Sternenkinder: Gedenkandacht am 11. Dezember 2022 in Lienz

Am 2. Sonntag im Dezember wird der „Worldwide Candle Lighting Day“ begangen. An diesem Tag wird in der Pfarrkirche St. Andrä eine Gedenkandacht für verstorbene Kinder gestaltet.

 

Am Bezirkskrankenhaus Lienz werden Eltern, deren Kind verstorben ist, liebevoll aufgefangen und betreut. Krankenhaus-Seelsorgerin Maria Radziwon ist für die Betroffenen da und bietet Unterstützung sowie Rituale an, die helfen sollen, mit der Trauer und dem Schmerz umgehen zu können. Auf Wunsch der Eltern werden auch Erinnerungsbilder von den Babys gemacht. Dafür zeichnen die beiden ehrenamtlich tätigen Fotografinnen Melanie Granegger und Sabrina Köfele verantwortlich.

 

„Sternenkinder“ werden sie genannt – jene Kinder, deren Leben so kurz ist wie das Aufleuchten einer Sternschuppe. Der frühe Tod eines Kindes gehört wohl zu den schlimmsten Erlebnissen in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft. Von einem Moment auf den anderen ist alles anders. Das eigene Kind ist plötzlich nicht mehr da, der Schmerz und die Trauer groß. Mit einem derartigen Schicksalsschlag sehen sich in Österreich jährlich rund 13.000 Mütter und Väter konfrontiert. Ihre Kinder sind vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben – und viele Hoffnungen und Träume zerstört.

Die Ausnahmesituation, in der sich viele Betroffene nach dem Tod ihres Kindes befinden, ist dem Ärzte- und Pflegepersonal am BKH Lienz und Seelsorgerin Maria Radziwon bewusst. Die gebürtige Innsbruckerin und heutige Wahl-Kärntnerin ist seit 2014 als Krankenhaus-Seelsorgerin tätig. „Ich bin für alle da, die in schwierigen Lebenssituationen, bei Krankheit oder Tod, das Gespräch suchen“, sagt sie. Besonders am Herzen liegen ihr die Eltern und Familien der „Sternenkinder“. Ihnen versucht sie, Unterstützung zu geben, für Fragen da zu sein und verschiedene Rituale anzubieten, um den Schmerz zumindest ein Stück erträglicher zu machen. „Für das Begreifen und die Bewältigung des Geschehens ist es oft wichtig, zur Sprache zu bringen, was einen bewegt. Tränen, Trauer, Wut, Verzweiflung – alles hat seinen Platz. Ich bin da, höre zu und unterstütze, wo es gewünscht wird.“

Um der Trauer Raum zu geben, finden am BKH Lienz auf Wunsch der Betroffenen so genannte „Namensgebungs- und Verabschiedungsfeiern“ statt, die Maria Radziwon gemeinsam mit den Familien liebevoll und würdig gestaltet. Sehr wichtig ist es der Seelsorgerin, die sich im Rahmen der Selbsthilfegruppe „Sternenkinder“ engagiert, auch darauf hinzuweisen, dass es die Möglichkeit gibt, direkt im Krankenhaus Erinnerungsfotos von den Kindern anfertigen zu lassen. „Diese Erinnerungsbilder werden ein Leben lang halten und sind für die Eltern und Geschwisterkinder unendlich wertvoll. Zudem können sie auch eine wichtige Unterstützung bei der Trauerbewältigung sein“, betont sie. Maria Radziwon ist es, die die Termine mit den Sternenkinder-Fotografinnen organisiert und die Verbindung zu den Eltern herstellt. „Die Fotografinnen arbeiten ehrenamtlich und kostenlos. Am BKH Lienz kommen Melanie Granegger und Sabrina Köfele zum Einsatz“, informiert sie.

Melanie Granegger stammt aus der Oberkärntner Gemeinde Mörtschach und ist, wie sie erzählt, selbst eine „Sternenkind-Mama“. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit sieht sie als „Berufung“ und sehr wichtige Aufgabe an. „Oft werde ich gefragt, warum man tote Babys fotografiert. Ich antworte dann immer: Ganz einfach, weil Erinnerungen verblassen und weil auch diese Eltern ein Recht auf schöne Bilder von ihren Babys haben. Und wenn auch manche Mütter und Väter erst nach Jahren die Kraft finden, sich die Fotos anzusehen – die Erinnerungen sind heilsam und für die Betroffenen meist das Einzige, was sie noch von ihrem Kind besitzen.“ Jeder Einsatz sei natürlich emotional, aber auch so voller Dankbarkeit. „Die Briefe und Nachrichten, die ich oft nach einem Einsatz von Sternenkinder-Eltern erhalte, sind für mich unbezahlbar und bestärken mich in meiner Arbeit.“

Melanie wechselt sich im Lienzer Krankenhaus mit Sabrina Köfele ab. Sie wohnt mit ihrer Familie in Hopfgarten im Defereggental und schätzt die Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin, mit Krankenhaus-Seelsorgerin Maria Radziwon und dem Ärzte- und Pflegeteam am BKH Lienz sehr. „In manchen Jahren kommen Melanie und ich sehr oft und in anderen seltener zum Einsatz. Im heurigen Jahr wurden wir bislang etwa 10 Mal angefordert“, sagt sie. „Wir kommen immer sehr gerne, respektieren natürlich aber auch, wenn Eltern keine Fotos möchten.“ Die Kontaktaufnahme erfolge, so Sabrina, fast immer durch Maria Radziwon, in selteneren Fällen durch das Pflegeteam oder über den „Alarm“ des Vereins „meinSternenkind“. Vor Ort sei die Situation immer eine andere. „Manche Frauen verlieren ihre Babys sehr früh, andere im Laufe der Schwangerschaft. Besonders tragisch ist es, wenn die Eltern zur Geburt ins Krankenhaus kommen und ihr Kind tot geboren wird oder nur sehr kurz lebt“ hält sie fest. „Ein sensibles, zurückhaltendes Vorgehen ist aber immer wichtig. Mein Anspruch ist es, für die Eltern da zu sein und ihnen in Form der Fotos Erinnerungen zu schenken.“

 

 

Den Wert und die Bedeutung von Erinnerungen streicht auch Maria Radziwon nochmals heraus. Sie verweist darauf, dass beim „Kindergrab“ am städtischen Friedhof in Lienz einmal im Jahr eine Gedenkfeier stattfindet. „Das Andenken braucht einen Ort“, betont sie und erinnert daran, dass am 2. Sonntag im Dezember der „Worldwide Candle Lighting Day“ als Gedenktag an verstorbene Kinder begangen wird. „Am 11. Dezember gestalte ich um 16.00 Uhr eine Gedenkandacht in der Pfarrkirche St. Andrä, zu der ich herzlich einlade.“

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Melanie Granegger, Sabrina Köfele, Expa Groder

07. Dezember 2022 um