Erwin Burgsteiner präsentierte sein Buch „Bramberger Dorfgeschichten”
Veränderungen im Dorf werden durch die vorwiegend heiteren Geschichten sichtbar – und bei so mancher sehnt man sich nach dem einfachen Leben vergangener Zeiten.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Daniel-Etter-Saal im Felberhaus der Oberpinzgauer Gemeinde Bramberg, als Erwin Burgsteiner am 7. Dezember 2018 sein neues Buch „Bramberger Dorfgeschichten” präsentierte. Erwin war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2017 als Lehrer an der Hauptschule Bramberg tätig. Als begeisterter Steinsucher und Verfasser mehrerer Mineralienbücher (z.B. „Kristallschätze” oder „Der Venediger”) wird der Oberpinzgauer schon seit vielen Jahren weit über die Grenzen Salzburgs hinaus geschätzt. „Mein Interesse galt schon immer den Geschichten aus früherer Zeit, die in unserem Dorf von Generation zu Generation weitergetragen wurden. Viele – vorwiegend heitere – Begebenheiten hat mir mein Steinsucherfreund Lois Steiner erzählt. Ich habe sie mir gemerkt und irgendwann zu Papier gebracht”, so der rührige Buchautor, der auch im Museum Bramberg mitarbeitet.
Anton Kreidl, bekannt als „Hauser Tanei”, war ein einfacher Gehilfe auf dem Hauserhof. Über ihn gibt es recht amüsante Geschichten zu erzählen, von denen einige in Erwin Burgsteiners Buch enthalten sind. Foto: Josef Meilinger
Anlässlich der Bildungswoche 2017 folgten sehr viele Interessierte der Einladung zur Lesung von Erwin Burgsteiner, was für ihn Anlass war, den „alten“ Dorfgeschichten ein eigenes Buch zu widmen. Er machte sich verstärkt auf die Suche nach weiteren Berichten über und aus seinem Heimatdorf und begann auch, alte Fotos zu sammeln. „Wichtig ist mir, dass die Menschen aus dem Volk und ihre Originalität im Fokus stehen. Bücher über Prominente gibt es genug. Ich möchte meine Leserinnen und Leser zum Lachen bringen und dafür sorgen, dass die alten Geschichten nicht vergessen werden.”
Bis vor einigen Jahrzehnten hätte es in den Dörfern, so Erwin Burgsteiner, noch mehr Raum und Möglichkeiten dafür gegeben, dass sich originelle Menschen oder kauzige Charaktere entwickeln können. „Früher unterlag nicht alles der Regulierungssucht und dem Diktat des Geldes – man ließ Dinge einfach geschehen. So konnte manches passieren, was heute vielleicht in den Medien Verbreitung fände oder möglicherweise sogar strafrechtliche Folgen nach sich ziehen würde”, meint
er.
In allen Geschichten von Erwin Burgsteiner schwingt jedenfalls die Veränderung mit. Sie macht deutlich, wie rasant sich das Dorfleben in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt hat. Im Mittelpunkt der „Bramberger Geschichten“ stehen das beschauliche Leben, die harte, noch nicht technisierte Welt, der Kampf gegen die Unbilden der Natur, die Bescheidenheit und das schlichte Wesen der Menschen, die Zusammenarbeit in der Nachbarschaft, die harte Arbeit in der Landwirtschaft und die gelebten Traditionen mit festen Ritualen im Lauf der Jahreszeiten.
„Neben den schnell fortschreitenden Entwicklungen sollen die Geschichten darauf hinweisen, dass es gut tut und vielleicht auch Glück bedeutet, wenn man in die Bräuche, in das Vereinsleben, in die ,Seele‘ eines Dorfes eingebettet ist.” Erwin Burgsteiner ist es auch wichtig, dass die Menschen den eigenen Dialekt pflegen, dass man miteinander redet und sich mit einem „Griaß di” begegnet, anstatt nur digitale Likes zu sammeln.
Auch der Brauch des Alperer-Fahrens in den 1960er-Jahren ist im Buch beschrieben. Foto: Alois Kirchner
„Wir sollten die Stärken unseres Gebirgsdorfes erkennen und pflegen. Wir sind aufgerufen, achtsam mit uns und unserem Dorf umzugehen, uns eine gewisse Demut zu bewahren, auch wenn die Wirtschaft, die digitale Welt, die Beschleunigung und viele Modeerscheinungen eine andere Sprache sprechen. Wenn mein Buch ein wenig dazu beitragen kann, freue ich mich. Vor allem sollen die Leserinnen und Leser aber Spaß haben und sich mit den heiteren Geschichten eine Auszeit vom oft stressigen Alltag gönnen”, hält er abschließend fest.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: David Innerhofer, Privat (siehe Bild)



