Naturfotograf Daniel Egger – stille Abenteuer in der Natur
Wahre Kunstwerke entstehen, wenn Daniel Egger aus Virgen die großen und kleinen Wunder der Hohen Tauern oder der Wildnis Kanadas und Islands in Bildern ablichtet.
An Kunst interessiert war Daniel Egger schon immer und viel in den heimatlichen Bergen unterwegs. Irgendwann hat er begonnen, die vielfältigen Stimmungen, die er auf seinen Touren hautnah erlebte, mit der Linse einzufangen. „Ich habe festgestellt, dass das Fotografieren für mich der perfekte Ausgleich zum Alltag ist. Gerade in der Landschafts- und Naturfotografie kann man sich voll entfalten. Man konzentriert sich auf das Motiv und vergisst dabei alles, auch die Zeit“, erzählt Daniel Egger. So kann es schon sein, dass der 35-Jährige stundenlang an einem Bergsee wacht, um dann – wenn das richtige Licht endlich da ist – mit seiner Kamera „zuzuschlagen“. Planung und Vorbereitung gehören für ihn zu den wichtigsten Detailaufgaben des Fotografierens. „Ich wähle konkrete Vorhaben aus, plane die Tour und erreiche mein Ziel dann meist schon mit einem bestimmten Motiv im Hinterkopf“, so Daniel Egger, der unter dem Firmennamen „Tauern Photos“ tätig ist.
Die Vielfalt der Motive ist groß. Im Frühling kann es sich z.B. um eine Blumenwiese mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund handeln. „Das Erwachen des Tages bei Sonnenaufgang an einem Bergsee zu erleben, ist wunderschön. Man nennt den Lichtwechsel von der Nacht in den Tag ‚blaue Stunde‘. Eine derart besondere Stimmung ablichten zu können, steigert den Genuss enorm“, kommt der Iseltaler ins Schwärmen.
Wann geht die Sonne auf? Wann steht der Mond wo? Wann muss ich los, damit ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz bin? Alles Fragen, die Daniel Egger bei der Planung und Vorbereitung beschäftigen. „Beim Fotografieren gibt es für mich auch kein schlechtes Wetter. Bilder mit wolkenlosem, blauem Himmel gelten unter Naturfotografen als verpönt. Mit diffusem Licht, Wolken oder Nebel werden die Motive für mich erst richtig interessant.“ Zu Beginn seiner Tätigkeit als Naturfotograf hat Daniel Egger vor allem in den Hohen Tauern und im Nationalpark gearbeitet. Durch den Austausch mit Gleichgesinnten im Internet entdeckte er in den letzten Jahren aber zunehmend auch seine Liebe zum Reisen, wobei v.a. der Erfahrungsaustausch mit amerikanischen Kollegen eine Rolle spielte. Aus dem Kontakt mit Fotografen in Übersee sind auch einige Freundschaften entstanden, so Daniel. „Die Landschafts- und Naturfotografie genießt in Nordamerika als Kunstform einen sehr hohen Stellenwert, vergleichbar mit jenem, den in Europa z.B. die Malerei oder Bildhauerei einnehmen“, meint er weiter.
2012 hat der Virger seine erste große Fotoreise nach Kanada unternommen, war an der Nordpazifikküste zwischen Vancouver und Alaska, in der Region des Great Bear Rainforest und im Jasper-Nationalpark unterwegs, in Gegenden, die noch tiefste Wildnis sind. „Von einer Indianersiedlung aus habe ich mit meiner Frau die Touren unternommen, die z.T. großen Entfernungen legten wir mit dem Wasserflugzeug oder mit dem Boot (zwei Stunden von einer Siedlung zur nächsten) zurück.“ In der einfachen, aber komfortablen Lodge, in der Daniel Egger Unterkunft fand, gibt es Platz für maximal 16 Touristen, schließlich streben die hier lebenden Indianer eine Art „Ökotourismus“ an. Neben Grizzlys und Schwarzbären
ist die Küstenregion auch als letztes Rückzugsgebiet von Wölfen weltweit bekannt. „Oft musste ich stundenlang warten, bis ich ein Tier vor der Linse hatte“, erinnert sich der 35-Jährige zurück.
In Europa hat Daniel Egger neben der Bergwelt der Hohen Tauern inzwischen auch andere naturbelassene Gegenden als ideale Spielwiese für seine Landschafts- und Naturfotografie entdeckt, das Socatal und den Triglav-Nationalpark in Slowenien etwa oder die Plitvicer Seen in Kroatien. „Früher verbrachte ich meine Urlaube manchmal auch an einem Strand im Süden. Jetzt strebe ich als Fotograf Aktivurlaube an und habe dabei auch die faszinierenden Landschaften des Nordens für mich entdeckt.“ Im Juni 2014 war Island Daniel Eggers Reiseziel. „Im Sommer kann man dort, in der Zeit von etwa 20.00 bis 6.00 Uhr das ‚never ending light‘ erleben. Um Mitternacht verschwindet die Sonne für etwa zwei Stunden hinter dem Horizont. Zu dieser Zeit herrschen ideale Lichtverhältnisse zum Fotografieren vor, eine Stimmung ähnlich jener des Abendrotes in unseren Breiten“, erzählt der Osttiroler von der faszinierenden Insel zur Zeit der Mitternachtssonne.
Seen, in denen Eisbrocken schwimmen, so genannte „Gletscherlagunen“, hat er in Island auch abgelichtet. Daniel und seine Frau bereisten das Land mit einem Pickup Truck mit Campingaufbau. „Die Felsformationen, die Geysire, die heißen Quellen, die Wasserfälle und vor allem auch die großen Inlandsgletscher, die bis ins Meer reichen, stellen paradiesische Zustände für einen Naturfotografen wie mich dar“, so der Iseltaler. Im Visier seiner nächsten geplanten Reise steht übrigens das Polarlicht. „Beim Fotografieren arbeitet man auch an sich selbst. Ich hole mir immer wieder Inspirationen aus der Natur. Etwas vom Faszinierendsten ist es für mich, mit dem Element Wasser zu arbeiten. Ob flüssig, gefroren oder gasförmig, ob Wasserfälle, Regenbogen oder Nebel – mit Wasser kann man in der Natur- und Landschaftsfotografie sehr viel – auch Abstraktion – erreichen“, hält Daniel Egger abschließend fest.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Tauern Photos




