Fischpräparator Philip Holzer: Mit Präzision zum Unikat

Philip Holzer aus Kals am Großglockner hat ein ausgefallenes Hobby: Mit viel Geduld, Fingerspitzengefühl, Kreativität und handwerklichem Geschick stellt er Fischpräparate her.

Wenn man den Namen Philip Holzer hört, hat man zunächst einmal das Bild eines erfolgreichen Rangglers im Kopf. Im Haus von Familie Holzer in Unterpeischlach kann man aber nicht nur jede Menge Pokale und sonstige Ranggler-Trophäen von Philip, seinem Bruder Kevin und seinem Papa Franz bewundern, an den Wänden hängen seit einiger Zeit auch präparierte Fische.

 

 

Das Fischen war schon seit früher Kindheit das Hobby von Philip und Kevin. „Mit unserem Papa und Opa Gottfried aus Mittersill haben wir als Buben begeistert Forellen gefischt. Durch einen Pinzgauer Freund bin ich später zum Karpfenfischen gekommen, dem ich mich heute fast ausschließlich widme – meist in Kombination mit Camping. Ausgerüstet mit Zelt, Anglerausrüstung und Kocher verbringe ich oft bis zu eine Woche mit meinem Bruder Kevin und Freunden an verschiedenen Seen in Österreich, Italien und Slowenien. Die Karpfen nehmen wir normalerweise nicht mit nach Hause, sondern geben sie zurück ins Wasser, was man als Catch & Release bezeichnet“, erzählt Philip.

 

 

2017 hat der heute 23-Jährige das Präparieren von Fischen als Leidenschaft für sich entdeckt. Ähnlich wie bei der Jagd ist es auch in der Fischerei üblich, von besonders schönen Exemplaren ein Präparat anfertigen zu lassen. Spezialisten, die dieses Handwerk beherrschen, sind selten geworden. „Einem Fischpräparator aus dem Iseltal habe ich früher immer gerne über die Schulter geschaut. Er ist ein wahrer Meister seines Fachs, und mich hat immer schon fasziniert, mit welcher Freude und Präzision er arbeitet. Ich wollte diese Fertigkeit unbedingt erlernen.“

 

 

Zum Einstieg präparierte der junge Kalser eine Forelle, die er aus seinem eigenen Fischteich holte. „Das Allerwichtigste ist, dass die Haut unversehrt bleibt. Der Fisch wird durch einen Schlag auf den Kopf betäubt und dann durch einen Kiemenstich getötet. Die Haut sollte nicht ,pilzig‘ sein. Meistens wird der Fisch, den man später präparieren will, zunächst eingefroren. Wichtig ist, dass man ein Foto anfertigt, da sich die Hautfarbe im Zuge des Bearbeitungsprozesses verändert. Schließlich will man am Ende doch wieder ein möglichst realitätsnahes Präparat vor sich haben.“

 

 

Zunächst wägt Philip genau ab, welche Seite des Fisches er darstellen will. Dann misst er das Tier ab und zeichnet die genaue Form auf. Anschließend beginnt das Häuten des Fisches. „Das ist eigentlich die kniffligste Arbeit. Mit Spezialwerkzeugen löse ich die Haut vorsichtig vom Fleisch. Dabei sind höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl erforderlich.“ Einzig der Kopf bleibt vollständig erhalten. Philip entfernt nur das Auge und setzt später ein Glasauge ein.

 

 

Aus einem speziellen Material bildet er nun den Originalkörper nach. „Die Größenverhältnisse müssen genau passen. Deshalb ist es wichtig, dass ich mir vorher alles genau aufzeichne. Nun setze ich Haut und Kopf auf das Modell. Mit dünnen Holzspanplättchen presse ich die Flossen zusammen, und mit Stecknadeln richte ich z.B. auch den Fischmund ein.“ In einem nächsten Schritt behandelt Philip sein „Werkstück“ mit Chemikalien. „Innen streiche ich ein Mittel ein, um die Haut zu konservieren. Der Kopf wird mit einem Konservierungsmittel eingelassen, wodurch verhindert wird, dass die dort noch vorhandenen Fleischteile verwesen.

 

 

„Für die Bearbeitung des Kopfes verwende ich einen Spezialkitt. Da der Einsatz der Chemikalien zum Ausbleichen der Farben geführt hat, versuche ich nun, mit verschiedenen Farben oder auch Schminkmitteln die Originalfarben wiederherzustellen. Das ist einer der schwierigsten Schritte beim Fischpräparieren. Bis zu zwei Tage bin ich damit beschäftigt. Ziel ist, dass der Fisch nach diesem Prozess möglichst authentisch wieder im Originalzustand vor mir liegt.“

 

 

Wenn Philip mit dem Ergebnis zufrieden ist, lackiert er das Präparat. „Dafür verwende ich einen für mich eigens hergestellten Lack, der sich den Temperaturveränderungen anpasst. Auch bei diesem Schritt ist besonders präzises Arbeiten erforderlich. Grundsätzlich entwickelt man sich mit jedem präparierten Fisch weiter und lernt vor allem auch durch Erfahrung und kleine Missgeschicke.“

 

 

Nun ist der aufwändige Prozess abgeschlossen, und das Fischpräparat muss nur noch entsprechend präsentiert werden. Philip verwendet dafür ausschließlich Nussholz-Bretter. „Insgesamt arbeite ich einige Wochen an einem Fischpräparat. Die einzelnen Schritte erfordern viel Konzentration, Fingerspitzengefühl, Kreativität und vor allem auch Geduld. Mein Anspruch ist es, ein perfektes Präparat herzustellen. Die Arbeit an den Fischen macht mir große Freude. Ich kann mich kreativ betätigen, und es ist jedes Mal äußerst erfüllend, am Ende ein Unikat geschaffen zu haben.“

 

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann

30. November 2023 um