Diakon Michael Brugger: „Ein Neubeginn ist immer möglich!“
Diakon Michael Brugger ist in seine Heimat Osttirol zurückgekehrt und leitet seit 1. September 2022 den Seelsorgeraum Lienz-Süd.
Mit einem herzlichen Lachen empfängt mich Michael Brugger im Pfarrheim der Heiligen Familie und erzählt mir zunächst, dass er als Pflegekind von Alban und Maria Brugger am Brunnenweg in Lienz aufgewachsen ist. Nach der Matura am Lienzer Gymnasium und dem Bundesheer studierte er Theologie in Innsbruck, um anschließend ein Studium für Personal- und Organisationsentwicklung in Vorarlberg zu absolvieren.
„Ich hatte immer ein kritisches Verhältnis zu Autoritäten und Hierarchien und wollte deshalb eigentlich nie in der Kirche arbeiten. Ich habe jedoch die Kirche definitiv anders kennengelernt – als kooperativ, offen und weit“, berichtet der 42-Jährige. Michael kam ins Stubaital und absolvierte nebenbei die Ausbildung zum Diakon. Dort übte er 15 Jahre lang verschiedene Funktionen in der katholischen Kirche aus – vom Pastoralassistenten bis zum Leiter des Seelsorgeraums Stubai.
„Seelsorge und Unterricht waren immer meine zwei bevorzugten Schwerpunkte, wobei mir die Begleitung junger Menschen besonders am Herzen liegt. Mein Verständnis als Seelsorger ist es, von der Wiege bis zur Bahre für die Menschen da zu sein und ein Stück weit sprichwörtlich ‚den Himmel offen zu halten‘. Biografien haben mich immer schon fasziniert. Ich bin überzeugt, dass man bei jedem Menschen Spuren Gottes entdecken kann.“

Michaels Gattin Hanna ist die Tochter von Hans Hecht, der über 30 Jahre die evangelische Gemeinde in Lienz leitete. „Auch unsere vier Kinder wachsen mit dem evangelischen Glauben auf. Mir ist es ein großes Anliegen, nicht nur die Einheit aller Christen, sondern auch den Dialog mit allen Religionsgemeinschaften und vor allem auch mit Atheisten und Agnostikern zu fördern.“ Michael und Hanna entschieden sich im Vorjahr, in ihre alte Heimat Osttirol zurückzukehren. „Obwohl wir uns in Nordtirol äußerst wohl gefühlt haben, zog es uns wieder zu unseren Wurzeln und vor allem zu unseren Familien nach Lienz zurück.“
Michael übernahm am 1. September 2022 die Leitung des Seelsorgeraums Lienz-Süd, der die Pfarren Lavant, Tristach, Amlach, Leisach und Heilige Familie in Lienz umfasst. „In unserem Seelsorgeraum leben rund 6.500 Katholiken. Meine Hauptaufgabe ist die inhaltliche, strukturelle und personelle Leitung des Seelsorgeraums. Wo ist der Platz der Kirche? Wo können wir in der Gesellschaft positiv mitgestalten? Das sind für mich vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen die brennendsten Fragen.“

Seit 1. September 2023 unterrichtet Michael Brugger an der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz. „Das Arbeiten mit den Jugendlichen in der LLA gefällt mir gut, weil es sich um bodenständige und geerdete junge Menschen handelt. Der Internatsdienst ermöglicht mir einen ganzheitlichen Einblick in die Lebenswelt der jungen Menschen.“
Für das Schützenviertel Osttirol hat der Diakon die Funktion des Schützenkurats inne. „Auch in Nordtirol habe ich mich schon ein wenig in das Schützenwesen eingebracht. Mich faszinieren die gelebten Werte und die Kameradschaft der Schützen.“ Als ausgebildeter Feuerwehrmann war Michael früher Feuerwehr-Kurat für den Bezirk Innsbruck-Land. „Oft hat sich gezeigt, dass meine Kameraden geistliche Unterstützung benötigen. An den Feuerwehrleuten fasziniert mich, dass sie ständig ihr Bestes geben, um der Bevölkerung bei kleinen und großen Krisen zur Seite zu stehen. Nach meiner Rückkehr nach Osttirol darf ich nun langsam in die Funktion des Kurats der Stadtfeuerwehr Lienz hineinwachsen.“
Diakon Michael ist inzwischen weit über den Seelsorgeraum hinaus als begnadeter Prediger bekannt. „Das Predigen war schon immer meine große Leidenschaft. Mich fasziniert, was man mit Worten alles bewegen und wie man damit Menschen berühren kann. Die Worte aus der Schrift ‚Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund‘ haben für mich wirklich Symbolcharakter.“ Erholung findet der Lienzer vor allem in der Natur – beim Wandern und beim Skitourengehen. „Im letzten Sommer war ich am Iseltrail von Lienz bis zum Umbalkees in Prägraten unterwegs. Ich wandere am liebsten allein und bete auf meinen Wegen durch die Bergwelt auch viel.“

Abschließend möchte ich von Michael Brugger etwas über seine persönliche Beziehung zum Weihnachtsfest erfahren. „Ich empfinde Weihnachten als ein ambivalentes Fest – einerseits als das schönste, andererseits aber auch als das herausforderndste im Jahreskreis. Für diejenigen, denen es gut geht, markiert es ein glanzvolles Highlight zum Abschluss des Jahres. Im Kontrast dazu wird es für jene, die gerade eine schwere Zeit durchmachen müssen, zu einer belastenden Herausforderung. Für mich lautet vor diesem Hintergrund die Weihnachtsbotschaft deshalb so: Ein Neubeginn ist immer möglich!“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger