Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Wenn sich Nadine Rud am Figerhof in Kals am Großglockner mit ihrer Norikerstute Basra beschäftigt, dann ist sie in ihrem Element – und glücklich.

Beim Thema „Pferd“ glänzen die Augen vieler weiblicher Wesen. Während sich Vertreter des männlichen Geschlechtes lieber mit „Pferdestärken“ – sprich Autos – auseinandersetzen, entscheiden
sich Mädchen und Frauen sehr oft für das Hobby Pferd. Die Faszination, die von den edlen Vierbeinern ausgeht, hat auch Nadine Rud aus Kals erfasst. Am Figerhof in Kals pflegt sie täglich die Tiere, mistet den Stall aus und hilft Bauer Philipp Jans auch sonst manchmal bei verschiedenen landwirtschaftlichen
Tätigkeiten. „Mit Pferden beschäftige ich mich, seit ich sieben Jahre alt bin. Es war immer schon mein Traum, einmal ein eigenes Pferd zu besitzen. 2013 ergab sich die Möglichkeit, dass ich Philipp ein Norikerfohlen abkaufen konnte.“ Seitdem investiert die 25-Jährige Osttirolerin sehr viel Zeit in Führ- und Vertrauensübungen mit ihrer Basra. „Auf dem Programm steht z.B. die Cavaletti-Arbeit, bei der sowohl die Muskulatur als auch das Herz-Kreislauf-System des Pferdes gekräftigt werden. Im Sommer ist Basra mit anderen Tieren auf der Alm. Dort unternehmen wir oft Bergwanderungen, was Norikerpferden besonders gut gefällt“, erzählt sie.

Das Engagement der jungen Kalserin in die Pferdezucht ist inzwischen längst von Erfolgen gekrönt: 2014 erreichte Nadines Norikerfohlen bei der Bezirksschau in Lienz den 4. Platz, etwas später konnte Basra auch bei der Dreiländerschau im Antholzertal überzeugen. Im Vorjahr durfte sich die Jungzüchterin aus Kals über den Titel der 2. Reservesiegerin bei der Landesschau in Innsbruck und damit auch über die Teilnahme an der Bundesjungstutenschau 2016 in Stadl Paura freuen. „Aus Tirol nahmen insgesamt nur acht Pferde teil. Basra erreichte den 9. Gesamtrang bei den 3-jährigen Jungstuten“, berichtet Nadine nicht ohne Stolz. Als bisher größten Erfolg wertet sie die Tatsache, dass ihr Pferd im Vorjahr bei der Stutbuchaufnahme in Lienz den 1. Platz belegte und damit als einziges mit der Zuchtklasse 1b bewertet wurde.

Der Name der Norikerpferde geht auf die einstige römische Provinz „Noricum“ zurück. Schriftlich dokumentiert sind Gestüte für Noriker seit dem 16. Jahrhundert. Die Zucht der Pferde lag damals in den Händen der Erzbischöfe von Salzburg. „Gute Trittsicherheit und Gleichgewichtssinn zeichnen diese Tiere aus. Sie sind für den Einsatz in Gebirgsregionen bestens geeignet. Heute werden Noriker nicht nur als Freizeitpartner geschätzt, sondern immer häufiger auch wieder als Zugpferd im Wald oder zum Pflügen am Feld eingesetzt. Nicht zuletzt überzeugen sie auch als perfekte Therapiepferde“, informiert Nadine.

An Norikerpferden schätzt die Jungzüchterin vor allem deren Charaktereigenschaften. „Vertrauenswürdigkeit und Gutmütigkeit sind typisch für diese Rasse. Die Tiere erreichen ein Gewicht von etwa 800 kg, nützen ihre körperliche Überlegenheit aber nie aus. Der Charakter ist gutmütig und grundehrlich. Basra zeigt mir zum Beispiel immer gleich an ihrem Verhalten, wenn sie einen schlechten Tag hat“, schmunzelt die gelernte Bürokauffrau, die im Winter bei einem Skiverleih arbeitet. In Kürze wird ihre Norikerstute vier Jahre alt. „Bei uns in Kals nimmt jeder Rücksicht auf die Pferde – egal ob man ausreitet oder mit der Pferdekutsche eine Ausfahrt unternimmt“, schwärmt sie.

Ihr zweites Hobby neben der Arbeit mit Basra ist ihr Hund – ein Siberian Husky. „Minou ist in der Freizeit immer an meiner Seite, auch wenn ich mit den Pferden arbeite. Beide täglich optimal zu versorgen, füllt den Großteil meiner Freizeit aus. Und ich kann mir auch kein schöneres Hobby vorstellen“, so die begeisterte Pferdezüchterin abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images

11. Februar 2017 um