Gymnasium beging festlich-bunt 75-Jahr-Jubiläum
Das BG/BRG Lienz feierte am 8. November einen erinnerungswürdigen Geburtstag – das 75-Jahr-Bestehen der größten Schule Osttirols – mit einem würdigen Festakt.
„Tableau Vivant“ – mit einer bunten Mischung aus Musik, Tanz und Akrobatik eröffneten Schülerinnen und Schüler der 3. bis 8. Klassen am Vormittag des Freitag, 8. November 2013, den Festakt zum 75-Jahr-Jubiläum des Lienzer Gymnasiums und entführten die zahlreichen Festgäste in eine fiktive, fast surreale Welt. Nach Beethovens „Ode an die Freude“, fulminant umgesetzt von Schulchor und Schulorchester unter der Leitung von Dr. Martin Brunner, begrüßte Direktorin Dr. Ursula Strobl die Ehrengäste, Eltern, SchülerInnen, LehrerInnen und Schulleiter aus dem ganzen Bezirk, Vertreter des kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens sowie frühere Absolventen der Schule. Unter ihnen auch RR Josef Wurzer, der am ersten Schultag des Gymnasiums Lienz – am 3. Oktober 1938 – die erste Klasse besucht hatte.
„Ich freue mich, dass so viele der Einladung zu unserem Festakt gefolgt sind. Unser Gymnasium als prägende Schule der Jugend zeichnet ein amikaler Zusammenhalt aus. Wir sind als Bildungsstätte tief verankert und weitläufig vernetzt im gesellschaftlichen Leben des Bezirkes“, so Direktorin Dr. Ursula Strobl in ihrer Begrüßungsrede.
Josef Wurzer, Schüler der ersten Stunde, erzählte im Anschluss – im Gespräch mit dem Lienzer Historiker Dr. Martin Kofler – von seinen Erinnerungen an die Schulzeit, die von Anfeindungen, Feindseligkeiten und Erniedrigungen geprägt war. „Schwerpunkt der Bemühungen war es damals, die Schüler für den Nationalsozialismus zu begeistern. Die Fächer Deutsch, Leibesübungen und Biologie hatten Vorrang“, erinnerte sich Wurzer in berührender Weise an das Jahr 1938 und an die Kriegsjahre zurück. Die damalige Oberschule befand sich auf dem Areal der Spitalskirche, Wurzers Klasse zählte 26 Burschen. Einige Jahre später durften auch Mädchen die Schule besuchen.
Im Anschluss an den „Mondchor“ aus Niccolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ trug der ORF-Sportreporter Dr. Rainer Dierkes seine Rede noch einmal vor, die er anlässlich der Eröffnung des jetzigen Gymnasium-Gebäudes im Jahr 1960 als Schulsprecher des Lienzer Gymnasiums gehalten hatte. „Die Schule stellte damals einen Wert dar. Es ging zwar strenger zu und es war alles viel mehr reguliert als heute, aber es herrschte Aufbruchsstimmung. Die Beatles und Elvis Presley brachten völlig neue Rhythmen in unser Leben“, so der damals „Jo“ gerufene Schüler.
Dr. Rainer Dierkes trug seine Rede anlässlich der Eröffnung des neuen Gymnasium-Gebäudes im Jahr 1960 noch einmal vor.
Der Walzer Nr. 2 von Dimitri Schostakowitsch, schwungvoll und brillant gespielt vom Schulorchester, und eine akrobatische Tanzeinlage, choreografiert von Prof. Dagmar Lercher, leiteten dann auf die Jetztzeit des Lienzer Gymnasiums über.
Martin Kofler interviewte die Schülervertreter Nora Kohlhofer und Marco Fercher. „Die Erzählungen von Herrn Wurzer haben mich tief berührt. Ich bin froh, dass ich das Gymnasium in einer Zeit besuchen darf, in der ein offeneres Klima herrscht und ein viel lockereres und persönlicheres Verhältnis zwischen Professoren und Schülern besteht als damals“, betonte Nora Kohlhofer. Die heutigen Möglichkeiten, bei Sprachreisen oder durch das Comenius-Projekt nicht nur fremde Sprachen, sondern auch andere Länder und Kulturen kennen zu lernen, nannte Marco Fercher als besonders motivierend.
„Nach diesen berührenden und interessanten Präsentationen nehme ich ein Bild von einer Bildungsstätte, wie man sie sich nur wünschen kann, von Lienz mit nach Hause nach Nordtirol“, so der amtsführende Präsident des Landesschulrates für Tirol, Dr. Hans Lintner, in seiner Festrede. Mit „We Are The Champions“ von Queen setzten Schulchor und -orchester schließlich ein glanzvolles, in die Zukunft gerichtetes Ende des Festaktes. Nach einer kleinen Stärkung wurde noch ein Jubiläumsbaum enthüllt.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: J. Hilgartner, R. Rossbacher





