David Lama bei „Cerro Torre“-Premiere in Lienz

 

Bis auf den letzten Platz gefüllt waren drei Säle des Lienzer Kinos CineX am Freitag, 21. März 2014, bei der Premiere des Films „Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“.

In kürzester Zeit hat sich David Lama vom Wettkampfkletterer zu einem der besten Allroundalpinisten der Welt entwickelt. Gemeinsam mit seinem Seilpartner – dem Osttiroler Alpinisten Peter Ortner – schaffte er am 21. Jänner 2012 im dritten Anlauf das Unmögliche und bewältigte den „Cerro Torre“ in den patagonischen Anden als erster Mensch im Freikletterstil. Red Bull Media House hat über dieses aufsehenerregende Abenteuer einen 104 Minuten langen Film gedreht, der am 19. März 2014 in Wien geladenen Gästen und am Freitag, 21. März 2014, im Lienzer Kino CineX erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

David Lama, in letzter Zeit öfter in Osttirol, weil mit einer Kalserin liiert, wohnte der Premiere ebenso bei, wie sein Seilpartner Peter Ortner und der Kalser Bergführer Toni Ponholzer, der mit Bergführerkollege Markus Pucher aus Kärnten und Kameramann Lincoln Else über die Ferrari-Route zum Gipfel aufstieg. Der Film erzählt die Geschichte der Bezwingung des 3 133 Meter hohen Cerro Torre an der Südspitze Argentiniens. Der Osttiroler Toni Egger wollte die Granitnadel gemeinsam mit dem Italiener Cesare Maestri im Jahr 1959 erstmals besteigen, verunglückte jedoch im Abstieg tödlich. Die Kamera mit dem Gipfelfoto war verschwunden, und so entstand eines der größten Rätsel der Alpingeschichte. Cesari erzwang 1970 eine andere Route zum Gipfel, versenkte über 360 Haken im Fels und zog sich mit deren Hilfe zum Gipfel.

Markus Huber, Obmann der Alpenraute Lienz, überreicht den beiden Bergsteigern einen Hammer, der jenem von Toni Egger am Cerro Torre verwendeten nachempfunden ist.

Markus Huber, Obmann der Alpenraute Lienz, überreichte den beiden Bergsteigern einen Hammer, der jenem von Toni Egger am Cerro Torre verwendeten nachempfunden ist.

40 Jahre später will der junge Sportkletterer David Lama – 1990 als Sohn eines Nepalesen und einer Tirolerin in Innsbruck geboren – Maestris „Kompressorroute“ frei klettern, das heißt nur mit Hilfe der natürlichen Struktur des Felsens. Technische Hilfsmittel dienen nur der Sicherung des Kletterers bei einem Absturz. Der erste Anlauf scheitert und entfacht einen Sturm der Entrüstung, weil das Filmteam unter großem Aufwand die steile Wand mit noch mehr Haken und Fixseilen versehen hatte – auch Lama gerät vor allem im Internet in das Schussfeld der Kritik. 2011 gelingt Lama zusammen mit seinem neuen Seilpartner – Peter Ortner aus Nußdorf-Debant – unter schwierigen Bedingungen die hart erkämpfte Besteigung, jedoch nicht im Freikletterstil.

Als die beiden Kletterpartner im Jänner 2012 zum dritten Versuch ansetzen, entfernen zwei Amerikaner den Großteil der Haken aus der Wand, weil sie den Berg von „Maestris Bohrexzess“ reinigen wollen. Das Kamerateam kann nun nicht mehr vor den beiden auf den Gipfel steigen, um die Kletterei zu filmen, und Lama und Ortner fehlen wertvolle Sicherungen. Trotzdem gelingt David Lama am 12. Jänner 2012 die erstmalige Besteigung des Cerro Torre im Freikletterstil. Er, Peter Ortner und das Filmteam mit Toni Ponholzer, Markus Pucher und Lincoln Else jubeln auf dem Eisgipfel über die historische Meisterleistung – Peter Ortner ist beim Gipfelsieg im Film kurz splitternackt zu sehen.

Im nächsten Mai

Im kommenden Mai will David Lama gemeinsam mit seinem Seilpartner und Freund Peter Ortner eine 3 500 Meter hohe Wand am Masherbrum in Pakistan durchsteigen – eine ähnlich große Herausforderung wie die Besteigung des Cerro Torre im Freikletterstil.

Im heurigen Mai werden David Lama und Peter Ortner zu ihrem nächsten Abenteuer aufbrechen und versuchen, eine 3 500 Meter hohe Wand am Masherbrum (K 1) in Pakistan erstmals zu bezwingen. „Wir haben uns diese jungfräuliche Nordostwand im vorigen Jahr schon angeschaut und wollen sie heuer durchsteigen – ein anspruchsvolles Projekt mit ganz anderen Herausforderungen als am Cerro Torre“, sagte uns David Lama am Rande der Filmpremiere. Und Peter Ortner meinte dazu: „Die Wand am über 7 800 Meter hohen Maherbrum muss man sich so vorstellen, als ob man den Cerro Torre auf die Eiger Nordwand draufgesetzt hätte. Die 3 500 Meter zu bewältigen bedeutet eine große Herausforderung, von der Logistik und der Anstrengung her sowieso. Die Herausforderung von der Kletterkompetenz her schätze ich drei Mal größer ein wie jene, die für die freie Begehung des Cerro Torre notwendig war.“ Dokumentieren wollen die beiden Bergsteiger das Projekt am Masherbrum selbst, also wird bei dieser möglichen Erstbesteigung kein Filmteam mit dabei sein.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images

 

 

22. März 2014 um