor 26 Jahren als Zimmermeister mit einem eigenen Betrieb selbstständig. „Mein damaliger Lehrmeister, Walter Pondorfer, hat mich, ebenso wie viele andere junge Leute aus der Gemeinde, motiviert, diesen Schritt zu wagen.“
Der holzverarbeitende Betrieb, den Hannes Weingartner mit seinem Kompagnon Norbert Holzer führt, ist nur ein Standbein des Dölsachers.
1996 übernahm er von seinem Onkel den „Raderhof“ und widmet sich seitdem im Rahmen des bäuerlichen Familienbetriebes der Milchviehwirtschaft. Der Arbeitstag des Vielbeschäftigten ist lang und beginnt frühmorgens im Stall. Untertags pendelt Hannes Weingartner zwischen dem Zimmereibetrieb und seinem Hof. „Es gibt immer sehr viel zu tun“, umschreibt er seinen herausfordernden Alltag. Der dreifache Familienvater – seine Jüngste, 14-jährig, zieht er inzwischen alleine groß – war 18 Jahre lang als Gemeinderat politisch tätig. Bis heute engagiert er sich in Dölsacher Vereinen, neben dem Kirchenchor vor allem bei der k.u.k. Gebirgsartillerie. „Die Traditionsbatterie gibt es seit 2008. Unsere Aufgabe sehen wir in der Pflege altösterreichischer Militärtraditionen“, meint er dazu.
2015 legte der Dölsacher, wie er es selbst umschreibt, eine „Nachdenkpause“ ein. Zu Fuß wanderte er mit einem Esel als Tragtier, von Dölsach ausgehend, nach Maria Zell in der nördlichen Obersteiermark. 17 Tage lang war er unterwegs und legte 393 Kilometer zurück. „Junge Leute auf der Walz, die ich im Laufe der Zeit auch auf meinem Hof beherbergt habe, haben mich letztendlich dazu inspiriert. Der Wunsch, dies einmal zu tun, schlummerte jedoch schon seit meiner Jugend in mir.“ Es sei wichtig, so Hannes Weingartner, sich im Leben Träume zu erfüllen und Ziele zu haben. „Veränderungen gehören zum Leben dazu. Manchmal muss man den Mut haben, neue Wege zu gehen.“
Etwas Neues will er auch mit dem bezirksweit ersten Rotwild-Gehege in Dölsach versuchen. „Damwild-Gehege bestehen bereits in Nußdorf oder im Defereggental. Ich habe mich für Rotwild entschieden, weil es sich dabei um eine heimische Wildtier-Art handelt.“ Viel hat der passionierte Jäger in das rund 2,5 Hektar große Gehege investiert. Momentan grasen hier 10 Hirschtiere und ein Hirsch, die der Dölsacher von einem Züchter aus dem Lavanttal bezogen hat. Möglichst naturnah will er sein Rotwild in St. Margarethen züchten, auch ein Waldstück, natürliche Einstände und Wasserstellen gehören zum Areal. Hannes Weingartner: „Weder zur Brunft im Herbst, noch zur Setzzeit im Frühjahr greife ich in den natürlichen Lebensrhythmus des Wildes ein. Im Winter werde ich mit Heu zufüttern. Momentan gebe ich den Tieren auch etwas Haferschrot bzw. Mais zu.“ Die erste Entnahme einzelner Tiere soll in rund eineinhalb Jahren möglich sein. Das Wild wird nicht geschlachtet, sondern – strengen behördlichen Richtlinien entsprechend – jagdlich geschossen. Dafür musste der Osttiroler auch einen Kurs „Schießen im Gehege“ absolvieren. „Die Nachfrage nach gutem Wildfleisch ist im Bezirk Lienz sehr groß. Ich werde schon jetzt von der einheimischen Gastronomie und von Privatpersonen angefragt“, meint er abschließend und hofft, dass er sich mit der Rotwild-Zucht ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein aufbauen kann.
Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger
