Erste Sprengung am Felbertauern
Trotz widriger Witterungsbedingungen konnte heute die erste Sprengung oberhalb der Felbertauernstraße vorgenommen werden. Mehr als 5000 m³ donnerten talwärts.„Der Fortgang der vor uns liegenden Sprengungs- und Beräumungsarbeiten ist stark witterungsabhängig“, erklärte FAG-Vorstandsdirektor Mag. Karl Poppeller heute Vormittag im Rahmen einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Dinge nach dem riesigen Felssturz in der Nacht auf Dienstag auf die Felbertauernstraße und sprach damit auch die für heute und morgen prognostizierten starken Regenfälle an. Bereits gestern, Mittwoch, 15.5., wurden – wir berichteten – per Hubschrauber den ganzen Tag über Sprengmaterial und Geräte in den Abbruchbereich geflogen, wo acht Mitarbeiter einer Spezialfirma aus Imst, unterstützt von einem FAG-Mitarbeiter, am Seil gesichert, Bohrungen vornahmen.
Vorstandsdirektor Mag. Karl Poppeller: „Die Felbertauernstraße ist der Lebensnerv Osttirols. Viele Menschen sind auf diese Straße als Verbindungsweg angewiesen. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden alles Menschenmögliche tun, um die notwendigen Arbeiten voranzutreiben.“
Diese Bohrarbeiten, die heute Vormittag fortgesetzt wurden, gestalteten sich, so der technische Leiter der Felbertauernstraße AG, DI (FH) Michael Köll, als sehr schwierig, nicht nur aufgrund der Härte des Gesteins, sondern auch aufgrund des steilen, rutschigen Geländes im Abbruchgebiet. Ca. 15 Bohrlöcher waren für die erste Sprengung heute Nachmittag um 14.15 Uhr notwendig, bei der zehn Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz kamen. „Erst nach dieser ersten Sprengung wird es möglich sein, zu beurteilen, wie viele weitere erforderlich sein werden“, hielt DI (FH) Michael Köll, der alle Einsätze vor Ort koordiniert, fest. „Unser Wunsch wäre es, die betreffende Gesteinsformation in Portionen abzusprengen.“ Aufgrund der schlechten Witterungsverhältnissen ist, so Köll, vor Samstag nicht mit weiteren Sprengungen zu rechnen.
„Die Felbertauernstraße hat höchste Sicherheitsstandards. Seit 1996 erstellen Geologen Georisiko-Kartierungen, auf Basis derer mögliche Szenarien ausgearbeitet bzw. die Hangsituationen beurteilt werden. Jedes Jahr im Frühjahr erfolgt eine Beräumung der Geländebereiche oberhalb der Straße, die sich über 1,5 Monate erstreckt,“ so DI (FH) Michael Köll. „Ein Restrisiko bleibt im Hochgebirge aber immer!“
„Rund 10 000 Kubikmeter sehr labile Gesteinsmassen befinden sich noch im oberen Abbruchbereich“, erläuterte Geologe Dr. Franz Riepler, ein gebürtiger Osttiroler, die diffizilen Verhältnisse oberhalb der betroffenen Schildalmgalerie. „In diesem Gebiet besteht eine sehr labile Gesteinsschichtung. Die Schichtung fällt talwärts ein, was ein leichtes Abgleiten des im Hang befindlichen Materials begünstigt. Wir haben im Bereich des Abbruches Hinweise auf eine tiefgründige Verwitterung des Felsgeländes mit sehr vielen Klüften. Außerdem lassen sich Spuren eines großen Abganges lange Zeit vor dem Bau der Felbertauernstraße, vermutlich vor 100 bis 200 Jahren oder noch früher, feststellen.“ Je nachdem wann und in welcher Form alle notwendigen Sprengungen gelingen werden, wird man sich in der Folge dann, so Geologe Riepler weiter, „…in der Absturzbahn nach unten arbeiten und gegebenenfalls auch weitere Ankerungs- und Sicherungsmaßnahmen vornehmen müssen.“
Landesgeologe Dr. Franz Riepler: „Lange Zeit vor dem Bau der Felbertauernstraße gab es in diesem Bereich bereits einen großen Abgang.“
Der Fortgang der erst nach Abschluss dieser Phase möglichen Sanierungstätigkeit im Bereich des Straßenkörpers wird auch davon abhängen, wie stark die Hangbrücke, auf der ein Teil der Straße liegt, beschädigt ist. DI Michael Köll dazu: „Dies wissen wir erst, wenn die Abbruchmassen weggeräumt sind.“ Die Gesamtlänge der Schildalmgalerie bezifferte der technische Leiter der FSTR mit 843 Metern, vom Totalschaden seien 92 Laufmeter betroffen. Außerdem gehe man von einem insgesamt beschädigten Bereich von 120 Metern Länge aus. Das Abbruchgebiet liegt 280 Meter oberhalb am Hang, die tatsächlich abgebrochene Gesteinsmasse bewege sich laut Schätzung der Landesgeologen zwischen 30.000 und 35.000 Kubikmetern.
Text: E. Hilgartner, Fotos: Expa/Johann Groder, Journal/L. Sulzenbacher


