Die vielstimmige Klangwelt des Hubert Waldner

Der Musiker, Komponist und Bandleader Hubert Waldner aus dem Kärntner Gailtal gehört seit Jahrzehnten zu den vielseitigsten Klanggestaltern Österreichs. Aktuell arbeitet er an der Musik für den Bergthriller „Dark Vertigo“.

Geboren 1953 in Mauthen und aufgewachsen am Berg hoch über dem Gailtal, war Hubert Waldner schon als Kind von Musik fasziniert. „Ich habe schon immer sehr sensibel auf Klänge und Töne reagiert“, erinnert er sich. Mundharmonikas, Maipfeiferln und die Ziehharmonika, die ihm sein Vater schenkte, gehörten zu seinen ersten Instrumenten. Gleichzeitig weckte der weite Blick nach Süden seine Neugier. „Ich habe mich als Bub oft gefragt, was hinter diesen Bergen liegt“, sagt Waldner. „Diese Neugier, die Lust auf Neues und das Fernweh haben mich eigentlich mein ganzes Leben begleitet.“

 

Hubert Waldner mit Wilfried im Jahr 1980

 

Mit 16 fiel die entscheidende Wahl für eine Querflöte in einem Villacher Schaufenster, die ihm sein Vater kaufte. Später kam das Saxophon hinzu – der Beginn einer musikalischen Reise, die ihn aus Kärnten nach Graz und Wien und schließlich bis in die USA führte. Nach der Matura begann Waldner in Wien ein Psychologiestudium – doch schon bald merkte er, dass seine eigentliche Leidenschaft woanders lag. Er wechselte an die Musikhochschule Graz, studierte Jazzarrangement, Komposition, Querflöte und Saxophon und schloss 1980 mit dem Magister artium ab.

 

Mit Wolfgang Ambros

 

Vier Semester an der University of North Texas (UNT) folgten, wo er 1982 den „Master in Music Education“ erhielt. Zurück in Österreich entwickelte sich der Kärntner rasch zu einem Musiker, der nicht in Schubladen passte: Jazz, Pop, Rock – seine Vielseitigkeit und sein handwerkliches Können machten ihn zu einem gefragten Multiinstrumentalisten und Arrangeur. Ab 1982 lebte Hubert Waldner in Wien, unterrichtete an einer AHS und als Lehrbeauftragter an der Wiener Musikhochschule.

 

Mit Christian Kolonovits, Andi Steirer und Georg Danzer

 

Parallel dazu begann seine Laufbahn als Bühnen- und Studiomusiker. Er arbeitete mit zahlreichen Größen der österreichischen Musikszene zusammen: S.T.S., Georg Danzer, Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Wilfried, Christian Kolonovits, Andy Baum, Kurt Ostbahn, Jazz Gitti, Boris Bukowski, Opus, Christina Stürmer – die Liste ließe sich lange fortsetzen. 1986 gründete Waldner die Pop-Jazz-Formation „Hypersax“, ein Ensemble, das sich rasch einen Ruf für seine energetischen Live-Auftritte und seinen genreübergreifenden Stil erarbeitete. Vier Alben erschienen, nationale wie internationale Auftritte folgten.

 

Mit „Hypersax“ am Donauinselfest 1992

 

„Hypersax“ verband Jazz mit Funk, Rock und Pop, ohne Scheu, elektronische Elemente einzubeziehen – eine Mischung, die zu jener Zeit ungewöhnlich war. Die Band wurde zum kreativen Labor Waldners und gleichzeitig zu einem Beispiel dafür, wie sehr er sich zwischen verschiedenen musikalischen Welten bewegte. Parallel dazu engagierte sich der Kärntner in anderen Projekten wie dem „Vienna School Act“ oder der Jazz-Rock-Formation „Collage Revival“.

 

 

Musik als Experimentierfeld – und als Ort der Freiheit. Waldner ist nicht nur Instrumentalist, sondern auch Komponist – mit einem besonderen Gespür für Atmosphäre. Seit rund zehn Jahren ist er jetzt verstärkt im Bereich der Fernseh- und Dokumentarfilmmusik tätig. Für den ORF komponierte er Musik für zahlreiche Produktionen, darunter „Land der Berge“- und „Heimat Österreich“-Sendungen über den Ötscher, die Karnischen Alpen und die Lienzer Dolomiten oder ein „Erlebnis Österreich“ über die Slow-Food-Bewegung mit Harald Krassnitzer.

 

Mit Harald Krassnitzer arbeitete Hubert Waldner für den ORF Kärnten an einer „Erlebnis Österreich“-Sendung über die Slow-Food-Bewegung.

 

Seine Musik bleibt nie bloß Hintergrund. Sie schafft Räume, in denen sich Bilder entfalten können. „Die Musik soll die Bilder nicht überwuchern. Sie muss unterstützen und darf nicht dominieren.“ Ein Prinzip, das sich durch seine gesamte Filmmusik-Arbeit zieht. Seit 2018 lebt Hubert Waldner mit seiner Familie wieder im Gailtal, in St. Daniel. Nach Jahrzehnten in Wien zog es ihn zurück in die Heimat, doch die Musik ließ ihn auch hier nicht los. In seinem kleinen Heimstudio arbeitet der heute 72-Jährige mit ungebrochener Leidenschaft an Filmmusikprojekten und neuen Kompositionen.

 

 

Waldner, Vater von drei Kindern aus zwei Ehen, beschreibt sich selbst als Familienmensch, der in der Kärntner Bergwelt tief verwurzelt ist. „Die Ruhe der Berge tut mir gut“, sagt er. „Sie gibt mir den Boden, die Kraft und die Freiheit, die ich für meine Arbeit brauche.“ Dass er im Laufe seiner Karriere mit dem „Goldenen Rathausmann“ (1996), dem Ehrenzeichen des Landes Kärnten (2015) und dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2018) ausgezeichnet wurde, sieht er als Anerkennung seines Weges.

 

Mit Nena beim Skiopening 2019 am Nassfeld

 

2023 veröffentlichte er seine erste CD, auf der er selbst singt und fast alle Instrumente eingespielt hat – ein sehr persönliches Projekt, das ihm kreative Freiheit gab. „Universe“ lautet der Titel, und der Name ist Programm: ein musikalisches Universum, das stilistisch offen ist, aber unverkennbar seine Handschrift trägt. 2025 sollte ein weiteres Experiment folgen: „Virtual Sensation“, sein Songbeitrag für den österreichischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Der Titel wurde nicht ausgewählt, doch Waldner sieht das sportlich: „Es war ein neues Experiment, bei dem ich viel gelernt habe – besonders durch die Zusammenarbeit mit dem Sänger, Songwriter und Produzenten Stephan Gleixner. Dass der Song vom Kennenlernen über digitale Plattformen handelt, hat für mich sogar einen persönlichen Bezug, denn meine zweite Frau habe ich online kennengelernt“, sagt er mit einem Schmunzeln.

 

Eng zusammen arbeitet Hubert Waldner derzeit mit dem Regisseur Giancarlo Soldi für den Bergthriller „Dark Vertigo“.

 

Aktuell arbeitet Hubert Waldner an einem Projekt, das perfekt zu seiner Biografie passt: „Dark Vertigo“, ein österreichisch-italienischer Psychothriller, der in Südtirol und Kärnten gedreht wird. Der Film erzählt von drei jungen Bergsteigern, deren Aufstieg auf einen unbegangenen Grat zu einem Ringen zwischen Realität und Wahnsinn wird. Mystisch, atmosphärisch, düster – ein Terrain, in dem Musik eine besondere Rolle spielt.

 

Thomas Prenn aus Toblach ist einer der drei Hauptdarsteller in „Dark Vertigo“.

 

In den Hauptrollen sind die Wiener Schauspielerin Zoe Straub, Thomas Prenn aus Toblach und Luca D’Antona aus Apulien zu sehen. Regie führt Giancarlo Soldi. „Giancarlo ist wie ich ein Jazzfan – und so befanden wir uns sofort auf der gleichen Welle. Die Musik soll melancholisch, geheimnisvoll und auch etwas bedrohlich wirken. Für mich fühlt sich das Projekt an wie eine Rückkehr: zu den Bergen, zu den Wurzeln, zu jener Landschaft, die mich als Kind geprägt hat.“ Der Kinostart ist für 2026 geplant.

 

 

Zurück in seiner Heimat im Oberkärntner Gailtal wirkt der Musiker, der so viel erlebt hat – mit Stars auf der Bühne, im Jazzclub, im Studio – so neugierig wie damals als Bub, der sich fragte, was hinter den Bergen liegt. Vielleicht ist es genau diese Neugier, die Hubert Waldners vielstimmigen Lebensweg prägt: der Blick über den Horizont hinaus.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: privat

18. Dezember 2025 um