Gipfelkreuz gerettet – neuer Standort gesichert
13 Mann des Österr. Bergrettungsdienstes haben auf dem Großvenediger das durch den Klimawandel massiv bedrohte Gipfelkreuz „gerettet“ und wieder aufgerichtet.
Das Gipfelkreuz wurde an einem neuen Standort verankert und steht nun auf dauerhaft festem Boden bzw. in massivem Fels. Bisher hatte sich das Venedigerkreuz über Jahrzehnte auf der von Gletschereis bzw. meterdickem Schnee bedeckten Gipfelkuppe des Großvenedigers – also nicht auf festem Boden – befunden. Diese variablen Schichten waren im heurigen Sommer – wie vor wenigen Tagen schon berichtet – zum Teil extrem abgeschmolzen. Das hölzerne Fundament, der Sockel und das Kreuz gerieten dadurch in eine sehr labile Lage und drohten abzustürzen.
Der neue Standort befindet sich nun auf dem obersten Teil des Westgrates, wo es massive Felsblöcke gibt. Das Kreuz steht damit am höchsten festen Punkt des Großvenedigers. Dieser Bereich ist im Laufe des Klimawandels erst in der jüngsten Vergangenheit aper und eisfrei geworden. Die über Jahrzehnte für den Venedigergipfel so typische Firnschneide, auf der das Kreuz stand, gehört damit endgültig der Vergangenheit an.
Die Sicherungsmaßnahmen für den neuen Standort dauerten am Montag, 10.9.2012, fast sieben Stunden an. Die insgesamt 13 ehrenamtlichen Bergretter aus Prägraten und Neukirchen am Großvenediger mussten zuerst auf dem Westgrat größere Felsblöcke spalten, in kleinere Teile zerlegen und damit eine ebene Fläche errichten. Darauf wurde als Fundament ein quaderförmiger Korb aus Drahtgeflecht befestigt. In stundenlanger Arbeit schichteten die Bergretter dann insgesamt 7,5 Tonnen loses Gestein in diesen Korb – um den stählernen Sockel des Gipfelkreuzes herum. Der neue Standort wurde so gewählt, dass das Gipfelkreuz nun von der Johannishütte bei Prägraten in Osttirol und von der Kürsinger Hütte auf Salzburger Seite des Venedigermassivs gut sichtbar ist. Bisher war es nur von Osttiroler Seite aus zu sehen.
Der Österreichische Bergrettungsdienst bzw. seine Ortsstelle Prägraten finanzieren die Sanierung des Venedigerkreuzes aus Spenden. Wolfgang Urban, Direktor des Salzburger Anteils des Nationalparks Hohe Tauern, hat eine finanzielle Beteiligung seiner Behörde bereits zugesagt. Urban kümmerte sich auch um die behördlichen Genehmigungen für die Helikopterflüge am Montag, bei denen die Bergrettungsleute und ihre Werkzeuge auf den Gipfel geflogen wurden. Pilot Jürgen Köll von der Hubschrauberfirma Knaus am Steuerknüppel betreute das Team bei bestem Flugwetter perfekt.
Die am Einsatz beteiligten Bergretter waren:
Text: Redaktion, Fotos: ÖBRD-Ortsstelle Prägraten