Elisabeth und Werner Dobnig erzählen: Die Lienzna Pfeif‘nracha
Wir unterhielten uns mit Elisabeth und Werner Dobnig über den Genuss des Pfeifenrauchens, über ihre Erfolge beim Langzeit-Pfeiferauchen und über die Lienzna Pfeif’nracha.
Elisabeth Dobnig aus Lienz trug bei der diesjährigen Weltmeisterschaft im Pfeifen-Langzeitrauchen in Istanbul nicht nur zum Sieg des Teams Österreich bei, sondern wurde auch in der Einzelwertung Zweite – und damit Weltmeisterin bei den Damen. „Beim Pfeifen-Langzeitrauchen geht es darum, mit drei Gramm Tabak die Pfeife so lange wie möglich am Rauchen zu halten. Man erhält vom Veranstalter eine genormte Pfeife ohne Filter, drei Gramm Tabak, zwei Zündhölzer, einen Holzstopfer und ein Blatt Papier. Fünf Minuten hat man Zeit, die Pfeife zu stopfen. Dann muss man den Tabak innerhalb einer Minute zum Brennen bringen. Die ersten zehn Minuten darf nicht getrunken werden. Dann wird Wasser serviert“, erklärt Elisabeth Dobnig den Ablauf des Wettbewerbs, bei dem sie sich 2022 zum bereits wiederholten Male zur Weltmeisterin küren konnte.

Trafik in Lienz als Familienbetrieb
Über 35 Jahre lang führten Werner und Elisabeth Dobnig in dritter Generation die Trafik Dobnig in der Lienzer Innenstadt. 2019 hat Sohn Lucas das Geschäft übernommen. „Wir sind über die Beschäftigung mit Tabak, Zigaretten, Zigarren und Pfeifen zum Pfeifenrauchen gekommen. Vor 35 Jahren nahmen wir das erste Mal an einer Europameisterschaft teil. Gemeinsam mit Stadtschuster Peter Weissenbacher und Gastwirt Gerald Messner reiste ich damals nach St. Claude in Frankreich. Unsere Freude war groß, als mit Gerald ein Lienzer unter die ersten Fünfzig kam“, erinnert sich Werner an die Anfänge zurück. Seine Frau Elisabeth wurde in Estoril (Portugal) zum ersten Mal Weltmeisterin.

Vereinsgründung vor 33 Jahren
Der Verein „Lienzna Pfeif’nracha“ kann auf eine langjährige Tradition verweisen. Er wurde im November 1989 auf Anregung von Gerald Messner gegründet. Der inzwischen verstorbene Gastwirt und leidenschaftliche Pfeifenraucher lud damals einige Gleichgesinnte ins Hotel Stocker zur Gründungsversammlung ein. „Wichtig war uns, das Pfeifenrauchen stärker publik zu machen. Gemeinsam organisierten wir Ausstellungen und Wettbewerbe und trafen uns mindestens ein Mal im Monat zum gemeinsamen Rauchen. Der gesellschaftliche Aspekt war für uns dabei immer besonders wichtig“, erzählen Werner und Elisabeth.

Am Höchststand zählte der Verein 20 Mitglieder, heute gehören den „Lienzna Pfeif’nrachan“ noch 10 Personen an, davon zwei Frauen. „Es ist sehr schade, dass die alte Rauchkultur durch Rauchverbote und gesellschaftliche Entwicklungen immer mehr in Vergessenheit gerät. Für eine Pfeife muss man sich Zeit nehmen. Früher hat man sich z.B. nach getaner Arbeit mit einer Pfeife belohnt“, sagt Werner.

Meerschaumpfeifen & Co
Der Lienzer kennt sich in Sachen Tabak und Pfeifen, von denen er viele spezielle besitzt, besonders gut aus. „Bevor die Zigarette erfunden wurde, hat man Tabak nur in der Pfeife geraucht. Die Seemänner verwendeten dafür früher Tonpfeifen. Viele Teile dieser Tonpfeifen liegen z.B. auch heute noch im Hafen von London.“ In seiner eigenen Pfeifensammlung befindet sich auch eine besonders schöne „Meerschaumpfeife“ aus der Türkei. „Meerschaum ist ein Mineral, das in der Türkei abgebaut wird. Dort besteht auch eine lange Tradition im Pfeifenschnitzen. Aus dem Mittelmeerraum stammt auch das Bruyere-Holz, aus dem besonders edle Pfeifen gefertigt werden“, lässt er wissen.

Tabaksorten gibt es in Österreich übrigens etwa 60. „Cavendish, Virginia, Burley, Orient, Tabake in geschnittener, gerissener oder gepresster Form – die Vielfalt an verschiedenen Tabaken ist groß. Manche werden sogar in Eichenfässern gelagert“, informiert Werner und verweist auf den ganz besonderen Genuss, am Abend in gemütlicher Runde und vor allem in Ruhe eine Pfeife zu rauchen. Seine Frau Elisabeth stimmt ihm zu und berichtet abschließend noch davon, dass sie bei der Weltmeisterschaft in Istanbul mit ihren drei Gramm Tabak auf eine Rauchzeit von 2 Stunden, 15 Minuten und 46 Sekunden gekommen ist.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann