Neues Buch: Gertraud Patterers „Die Schneiderkreitlärchen“

Die weitum bekannte und bereits wiederholt für ihr unermüdliches Schaffen ausgezeichnete Dichterin aus Dölsach hat 2021 ihr mittlerweile 28. Buch.

Das Vorwort zum Buch, das gleichzeitig auch den vierten Band der „Osttiroler Miniaturen“ darstellt, hat Univ.-Prof. Dr. Walter Methlagl verfasst. Er geht darin näher auf die verschiedenen Textformen Gertraud Patterers ein und erläutert auch interessante Zusammenhänge, etwa mit dem Schaffen des ebenfalls aus Dölsach stammenden Künstlers Franz von Defregger. Methlagl führt aus, dass sich die Autorin beispielsweise im Mundart-Gedicht „Franz von Defregger“ auf dessen Geburt im nahe gelegenen Stronach, auf den Beginn des kreativen Lebens dieses dauerhaft erfolgreichen Künstlers, auf sein schon in der Kindheit beginnendes, sensibles „Kritzeln“ von „Feinstem“ und „Grobem“ auf einer „Tafel“, auf seine Unfolgsamkeit gegenüber den „Leuten“ um ihn und auf sein „Tun, wie er will“ bezieht, das ihn „für Jahrhunderte“ und „so Gott will, für die Ewigkeit berühmt“ machte.

Es sei nicht zu übersehen, dass Defregger, wenn auch einige Generationen früher, 1835, als Sohn eines wohlhabenden Bauern auf dem Ederhof in Stronach geboren, seine Kindheit und Jugend (bis 1860) in unmittelbarer Nähe zum späteren und heutigen Heimatort Gertraud Patterers verbrachte. „Zu Defreggers ganz wenigen Werken mit religiösem Motiv zählt das Bild des linken Seiten-Altars in der Dölsacher Pfarrkirche St. Martin, das Gertraud Patterer natürlich seit ihrer Kindheit bekannt ist. Faszinierend ist dabei, dass der in ihrem Gedicht vollzogene Rückgang des Buben Defregger zum Kritzeln auf eine Tafel sich mutatis mutandis auch auf die Entstehung dieses Altarbilds beziehen lässt. Hinzu kommt, dass Defregger in späteren Jahren seine Genremalerei zum Teil auch in der unmittelbaren Umgebung von Dölsach und Stronach fortgesetzt hat – oft mit Alltagsszenen als Schilderung von Lebensformen der Bevölkerung  und ihrer landwirtschaftlichen Arbeits- und Wohnumgebung. Da zeigt sich doch eine deutliche thematische Vorwegnahme vieler von Gertraud Patterers ,Osttiroler Miniaturen‘. Viele der auch in diesem Band vorliegenden präsentieren eine sprachliche Genremalerei“, so Walter Methlagl, der bis 2001 als Leiter des Brenner-Archivs in Innsbruck tätig war.

Natürlich solle dies, wie er weiter meint, überhaupt nicht heißen, dass die Autorin Franz von Defregger „nachgeahmt“ habe. „So wie in den beiden vorigen Bänden sind auch hier die Texte in die Folge der Jahreszeiten eingefügt. Diese Zeit-Zuordnung tritt jedoch weitgehend zurück gegenüber der sehr selbstständigen Gestaltung der einzelnen Texte und ihrem, oftmals formell und inhaltlich widersprüchlichen Nebeneinander. Dieses ist vor allem durch das Erscheinen zahlreicher Texte in Osttiroler Mundart und deren Übertragungen in die Hochsprache vorgegeben.“ Das Hin und Her zwischen Mundart („Schreibn isch a Håndwerk“) und Hochsprache bringt Gertraud Patterer unter anderem im Aphorismus „Schreiben. Hochsprache ist glatt. Dialekt ist griffig“, zum Ausdruck.

Inhaltlich wechseln die Bezüge zu Blumen, Büschen, Bäumen, vor allem auch zu deren Blättern, Blüten und Früchten bis hin zu Wäldern einander ab. Viele davon werden persönlich angesprochen und von diesen oft „persönlich“ beantwortet. Auch Gesteine, Berge, Gewässer und Tiere erscheinen in solchen Zusammenhängen. Immer wieder kommen dabei die Strahlen der Sonne und des Mondes optisch zur Wirkung. Und diese bringen oft deutlich die Helligkeit und die Farben von Gegenständen in Erscheinung, aber auch akustisch die Hörbarkeit dieser wahrnehmbaren Dinge, wenn die Autorin etwa schreibt: „Schau das Laub, mit wie vielen Zungen es zu mir spricht.“ Zuweilen lässt Gertraud Patterer auch scharfe Kritik an der Zerstörung der natürlichen Umgebung und an der „gebauten Welt“ erkennen. Auch das Sterben ist immer wieder gegenwärtig.

Die Abfolge von zumeist ins Kleine und Kleinste reduzierten Gedichten und Aphorismen wird mehrfach von kurzen Erzählungen in Prosa, zumeist in Hochsprache, unterbrochen. Einige gehen zurück auf Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit und auf andere Erinnerungen aus ihrer Kindheit, die sie selbst als eine „schöne, freie“ bezeichnet. Weiters finden sich in Gertraud Patterers mittlerweile 28. Buch auch etwas längere, formal und inhaltlich selbstständige Novellen. So etwa „Vollmondnacht“, die Geschichte der offensichtlich dauerhaften Trennung einer Frau von ihrer Familie, womit der Band auch abschließt.

 

Das 95 Seiten umfassende Buch ist im Heyn-Verlag erschienen,
das Buchcover hat der Künstler Adi Holzer gestaltet.
„Die Schneiderkreitlärchen“ ist im gut sortierten Buchhandel
und bei der Autorin selbst erhältlich!

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: AdobeStock/Laura, © DinaMarinerPhoto

15. November 2021 um