Die Krapfenschnapper sind wieder unterwegs
Ein uralter Brauch erfährt im Bezirk Lienz eine Renaissance. Als Gegentrend zu Halloween wird in einigen Gegenden wie etwa in Schlaiten das Krapfenschnappen hoch gehalten.
Sie tragen weiße Hemden und Hüte, tragen seltsame Holztierköpfe auf Stangen, die sogenannten Schnapper, und sagen Jahr für Jahr brav ihren Spruch auf, um Süßigkeiten, ein paar Euro und manchmal auch einen Krapfen zu ergattern: die Krapfenschnapper aus Osttirol. Durch eine Schnur am Unterkiefer der Tierköpfe kann dieser bewegt werden, wodurch das typische Klappern zu hören ist. Das Krapfenschnappen geht vermutlich auf einen Heischebrauch (Heischen = Gaben erbitten) zurück.
Den 31. Oktober assoziieren die meisten Menschen heutzutage mit Halloween, doch im Alpenraum besinnt sich die Bevölkerung zunehmend wieder des alten Brauchtums des Krapfenschnappens, das bis vor wenigen Jahrzehnten in fast allen Gemeinden Osttirols und Teilen des Südtiroler Pustertales beheimatet war. In den 1950er-Jahren jedoch verschwand der Brauch und beschränkte sich hauptsächlich auf die Regionen Lienzer Talboden, Kals und Defereggental, wobei das Krapfenschnappen z.B. in St. Veit i.Def. „Grégeln“ genannt wird.
Am 31. Oktober um 16.00 Uhr starten etwa in Schlaiten wieder die Krapfenschnapper zu ihrer drei- bis vierstündigen Reise durchs Dorf. Etwa 12 bis 15 Burschen, die mindestens in die 2. Klasse Volksschule gehen müssen, sind dieses Jahr unterwegs, so Organisatorin Maria Gantschnig-Engeler, die vor einigen Jahren auf Wunsch des Altbürgermeisters den alten Brauch wieder aufleben ließ. „Die Hälfte des gesammelten Geldes bekommen die Krapfenschnapper selbst, die andere Hälfte geht an die Ministrantengruppe,“ erklärt Gantschnig-Engeler.
Text: Judith Goritschnig, Fotos: Gemeinde Schlaiten
