Eine große Dorfgemeinschaft bewältigt die Mure

Die Sicherungs- und Aufräumarbeiten während und nach der Mure in Virgen waren ein Meisterstück an Zusammenarbeit von Dorfgemeinschaft und Einsatzkräften.

32 Eigentümer von Objekten, 20 Grundstückseigentümer, vier Betriebe, Einrichtungen der Telekommunikation und der Tiwag, der Landesstraßenverwaltung, des Wasserbauamtes und der Regionalenergie Osttirol, das Virger Schulzentrum, die Kanal- und Wasserversorgung, der Tourismusverband und sonstige Infrastruktur wurden schwer getroffen, als am Nachmittag des Samstag, 4. August 2012, in mehreren Intervallen Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen über den Firschnitzbach in das Ortszentrum von Virgen donnerten – fünf Brücken wurden weggerissen. „Sofort standen 74 Feuerwehrleute, 30 Polizisten, 15 Bergretter und zahlreiche Mitarbeiter von Baubezirksamt, Wildbach- und Lawinenverbauung, der Gemeinde Virgen sowie der Tiwag im Einsatz, um Menschen und Infrastruktur zu sichern“, berichtet Bürgermeister Ing. Dietmar Ruggenthaler.

„Der Geistesgegenwart der Einsatzkräfte ist es zu verdanken, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist – nicht nur während des Murenereignisses, sondern auch bei den Aufräumarbeiten.“ Der Bürgermeister bedankt sich aber nicht nur bei allen Einsatzkräften, sondern lobt vor allem auch den großen Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft, die dafür gesorgt hat, dass das Jahrhundertereignis doch noch relativ glimpflich ausgegangen ist. „Am Sonntag hat die Feuerwehr auf 128 Mann aufgestockt, viele haben in der Nacht durchgearbeitet, das Bundesheer war bereits mit 24 Soldaten vor Ort,  und die Tiwag hat eine Notstromversorgung aufgebaut, auch Privatfirmen waren am 2. Tag bereits im Einsatz“, so Ruggenthaler. Rund 200 Freiwillige halfen am Sonntag mittels „Kübelketten“, Schlamm und Holz aus dem Bachbett zu entfernen. „Ein großes Lob gilt aber auch den Frauen, die die Einsatzkräfte mit Essen versorgt haben“, sagt Ruggenthaler.

Feuerwehrkommandant Harald Mair und Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler bedanken sich nicht nur bei den Einsatzkräften sondern auch bei den zahlreichen Zivilisten für die Hilfestellung während der Katastrophe und bei den Aufräumarbeiten.

Feuerwehrkommandant Harald Mair und Bgm. Ing. Dietmar Ruggenthaler bedanken sich nicht nur bei den Einsatzkräften sondern auch bei den zahlreichen Zivilisten für die Hilfestellung während der Katastrophe und bei den Aufräumarbeiten.

Seit Montag helfen rund 70 Soldaten des Jägerbataillons 24 und aus Kärnten bei der Beseitigung der Schäden, 27 Pioniere aus Salzburg bauen unter anderem die Brücken wieder auf. „Als ich aus dem Hubschrauber die 2. Schlammwelle kommen sah, habe ich das Schlimmste befürchtet“, erinnert sich DI Otto Unterweger, Leiter der Gebietsbauleitung Osttirol der Wildbach- und Lawinenverbauung zurück. Er betont, dass es sich bei der Firschnitzbach-Mure um ein „mehrhundertjähriges Ereignis“ gehandelt hat. „Derartige Schlammlawinen sind bei uns äußerst selten. Die Verbauung hat gehalten, und das zeigt uns und vor allem auch unseren Vorgängern, dass wir die Gefahr richtig eingeschätzt und die Verbauung des Baches richtig angelegt haben“, so Unterweger.

Das Bachbett des Firschnitzbaches wird derzeit von Schlamm und Geröll befreit, Soldaten des Bundesheeres helfen noch bis Montag, 13. August, bei den Aufräumarbeiten im Virgental.

Das Bachbett des Firschnitzbaches wird derzeit von Schlamm und Geröll befreit, Soldaten des Bundesheeres helfen noch bis Montag, 13. August, bei den Aufräumarbeiten im Virgental.

„Zunächst war es unsere größte Sorge, dass wir die vielen Schaulustigen mit Hilfe der Feuerwehr vom Gefahrenbereich wegbringen“, berichtet Robert Schneider von der Polizeiinspektion Matrei. Die nächste Herausforderung für die Polizisten war, trotz fehlenden Stroms und unterbrochenen Telefonleitungen die Vermisstenmeldungen zu koordinieren. Viele Urlaubsgäste übernachteten nämlich nicht in der in Matrei eingerichteten Notunterkunft, sondern beispielsweise auch in Lienz. „Insgesamt standen 370 Feuerwehrleute im Einsatz, wir waren aber auch darauf angewiesen, dass uns und die Gemeinde zahlreiche Zivilisten so tatkräftig unterstützt haben“, sagt Harald Mair, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Virgen. Bürgermeister Ruggenthaler ist voll des Lobes für alle beteiligten Einsatzkräfte, vor allem aber für die Virger Bevölkerung. „Bei diesem Katastrophenereignis hat man wieder einmal gesehen, wie wichtig eine funktionierende Dorfgemeinschaft für unsere Gesellschaft ist. Das Wichtigste war aber, dass Einheimische und Gäste Ruhe bewahrt haben!“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Gemeinde Virgen, Raimund Mühlburger, Video: Gemeinde Virgen/Filmservice Steiner

09. August 2012 um