In Oberdrauburg kann man in die „Welt der Vögel“ eintauchen
Vanni Bianchi hat in der Oberkärntner Gemeinde eine alte Ruine zu einem faszinierenden Museum umgebaut. Mehr als 1.100 Exponate aus aller Welt sind zu sehen.
„Mit `Vanni’s Vogelwelt` habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt“, legt der gebürtige Italiener gleich zu Beginn des Besuches in seinem Museum direkt in Oberdrauburg begeistert los. Aufgewachsen in einem Ort in der Nähe der oberitalienischen Stadt Udine, waren Tiere schon immer Teil seines Lebens. Ab dem fünften Lebensjahr hielt Vanni selbst zuhause Vögel, die er in Volieren betreute. Später beschäftigte er sich mit der Ringkennzeichnung von Zugvögeln. „Ich habe die Tiere vorsichtig eingefangen, ihnen Ringe angepasst und sie dann wieder freigelassen, um ihre Flugrouten genauer erforschen zu können“, erinnert er sich zurück. Die Liebe zur Vogelwelt bestimmte auch seine Berufswahl: Seine Ausbildung zum Tierpräparator absolvierte der heute 55-Jährige bei verschiedenen Firmen in Italien. „Es hat für mich bis heute etwas sehr Faszinierendes, toten Vögel sprichwörtlich neues Leben einzuhauchen und sie, fachkundig präpariert, für die Nachwelt zu erhalten.“
Im Vogelmuseum in Oberdrauburg kann man sich jedes Exponat in Ruhe im Detail ansehen und von den unzähligen Gefiedermustern, Schattierungen, Kopf- und Schnabelformen der Tiere überraschen lassen. Hier wird schnell klar, dass Vögel faszinierende Wesen sind.
Beruflich war Vanni in den letzten Jahrzehnten viel unterwegs. Aufträge führten ihn quer durch Italien, nach Österreich, in die Schweiz und nach Frankreich. In Paris lernte er seine Frau Adriana Fausto, eine gebürtige Mexikanerin, kennen. Von Beruf Architektin, hat sie ihn bei der Renovierung des alten Stadels in Oberdrauburg und beim Aufbau des Museums wesentlich unterstützt. Die Entscheidung, den Lebensmittelpunkt ins Kärntner Oberdrauburg zu verlegen, fiel 2014: „Meine Frau hat im Internet ein Kaufobjekt gefunden. Das Haus gefiel uns, und so haben wir den Beschluss gefasst, uns nur 30 Kilometer entfernt vom Plöckenpass und 134 Kilometer entfernt von meinem Heimatort niederzulassen.“ In Oberdrauburg entdeckten die beiden auch den alten „Rainer-Stadel“, eine frühere Gerberei, den sie sanierten und mit viel Herzblut in ein Museum umwandelten.
Von Vögeln wie Wiedehopf, Gimpel, Lerche und Nachtigall bis hin zum Flamingo oder exotischen Papageienarten – in „Vanni’s Vogelwelt“ findet man in Nischen und Vitrinen so gut wie alle Vögel Mitteleuropas und viele Vertreter von Arten aus allen Kontinenten dieser Erde.
Im Parterre und im 1. Stock des rund 100 bis 150 Jahre alten Gebäudes können BesucherInnen heute über 1.100 verschiedene, fachkundig präparierte und präsentierte Vogel- und Tierexponate bewundern. Beschriftet in vier Sprachen und mit Hinweis auf das jeweilige Herkunftsland, öffnet sich hier Naturinteressierten ein unvergleichlicher Einblick in die Welt der Vögel. Wer z.B. nicht wusste, dass es auf dieser Erde mehr als 10.000 Vogelarten gibt, dass sich um das „Rotkehlchen“ eine Sage rankt, dass „Kasuare“ eine Gattung großer flugunfähiger Vögel aus der Gruppe der Laufvögel sind oder dass es sich beim brasilianischen „Dunkelsäger“ um eine seltene Entenart handelt, der wird hier eines Besseren belehrt. „Je mehr man über die Tiere und ihre Gewohnheiten weiß, desto lebendiger werden sie für den Betrachter“, meint Vanni Bianchi dazu. Sein umfangreiches Wissen, das er sich über Jahrzehnte angeeignet hat, gibt er gerne auf Anfrage im Rahmen von Führungen weiter.
Seit mehr als 30 Jahren schon sammelt der Vogel-Fachmann Exponate aus aller Welt. „Sie stellen einen wichtigen Teil der Kultur vieler Völker dar und repräsentieren das Naturerbe unserer Erde“, erklärt er die Philosophie, die hinter seiner Leidenschaft für Vögel steckt. Rund 90 Prozent der insgesamt weit über 2.500 Tiere, die Vanni neben dem Museum im oberen Drautal auch in Piacenza/Oberitalien (Museum Ornithologische FOI) zeigt, hat er selbst präpariert. Erhalten hat er die auf natürliche Weise gestorbenen Vögel von Tierparks, Zoos und Vogelhändlern. Den Rest kaufte er, bereits präpariert, aus alten Sammlungen an. Das älteste Präparat ist über 100 Jahre alt. „Ich will den Menschen zeigen, wie wunderbar vielfältig die Vogelwelt ist. Diese sollten wir pflegen, schützen und gerade bei Kindern und Jugendlichen das Bewusstsein für den Wert der Tierwelt schaffen“, betont der Oberdrauburger Museumsbesitzer abschließend und meint, dass er sich deshalb auch besonders über den Besuch von Schulklassen und Jugendgruppen freue. „Vanni’s Vogelwelt“ ist seit Anfang Mai wieder für Besucher geöffnet.
www.vannis-vogelwelt.at
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Martin Lugger












