Die Tresterer bitten in den Rauhnächten um Schutz

In der Zeit der Rauhnächte führen die Stuhlfeldener Tresterer ihren einzigartigen Sprungtanz auf, um „Reim“ (Glück und Segen) in die Häuser zu bringen.

Ein Mitglied bei den Tresterern zu sein, hat auch heute noch einen hohen Stellenwert, wie uns Günter Mayrhofer, Obmann der Brauchtumsgruppe Tresterer, bei einem Besuch in der Pinzgauer Gemeinde Stuhlfelden erzählt. Wenn am 6. Jänner – in der letzten Rauhnacht – die jungen und älteren Männer im Dorf unterwegs sind und in den Stuben der Bauernhöfe und Wirtshäuser ihre Tänze aufführen, dann liegt etwas Mythisches, etwas vom Erwachen der Natur im tiefsten Winter, etwas von der Verbindung mit der Geistwelt in der Luft.

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Über die Bedeutung dieses „Schönperchtenlaufes“ gehen die Meinungen auseinander. „Unser Tanz wird mit dem Hereinholen und Stampfen – also ,Trestern‘ – des Getreides in Verbindung gebracht. Der Boden und Acker soll in der Zeit, wenn die Tage wieder länger werden, geweckt werden“, versucht der Stuhlfeldener Tresterer-Obmann eine Annäherung. „An Friedn, an Gsund und an Reim!“ – so lautet der Spruch, mit dem sich die Vorpercht am Ende des Tanzes an die Bauersleute wendet und damit Glück,  Segen, Fruchtbarkeit für das neue Jahr sowie den Schutz für Haus und Hof wünscht.

Günter Mayrhofer, Obmann der Brauchtumsgruppe Tresterer Stuhlfelden

Günter Mayrhofer, Obmann der Brauchtumsgruppe Tresterer Stuhlfelden

Das Gewand des Tresterers besteht aus einem eng anliegenden Janker und einer Kniebundhose in den Farben Rot und Weiß. Der Stoff ist aus Goldbrokat gefertigt und soll die Pracht der Tresterer-Tracht hervorheben. Die Farbe Rot dürfte Blut und Abwehr, das Weiße im Gewand Reinheit und Gnade symbolisieren. Die goldenen Elemente stehen für die Sonne und das Licht. „Der edle Stoff und die Seidenbänder dürften in früherer Zeit über den Samerhandel aus Italien in den Pinzgau gebracht worden sein. Um die Hüfte trägt der Tresterer einen mit Federkielstickerei verzierten, breiten Ranzen. Das Tuch in der Hand ist ein Zeichen für Würde und nach altem Perchtenglauben mit magischen Kräften versehen.“ Günter Mayrhofer ist seit 27 Jahren bei den Tresterern mit dabei. Seit 2009 ist er Obmann des Vereins. Intensiv hat er sich mit den Hintergründen des uralten Brauches und den einzelnen Figuren befasst.

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Dem Hut des Tresterers – „Gainzl“ genannt – kommt eine besondere Bedeutung zu: „Die Bändermaske am Hut soll das Gesicht verdecken, die Hahnenfedern stehen für Stärke, in den angebrachten Spiegeln soll sich der böse Geist erkennen.“ Der Tresterer ist die Hauptfigur des Brauchtums. Zum Perchtengefolge gehört aber auch eine Schar weiterer Figuren. Die jüngsten Teilnehmer verkörpern die „Glockenbuben“. Sie sollen einerseits mit dem Läuten der Glocken die Tresterer ankündigen und andererseits die unter dem Schnee schlafende Natur aufwecken. Die jungen Burschen stellen die „Werch- und Zapfnmandln“ dar, die als Schutzbringer für die Waldarbeiter und den Forst gelten.

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„Lapp und Lappin“ führen die „Hobergoaß“ mit, sollen Kindersegen bringen und mit ihren Späßen für gute Stimmung sorgen. Die „Hex“ hat die Aufgabe, mit dem Besen das Schlechte des Vorjahres auszukehren, und der „Ölträger“ bietet allerlei wohlriechende Kräutertinkturen an. Die „Schiachperchten“ sehen auf den ersten Blick wie Krampusse aus. Ihnen kommt jedoch eine gänzlich andere Bedeutung zu als den dunklen Gesellen, die um den Nikolaustag im Alpenraum durch die Dörfer ziehen. „Die ,Schiachperchten‘ verkörpern bei uns die dunklen Seiten der Natur, also den kalten Winter oder auch Unwetter. Das leichte Streifen mit dem Rossschweif der Perchten soll die Menschen vor Unheil bewahren“, erklärt dazu Günter Mayrhofer.

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Wenn der Tresterer-Zug ein Haus erreicht, springt zunächst der „Hans-Wurst“ in die Stube, vertreibt die „Schiachperchten“ und bereitet mit seiner ledernen „Wurst“ den Tanzkreis für die Tresterer vor. Mit zwei Hieben schlägt er ein Kreuz – es steht für die vier Himmelsrichtungen – in den Boden. Nun kommt die „Vorpercht“ herein, um mit einer auffallenden Schrittfolge – „Hobler“ genannt – eine prächtige Einleitung zu bieten. Dann holt sie die übrigen Tresterer in die Stube, die mit dem „Trischlag“ – einer eigentümlichen Folge von Schritten, Sprüngen und Drehungen – beginnen. Das laute „Brrr“ der Vorpercht ist das Zeichen für die Musikanten, mit ihren B-Klarinetten den Tanz zu begleiten. Es folgt der „Spieltanz“. Schleichschritte, Stampfer, Hacker und Plattlschläge müssen haarscharf zur Musik passen. Je höher die Tresterer jetzt springen, desto höher wird das Getreide im nächsten Sommer wachsen, sagt man in Stuhlfelden.

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Mit dem „Aufhörer“ und einem ohne Musik getanzten „Trischlag“ endet der Tanz. Die Perchten verabschieden sich mit der Bitte um Glück und Segen für die Bauersleute, Fruchtbarkeit auf Äckern und Feldern sowie Schutz für Haus und Hof und ziehen zum nächsten Bauernhof weiter. In acht Stuben führen die Stuhlfeldener Tresterer jährlich ihren Tanz auf. Die letzte Station ist traditionell der Unterzehentnerhof in Pirtendorf. „Dort liegt auch die älteste Darstellung (Stich) dieses alten Brauches in unserem Dorf auf. Die erste schriftliche Überlieferung stammt laut Perchtenverbotsprotokollen aus dem Jahr 1650“, weiß der Obmann zu berichten. Ihm ist es wichtig, dieses uralte und echte Brauchtum zu leben und unverfälscht an die nächsten Generationen weiterzugeben. „Wenn man bei uns sagt, dass man Mitglied der Tresterer ist, dann hat das schon Bedeutung. Wir nehmen auch nicht jeden! Mir ist wichtig, dass v.a. die Jugend im Verein aktiv mitarbeitet und das ganze Jahr über auch bei unseren sonstigen Veranstaltungen und Aktivitäten kräftig anpackt.“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brauchtumsgruppe Tresterer, Osttirol heute/Mühlburger

25. Dezember 2015 um