Gerhard Innerhofer: Musizieren, Dirigieren und Komponieren als große Passion
Seit Jänner 2022 ist Gerhard Innerhofer Kapellmeisters der Musikkapelle St. Jakob in Defereggen. Mit großer Leidenschaft spielt er bei der „Deferegger Tanzlmusik“ die Ventilposaune.
„Die Musikkapelle ist ein besonders wichtiger Teil unserer Dorfgemeinschaft. Als unser langjähriger Kapellmeister Georg Lercher leider viel zu früh verstarb, musste sich die MK St. Jakob in Defereggen neu organisieren, und so übernahm ich das Amt des Kapellmeisters und Markus Paßler jenes des Obmannes“, erzählt der gelernte Bäcker und Elektriker. „Es war für mich eine Selbstverständlichkeit und Ehrensache, dass ich beim Verein, der mir alles bedeutet, meinen Beitrag in dieser schwierigen Phase leiste. Kapellmeister zu sein, ist zwar eine große Aufgabe, macht aber auch viel Spaß“, betont er.
Seit 2007 wirkt Gerhard Innerhofer bei der Musikkapelle St. Jakob i.D. mit. Angefangen hat er mit dem Flügelhorn, später ist er auf das Tenorhorn umgestiegen. Aktuell zählt der Klangkörper 60 MusikantInnen. Eine Besonderheit ist es, dass unter den Mitgliedern mehr Frauen als Männer zu finden sind.
Den direkten Zugang zur Musik habe er, wie der 27-Jährige erzählt, im Rahmen einer Instrumentenvorstellung für SchülerInnen gefunden, die von der Musikkapelle veranstaltet wurde. Viel dazu beigetragen hat aber auch die Begeisterung für die Musik in der Familie. „Mein Papa Peter spielt das Flügelhorn, und auch meinen Bruder Martin und mich hat dieses Instrument schon immer fasziniert. So begannen wir mit dem Flügelhorn-Unterricht bei Martin Gratz. Er brachte mir auch Vieles in Sachen Komponieren und Dirigieren bei“, erzählt der St. Jakober.

Felix Lercher von den „Seespitzlern“ bezeichnet Gerhard als sein großes Vorbild. „Felix war auch mein Mentor. Als er starb, hat mir seine Frau Felix‘ Posaune geschenkt – eine große Ehre für mich.“ Vor zehn Jahren gründete Gerhard zusammen mit Bernhard Hopfgartner aus St. Veit die „Deferegger Tanzlmusik“. „Wir wollten eine Tanzmusik mit derselben Besetzung wie die ‚Seespitzler‘ ins Leben rufen. Manuel Lercher, Julia Tegischer, Clemens Blasisker sowie Anna und Lea Hopfgartner gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Die Deferegger Vereine haben uns anfangs stark unterstützt, und so traten wir immer häufiger bei Festen und Veranstaltungen auf.“
Die „Deferegger Tanzlmusik“ wurde vor zehn Jahren von Gerhard Innerhofer und Bernhard Hopfgartner gegründet.
Heute setzt sich die „Deferegger Tanzlmusik“ aus den Mitgliedern Gerhard Innerhofer (Posaune), Bernhard Hopfgartner (Flügelhorn), Norbert Scheiber (Flügelhorn), Clemens Blasisker (Klarinette), Bernhards Schwester Anna Hopfgartner (Harfe) sowie aus den beiden Matreiern Rene Wibmer (Tuba) und Martin Steiner (Ziehharmonika) zusammen. 2016 wurde die junge Formation von Hubert Kobler eingeladen, an der CD-Produktion „Volksmusik aus Osttirol – Vol.4“ mitzuwirken. „Der Tonträger mit einigen unserer Stücke kam beim Publikum sehr gut an, und so entstand die Idee, selbst eine CD zu produzieren“, blickt Gerhard zurück. Gesagt, getan! Im Spätherbst 2018 veröffentlichte die „Deferegger Tanzlmusik“ die CD mit dem Titel „Für unsere Freunde“. Das Leitstück der CD stammt aus der Feder von Clemens Blasisker. Mit ihm teilt Gerhard die Leidenschaft für das Komponieren.

„Je erfolgreicher wir mit unserer Tanzlmusik wurden, umso mehr Stücke haben wir selbst komponiert.“ Gerhards erstes eigenes Musikstück war der Boarische „Der Posauninger“. Seinen Marsch „Grüß mir das Defereggental“ haben die „Seespitzler“ auf einem ihrer Tonträger aufgenommen. Den Choral „Is schöne Leben“ hat Gerhard für seine Großeltern geschrieben. „Einer meiner beiden Großväter war früher bei der MK St. Jakob Klarinettist“, sagt er und meint, dass er den Choral auch als Dank an seine Opas und Omas verstanden wissen will. „Schließlich sind sie bei fast jedem meiner Auftritte mit dabei. Ich unterhalte mich gerne mit ihnen und liebe es, wenn sie von früher erzählen. Besonders schätze ich auch, dass sie Neuem so aufgeschlossen gegenüberstehen.“

Die Musik sieht der junge Deferegger auch als Ausgleich zu seinem Arbeitsalltag. Hier kann er – ob bei den Proben, bei verschiedensten Auftritten oder beim Komponieren – so richtig abschalten. In der Gemeinschaft mit seinen MusikerkollegInnen bei der „Deferegger Tanzlmusik“ und bei der Musikkapelle seiner Heimatgemeinde sind ihm vor allem die Kameradschaft und der gegenseitige Respekt sehr wichtig. „Musik verbindet – und das ist kein leeres Schlagwort“, hält er abschließend fest.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, MK St. Jakob i.D., Deferegger Tanzlmusik