Eiszunge der Pasterze ging um 97,3 Meter zurück
98% der heimischen Gletscher sind im vergangenen Jahr zurückgeschmolzen. In Osttirol wurde am Viltragenkees mit 46,5 Metern der größte Längenverlust gemessen.Fast durchgängig rote Zahlen veröffentlicht der Österreichische Alpenverein (OeAV) in seinem Gletscherbericht 2011/2012. Bei 93 der 95 beobachteten Gletschern wurde ein Rückgang registriert, kein einziger Gletscher konnte im Beobachtungszeitraum einen Vorstoß verzeichnen. In ihrer Länge unverändert blieben nur das Rote-Kopf-Kees in der Schobergruppe und der Eiskargletscher in den Karnischen Alpen. „Schuld an den Rückgängen sind die überdurchschnittlich hohen Temperaturen im letzten Jahr“, erklärte Dr. Andrea Fischer, Leiterin des Gletschermessdienstes. „Der Niederschlag war im Winter außerdem sehr ungleichmäßig verteilt. Manche Gletscher erhielten erst im Spätwinter ihre schützende Schneeschicht“, so Fischer. Spitzenreiter unter den schrumpfenden Eisriesen war der größte Gletscher Österreichs – die Pasterze auf der Kärntner Seite des Großglockners. Die berühmte Gletscherzunge im Nationalpark Hohe Tauern ging um 97,3 Meter zurück, die Eisoberfläche ist um 4,6 Meter gesunken, ihre Fließgeschwindigkeit hat sich um 1,3 Meter pro Jahr verringert und beträgt nun nur mehr 5,2 Meter pro Jahr.
Die Zunge des Kesselwandferners im Rofental bei Vent in den Ötztaler Alpen ist durch die Eisrückgänge vollständig abgerissen.
Auch das Viltragenkees in der Venedigergruppe im Gemeindegebiet von Matrei in Osttirol gehört zu jenen acht Gletschern, die im vergangenen Jahr um mehr als 40 Meter zurückgegangen sind. Der Längenverlust dieses eher kleinen Keeses betrug 46,5 Meter. Unter den am stärksten schrumpfenden Gletschern ist auch der berühmte Gepatschferner in den Ötztaler Alpen (minus 72,7 m) und das Waxeggkees in den Zillertaler Alpen mit einem Längenverlust von 52 m. Das Obersulzbachkees auf der Salzburger Seite des Venedigermassivs ging um 36 Meter zurück.
Seit 122 Jahren führt der Alpenverein Messungen an Österreichs Gletschern durch. „Anhand dieser Datensammlung können wir Langzeitvergleiche anstellen und damit auch klimatische Veränderungen belegen“, unterstreicht Dr. Oskar Wörz, Vize-Präsident des OeAV, die Bedeutung der Gletscherberichte. Das Gletschermessteam steht seit 2010 unter der Leitung von Dr. Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zurzeit sind 20 so genannte „Gletscherknechte“ und zahlreiche HelferInnen für den Alpenverein im Einsatz; sie führen regelmäßig Messungen vor Ort durch und verwerten das umfangreiche Datenmaterial.
Wenn Sie auf beiliegende Animation klicken, können Sie den Rückgang des Litzner Gletschers in der Silvretta von 1976 bis 2012 beobachten.
Die größten Rückgänge der einzelnen Gletscher und der Gebirgsgruppen hier zum Download
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Alpenverein/B. Seiser, Norbert Span und Günther Groß (Animation)
