Flüchtlinge: Gutes Zeugnis von Caritas für das Land Tirol
Hungernde und flüchtende Menschen sowie die Entlastung von Familien und die steigende Anzahl von Pflegebedürftigen thematisierte Caritas-Direktor Georg Schärmer in Lienz.
Positive Entwicklungen stellte der Tiroler Caritas-Direktor Georg Schärmer an den Beginn seiner Pressekonferenz anlässlich der August-Sammlung am Mittwoch, 5. August 2015, in Lienz. „Weltweit leiden derzeit 795 Mio. Menschen an Hunger, das sind um 167 Mio. Menschen weniger als noch vor zehn Jahren“, erklärte Schärmer. Die Zahl der Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern habe sich in diesem Zeitraum halbiert. „Die Verbesserungen betreffen aber vor allem den asiatischen Raum, in Afrika haben sich die Rahmenbedingungen teilweise noch verschärft“, so der Caritas-Direktor. Gründe seien vor allem auch der Klimawandel und die Machenschaften von großen Industrieländern – wie China – in Bezug auf Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in Afrika. „Die Ernährungssicherheit bleibt ein großes Thema. Brunnen müssen gebaut werden, und wir müssen den Menschen dort beibringen, wie man Saatgut züchtet“, erklärte Schärmer.
„Ziel muss es in der Flüchtlingsfrage sein, die Hilfe ganz nahe an die Betroffenen zu bringen. Es müssen in den Entwicklungsländern Lebensbedingungen geschaffen werden, damit die Menschen dort bleiben bzw. wieder zurückkehren können.“
„Menschen auf der Flucht“ betitelte der Caritas-Direktor das zweite Thema, dem sich die Caritas derzeit intensiv widmet. Die Zahl der flüchtenden Menschen hätte sich weltweit in den letzten fünf Jahren von 26 Millionen auf 51 Millionen fast verdoppelt. „Und es wird weitergehen. In Syrien beispielsweise erleben wir derzeit eine humanitäre Katastrophe. Die Caritas Österreich versorgt derzeit in den Aufnahmestationen in Jordanien und im Libanon rund 110.000 Menschen. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, Decken, Matratzen und Zusatzernährung für die Säuglinge“, zeichnete Schärmer ein dramatisches Bild. Dem Land Tirol stellte er in der Flüchtlingsfrage ein „extrem gutes Zeugnis“ aus. „Vor etwa eineinhalb Jahren hatte Tirol ca. 1.500 Flüchtlinge aufgenommen, Ende 2015 werden es an die 6.000 sein. Die Diskussion wird leider aufgeheizt durch sehr viel Populismus, und im Bund orte ich eine schlechte Performance“, sprach der Caritas-Direktor auf kritische Töne an.
Der Tiroler Caritas Direktor lobte besonders auch die Familienhilfe, die in Osttirol unter Caritas-Dienststellenleiter Mag. Andreas Huber außergewöhnlich gut funktioniere.
Neben den Problemen in der Welt und mit den Flüchtlingsströmen liege der Schwerpunkt der Caritas-Arbeit jedoch weiterhin in der Entlastung von Familien in Österreich. „Ich spreche immer von berufspflichtigen Müttern, nicht von berufstätigen, weil viele Familien können nicht von nur einem Einkommen leben“, so Schärmer. Viel Aufmerksamkeit müsse den Pflegebedürftigen gewidmet werden – in Österreich gäbe es derzeit rund 450.000. Osttirol habe ein gutes Netz an Sozial- und Gesundheitssprengeln und an Heimplätzen, im Bereich der von der Caritas Osttirol angebotenen Familienhilfe wurden im Vorjahr rund 8.000 Einsatzstunden geleistet. „Die Zukunft bei der Pflege liegt für uns im Ehrenamt und in der Nachbarschaftshilfe. Im Projekt WegbegleiterInnen geben wir Ehrenamtlichen eine Grundeinführung in das Thema Demenz“, so Schärmer. In Osttirol gibt es derzeit zwölf WegbegleiterInnen, die durch ihre Arbeit pflegende Angehörige entlasten.
Für eine Zukunft ohne Hunger für die Menschen in Burkina Faso und Mali sowie für die Opfer des Syrienkrieges sammelt die Caritas derzeit.
Derzeit gäbe es mit Innsbruck und Imst in Tirol zwei demenzfreundliche Regionen, im nächsten Jahr soll das Zillertal hinzukommen und in drei bis vier Jahren auch Osttirol. „Dabei werden nicht nur unsere MitarbeiterInnen, sondern auch jene der Sozial- und Gesundheitssprengel sowie der Heime im Umgang mit von Demenz betroffenen Menschen geschult. In Innsbruck wurden sogar Busfahrer geschult, und demnächst werden wir das Programm auf die Polizei ausdehnen“, berichtete Georg Schärmer. Die Caritas sei wie andere Organisationen und Vereine in Zukunft mehr denn je auf das Engagement Ehrenamtlicher angewiesen. „Das Ehrenamt darf nicht bürokratisiert werden. Ohne Ehrenamtliche ist kein Staat zu machen“, so der Tiroler Caritas-Direktor abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger
