Felbertauern: Festhalten an ambitioniertem Zeitplan

Trotz widrigster Witterungsbedingungen hält man von Seiten der FAG am Ziel, die Straße in 3-4 Wochen einspurig für den Verkehr freizugeben, fest. Offene Fragezeichen bleiben. Dies erklärte FAG-Vorstandsdirektor Mag. Karl Poppeller gestern im Rahmen einer Pressekonferenz im Matreier Tauernhaus. Er ging in seinen Ausführungen nochmals auf die am vergangenen Sonntag erfolgte zweite Sprengung ein und berichtete von den intensiven nachfolgenden Arbeiten im Verlauf dieser Woche. „Die Mitarbeiter der Firma HTB waren die letzten Tage mit der Gesteinsberäumung und den Vorbereitung für Verankerungen der verbleibenden Felsformationen beschäftigt. Die Arbeiten schreiten gut voran, auch wenn die ungünstigen Wetterverhältnisse die Maßnahmen erschweren. Derzeit halten wir an unserem Ziel, die Straße in drei bis vier Wochen einspurig für den Verkehr freigeben zu können, fest. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist aber, dass der bergseitige Teil der Straße intakt geblieben ist und dass keine weiteren unvorhersehbaren Umstände eintreten.“

Unterhalb der „Schildalmgalerie“ wird derzeit ein Bauweg errichtet, um nach Abschluss der Sicherungsmaßnahmen die Beräumung der Unglücksstelle durchführen zu können.

 

Die beiden Geologen Dr. Franz Riepler und DI Hans Schroll sehen den Zeitplan der FAG zwar als knapp bemessen, aber als durchaus realisierbar an. Sie zeigten sich mit den umgesetzten Sprengungen zufrieden und berichteten von Detailaufnahmen im Abbruchbereich als Grundlage für geologische Modelle und von erfolgten geodätischen Vermessungen. „Diese sind die Basis dafür, um exakte statische Berechnungen durchführen und abschätzen zu können, ob Zusatzmaßnahmen notwendig sein werden. Steinschlagsimulationen werden uns Daten dafür liefern, wie groß die Steinschlagnetze dimensioniert werden müssen. Der Steinschlagschutz ist die derzeitige Hauptaufgabe. Lose Blöcke in der Sturzbahn müssen entfernt, Sicherungsvorkehrungen getroffen und für das Lockermaterial evtl. ein Auffangbecken errichtet werden,“ so Dr. Riepler. Außerdem müsse man sich, wie DI Hans Schroll ergänzte, „mittelfristig einen Ersatz für den nun fehlenden Schutzwald oberhalb der Galerie überlegen.“ Nach Einschätzung der beiden Geologen sollten die notwendigen Räumungs- und Sicherungsarbeiten an der Gefahrenstelle rund drei Wochen in Anspruch nehmen.

Gleichlaufend mit den Maßnahmen an der Abbruchstelle und in der Sturzbahn wurde von Seiten der FAG das Konzept für die Beräumung des Schuttkegels oberhalb der Galerie und des eigentlichen Galeriebereiches fertiggestellt. DI (FH) Michael Köll, der technische Leiter der FAG, dazu: „Sobald wir das OK von den Geologen erhalten, werden diese Arbeiten, durchgeführt von zwei Unternehmen, beginnen können. Wir rechnen bei einem Rund-um-die Uhr-Betrieb mit ca. einer Woche. Dann werden wir sehen, in welchem Zustand sich der bergseitige Teil der Straße befindet. Wir gehen aber davon aus, dass er intakt ist und, evtl. mit einer neuen Asphaltschicht versehen, wieder befahrbar gemacht werden kann.“ Am eigentlichen Wiederaufbau der Galerie werden, so Köll, in der Folge sechs Firmen beteiligt sein. Das Konzept dafür steht, nächste Woche sind notwendige Behördenwege zu erledigen. Erneuert werden müssen 127 Laufmeter der „Schildalmgalerie“, die nicht beschädigten Galerieabschnitte können beibehalten werden. Vor dem nächsten Winter wird schließlich auch die Umsetzung eines ausreichenden Lawinenschutzes erfolgen müssen. In Abstimmung mit DI Otto Unterweger von der Wildbach- und Lawinenverbauung laufen auch hierfür alle notwendigen Vorbereitungen.

Auch wenn die Felbertauernstraße in drei bis vier Wochen wieder einspurig befahrbar sein sollte, bleibt der Schaden für die Straßenbaugesellschaft dennoch beträchtlich. Neben den auf 2-3 Mio. Euro geschätzten Baukosten und den fehlenden Mauteinnahmen von rd. 1 Mio. Euro rechnet man auch in den Folgemonaten bis Herbst 2013 mit Nachwirkungen. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Verkehrsteilnehmer nach derartigen Ereignissen verunsichert sind und deshalb auf andere Routen ausweichen. Es wird also Zeit brauchen, bis sich die Verhältnisse auch in dieser Hinsicht wieder normalisiert haben,“ so Mag. Karl Poppeller abschließend.

Text: J. Hilgartner; Fotos: Brunner Images

24. Mai 2013 um