Die „Tauernkogler“ stehen für Tradition und alpenländisches Brauchtum
Wenn die Mitglieder der Schuhplattler- und Volkstanzgruppe „Tauernkogler Mittersill“ auftreten, gewinnen Feste und andere Veranstaltungen eine besonders traditionelle und zünftige Note.
Schuhplatteln hat in Mittersill im Salzburger Pinzgau schon mehr als 100 Jahre Tradition. „Ein offizielles Gründungsdatum für unseren Verein ist nicht bekannt. Was wir wissen ist, dass Konens Henze bis 1937 die damalige Schuhplattlergruppe leitete. Die anschließenden Kriegsjahre waren für das Vereinsleben enorm schwierig, jedoch blieb das Schuhplatteln für Bauernburschen bei den damals ärmlichen Verhältnissen ein willkommener Zuverdienst“, erzählt Richard Lambitelli. 2019 hat der 27-Jährige die Leitung der Schuhplattler- und Volkstanzgruppe „Tauernkogler Mittersill“ übernommen.

„Tauernkogler Schuhplattler“ nannte sich die Gruppe 1949, als Lois Lindner Obmann war. „Lois leitete den Verein 30 Jahre lang und erfüllte ihn mit neuem Leben. 1979 ging diese Funktion an Karl Alphasamer über. Ihm gelang es, viele Kinder bereits im Volksschul-Alter zum Platteln zu motivieren. Einer davon war Hans Kröll, der 1990 Obmann wurde“, nennt Lambitelli, der an der LLA Weitau in St. Johann i. T. als Lehrer arbeitet, interessante Details aus der Geschichte des Vereins. In den 1990er-Jahren verlor die Bevölkerung zunehmend das Interesse am Schuhplatteln und Volkstanzen – die Anzahl der Auftritte der „Tauernkogler“ ging zurück. 2005 übernahm Mathias Steger das Ruder.
2019 hat Richard Lambitelli die Obmannschaft bei den „Tauernkoglern Mittersill“ übernommen.
„Mein Nachbar ließ das Platteln in Mittersill wieder stark aufleben, wobei den Volkstanz- und Plattlergruppen damals der Trend hin zu Trachten, Brauchtum und Volksmusik sehr entgegenkam. Horst Voithofer baute während seiner Obmannschaft (2015 bis 2019) die Gruppe aus und formierte sie neu. Von ihm habe ich die Leitung übernommen. Ich selbst bin erst relativ spät zu den ‚Tauernkoglern‘ gestoßen. Mir ist es wichtig, dass das alte Brauchtum erhalten bleibt, und so bin ich auch froh, dass mich mein Vorgänger Horst weiterhin unterstützt“, betont der Mittersiller.

Etwa 15 Aktive gehören den „Tauernkoglern“, die nach dem 2.988 Meter hohen markanten Gipfel am Felbertauern benannt sind, derzeit an. Mit den passiven Mitgliedern sind es rund 30. „Unsere Mädchen und Burschen kommen aus Mittersill, Stuhlfelden, Hollersbach und Uttendorf. Wir würden gerne auch Interessierte aus anderen Oberpinzgauer Gemeinden bei uns aufnehmen.“ Musik, Rhythmus und Klatschen – die „Tauernkogler“ verbindet die Freude am Platteln und Volkstanzen. Aktuell liegt das Alter der aktiven Mitglieder zwischen 16 und 40 Jahren.„Es gibt bei uns kein Alterslimit. Jeder kann mitmachen, solange er mag“, so Richard. Um perfekt platteln zu können braucht es einige Jahre. „Wir trainieren viel, wenn Auftritte anstehen sogar wöchentlich. Das Schuhplatteln erfordert eine gute Kondition. Um Auftakt und Hochschläge richtig ausführen zu können, ist Gelenkigkeit gefragt und für verschiedene Figuren Kraft notwendig.“

Bankerltanz, Holzhacker-Plattler, Figuren-Landler, Boarischer, Rheinländer, Auerhahn-Tanz und Müllner – mit ihren Tänzen verleihen die „Tauernkogler“ jedem Fest eine besondere Note. „Wir treten bei Platzkonzerten ebenso auf, wie bei Festen und Hochzeiten. Beim Jubiläumsfest der Weißbachler Schuhplattler in Saalfelden waren wir heuer ebenso im Einsatz wie beim Sommerfest in Prägraten am Großvenediger. Mit Plattler- und Volkstanzgruppen aus dem Pinzgau pflegen wir einen regen Austausch. Dies gilt auch für Osttiroler Gruppen, wie jene aus Matrei oder Prägraten. Aus unserem Netzwerk ergeben sich oft auch Auftritte im Ausland.“ Typisch für die „Tauernkogler Mittersill“ ist die schwarze „Zipfelhaube“ der Burschen. „Seit jeher haben die Plattler im Oberpinzgau eine solche Zipfelhaube getragen. Grund dafür dürfte sein, dass auch Holzknechte früher solche Hauben trugen“, so der Obmann.
Heuer wirkten die „Tauernkogler Mittersill“ auch beim Musikvideo „Wonn’s Kniedl hoglt” des Brambergers Hansjörg Voithofer mit.
Nach der schwierigen Corona-Zeit die Schuhplattler- und Volkstanzgruppe wieder neu durchstarten. „Wie andere Vereine auch waren wir in den letzten zwei Jahren durch die Pandemie stark eingebremst. Um wieder Schwung in unseren Verein zu bringen, suchen wir neue Mitglieder. Voraussetzung ist die Freude am Volkstanzen und Platteln, alles andere kann man bei uns lernen. Erfahrene Mitglieder wie Vorplattler Martin Steiner und Horst Voithofer helfen beim Einstieg gerne, und durch das regelmäßige Üben kehrt irgendwann bei jedem auch noch so schwierigen Tanz Routine ein. Das Schönste an unserem Verein sind die Leidenschaft für altes Brauchtum, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt“, ruft Richard Lambitelli abschließend auf, bei den „Tauernkoglern“ mitzutanzen und mitzuplatteln.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, Thomas Reitsamer








