Die abenteuerliche Lebensreise eines Fliegenfischers und Weltenbummlers

Was mit eingelegten Heringen begann, führte Gottlieb Eder aus Uttendorf auf eine faszinierende Reise. Der begeisterte Fliegenfischer und Buchautor engagiert sich auch für den Erhalt des Ökosystems Wasser und dessen Artenreichtum.

Schon als kleiner Bub erkannte Gottlieb die Magie der Unterwasserwelt und deren Vielfalt. 1947 als Nachkriegskind in Zell am See geboren, wuchs er im elterlichen Grünlandbetrieb mit Milchvieh und Frühstückspension auf. Im Vorschulalter erkrankte er an Tuberkulose. Während der langwierigen und schmerzhaften Behandlung „fischte“ der kleine Bub zum Ausgleich im Dorfbach. „Mein Vater hatte heimlich eingelegte Heringe an den Haken gehängt, und so begann meine Karriere als jüngster Schwarzfischer der Region“, schmunzelt der Uttendorfer heute.

Gottlieb entwickelte durch diese Art der Freizeitbeschäftigung einen starken Bezug zur Natur und insbesondere zur Ökologie der nassen Lebensräume. „Den Streckgips und Knochenmarkentnahmen empfand ich zwar als Quälerei, aufgrund der mir ärztlich verordneten Bewegungstherapie genoss ich im Umfeld unseres landwirtschaftlichen Familienbetriebes aber eine gewisse Narrenfreiheit“, erzählt der Salzburger von Umständen, die ihn für sein Leben nachhaltig prägten.

 

 

Nach der Matura an der Höheren Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft in Ursprung und dem Präsenzdienst absolvierte Gottlieb die Ausbildung zum Pflichtschullehrer mit der Fächerkombination Biologie, Mathematik, Physik und Chemie. Als Lehrer an der Hauptschule Uttendorf realisierte er mit seinen Schülerinnen und Schülern in der Freizeit zahlreiche Arten-, Natur- und Umweltschutzprojekte – vom Unkenteich im Schulhof und dem Edelkrebsbesatz im Uttendorfer Badesee bis hin zum Schmetterlingslehrweg.

 

 

Auch für den Nationalpark Hohe Tauern arbeitete er an Projekten wie z.B. der Wasserschule mit und verfasste unter anderem auch Publikationen zur „Rückkehr der Urforelle“. Die mit diesen Projekten verbundene Öffentlichkeitsarbeit brachte ihn zum Schreiben. Bereits vorher begann er zu reisen. „Im Alter von 40 Jahren machte ich mich das erste Mal nach Alaska auf. Ich war fasziniert von der wilden Landschaft und den naturbelassenen Flüssen. Wir waren mit dem Schlauchboot unterwegs und übernachteten im Zelt. Der Fluss war voller Lachse, die sich in beeindruckenden Schwärmen stromaufwärts kämpften. Die unberührte Wildnis Alaskas faszinierte mich derart, dass es mich später immer wieder dorthin zog.“

 

Seine Abenteuer- und Reiselust führte den Oberpinzgauer in viele Teile dieser Erde, unter anderem mehrmals nach Alaska.

 

Insgesamt reiste Gottlieb fünf Mal nach Alaska. Weitere Reisen führten ihn nach Sibirien, Kasachstan, Jakutien und in die Mongolei – durchwegs Regionen, in denen er unberührte Fluss- und Seenlandschaften und die Herausforderungen des Fliegenfischens bzw. des Schlauchbootfahrens erlebte. Der Abenteurer aus dem Oberpinzgau tauchte und fischte auch im Roten Meer in Israel – und beteiligte sich an zahlreichen Höhlentouren. Zudem führte er Studienreisen und Exkursionen auf Inseln und in Wüsten durch – immer auf der Suche nach neuen Naturerlebnissen und Abenteuern.

Seine Erlebnisse als Fliegenfischer hat der umtriebige Pinzgauer 2009 im Buch „Abenteuer Fischen – von Alaska bis Sibirien“ zusammengefasst. Ein weiteres Buch, das den Titel „Schuppige Meilensteine“ trägt, beinhaltet dreißig autobiographische Geschichten, in denen sich Gottlieb Gedanken macht, wie das Ökosystem Wasser nachhaltig verfügbar bleiben kann.

 

 

In seinem Reise-Thriller „Fernweh mit Biss – Abenteuer Mongolei“ begab sich der pensionierte Lehrer in Zentralasien auf die Spuren der Nomaden, und in seinem Buch „Wildes Reisen“ berichtet der Weltenbummler, wie er in der Mongolei nach dem Kulturschock in der Hauptstadt Ulaanbaatar und getrieben von der Sehnsucht nach Naturerlebnissen plötzlich mutterseelenallein durch die Landschaft irrte und seine Körperfunktionen kaum noch aufrechterhalten konnte. „Meine Eingeweide waren dem bei einer Gastfamilie verzehrten fetten Hammelfleisch und den unbekannten Bakterien nicht gewachsen, und so habe ich auf dieser Reise an die 10 Kilo abgenommen.“

 

 

Gottlieb Eders Bücher zeichnen sich nicht nur durch seine Leidenschaft für das Fliegenfischen und für unverbaute Flusslandschaften aus, sondern auch durch seinen Sinn für Abenteuer und einen tiefen Respekt vor der Natur. Fast genau zu seinem 77. Geburtstag veröffentlichte der Pinzgauer Anfang Dezember 2024 sein zehntes Buch. In „Wilde Geschichten vom Fischen“ hat Gottlieb erstmals Erlebnisse seiner Fischerkollegen eingearbeitet und Fragen wie „Zur selben Zeit denselben Fisch gedrillt?“ oder „Beim Schwarzfischen erwischt oder nachts der teuren Ausrüstung beraubt?“ behandelt.

„So geht es eben zu, wenn echte Fischer inbrünstig ihrer Leidenschaft nachgehen. Zwischen Huchen und Lachsen, Hechten und Drachenkopffischen warten schließlich alle Fischer nur auf eines: auf den Fang ihres Lebens“, sagt er und betont, dass es ihm selbst längst nicht mehr um den Fang seines Lebens gehe. „Ob der Fisch groß oder klein ist, spielt für mich keine Rolle mehr. Während meiner wochenlangen Aufenthalte in der Wildnis habe ich ziemlich viel erlebt – auf der Suche nach echten Naturerlebnissen begegnete ich sogar einem Bären. Heute zählt für mich nicht  mehr der Erfolg am Haken, sondern allein die tiefe Verbundenheit mit und der Respekt vor der Natur sowie das Bewusstsein für den Schutz unserer Gewässer und ihrer Ökologie“, hält Gottlieb Eder abschließend fest.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

19. Dezember 2024 um