„Club Osttirol in Wien“ beging sein 40-Jahr-Jubiläum feierlich
Rund 180 Personen nahmen an der Jubiläumsfeier am Samstag, 12. Oktober, im Josephinum – Medizinhistorisches Museum Wien teil. Das Programm umfasste unter anderem Redebeiträge und musikalische Darbietungen auf hohem Niveau.
Der „Verein der in Wien lebenden Osttiroler:innen“ hatte ein abwechslungsreiches und spannendes Programm für die Jubiläumsfeier zusammengestellt. Das Obfrauentrio – Lisa Unterweger aus Lienz, Heidi Reischitz aus Dölsach und Fabienne Steiner aus Prägraten – moderierte den Abend. Begrüßen konnte man auch Bürgermeister:innen von drei Osttiroler Gemeinden – Erika Rogl aus Kals am Großglockner, Bundesrat Markus Stotter aus Oberlienz und Vitus Monitzer aus St. Veit im Defereggental.

Ein Ensemble des Sinfonieorchesters Lienz eröffnete den Festakt. Unter der Leitung von Gerald Mair sorgte die Gruppe für den musikalischen Rahmen und brachte eine besonders festliche Stimmung in das historische Ambiente des Hörsaales.
Bundesminister Norbert Totschnig hatte den Ehrenschutz für die Feier übernommen. Seit seiner ersten Zeit in Wien ist er mit dem Verein in gutem Kontakt, erzählte der gebürtige Tristacher. Er war Gast bei Veranstaltungen und organisierte z.B. auch eine Führung durch die Wiener Hofreitschule. Bereits kurz nach seiner Berufung zum Minister lud er den Club Osttirol in das damals gerade neu renovierte Parlament ein.

Vertreter der beiden anderen Tirolervereine in Wien gratulierten in Grußworten dem Club Osttirol: Obmann Hannes Baumgartner und Vorstandsmitglied Heinz Wolf für den Tirolerbund sowie Präsident Julian M. Hadschieff und Vorstandsmitglied Peter Kunz für den Club Tirol.
Ein Blick ins Archiv zeigt, dass der Club Osttirol seit dem Jahr 2000 fast 300 Veranstaltungen organisiert oder Mitglieder daran teilgenommen haben. Heinz Kröll, langjähriger Obmann des Vereins, hatte die fast unlösbare Aufgabe übernommen, die lange Geschichte kurz zusammenzufassen. Einleitend brachte er seine persönlichen Gedanken zum Verhältnis der Wiener zu den Tirolern zum Ausdruck. Mit seiner pointierten Rede erntete er viele Lacher und viel Applaus.

Heinz Kröll berichtete von der Gründung des Vereins, von serienmäßigen Veranstaltungen, wie dem traditionellen Sommerheurigen, sowie den gemeinsamen Herbstausflügen mit dem Höhepunkt der dreitägigen Kulturreise nach Prag. Er erzählte vom jährlichen „Schlipfkrapfenseminar”, bei dem auch die „internationalen Verwandten“ der Osttiroler Schlipfkrapfen, wie kolumbianische Empanadas, ukrainische Pelmeni, japanische Gyozas und natürlich italienische Ravioli, zubereitet wurden.

Stolz wurden auch die „Erfindungen” des Vereins aufgezählt: die Austragung des Bisamberglaufs mit der Osttirolmeile oder das Weindörfl beim Lienzer Altstadtfest, das gemeinsam mit dem Lienzer Stadtmarketing realisiert wurde. Und Heinz Kröll verwies auch auf kulturelle Highlights – wie die Serie Künstlergespräche (bereits zu Gast in den Ateliers von 22 in Wien lebenden Künstlerinnen und Künstlern), die zwei Ausstellungen „hinundretour“ in der Spitalskirche in Lienz und im ehemaligen Postamt, die in Zusammenarbeit mit der der Stadtkultur Lienz veranstaltet wurden. Die umfangreichste Organisation erforderte das „Simon von Stampfer Symposium“ an der Technischen Universität in Wien.
Robert Wolf
Da im bebilderten Schnelldurchlauf nur ein kleiner Teil der aktiven Vorstandsmitglieder erwähnt werden konnte, wurden die Obleute des Vereins noch einmal genannt: Gründungsobmann war Georg Huber aus Lienz, erster Schriftführer Fritz Hanser (Thal). Dann leitete Bernhard Degischer (Lienz) über 20 Jahre lang den Club Osttirol. Heinz Kröll (St. Veit i. D.), Margarete Philipp (Matrei) und Peter Niederbacher folgten an der Vereinsspitze. Aktuell wird der Verein vom Obfrauentrio Lisa Unterweger aus Lienz, Heidi Reischitz, geborene Holzer, aus Dölsach und Fabienne Steiner aus Prägraten a.G. geführt.
v.l.n.r.: Obfrau Heidi Reischitz, Bundesminister Norbert Totschnig, Obfrau Lisa Unterweger, Obfrau Fabienne Steiner
Johanna Brückl aus Matrei war Stellvertreterin von vier Obmännern. Längst dienender Funktionär ist Herbert Tegischer aus St. Jakob i. D., der seit 37 Jahren das Amt des Schriftführers innehat. Schon lange Zeit Mitglieder des Vorstandes sind Klaus Wilhelmer (Patriasdorf), Hans Peter Degischer (St. Jakob i. D.) und Wolfgang Kutzelnig (Lienz).
Elsbeth Wallnöfer
Das Logo des Vereins stammt vom Grafikdesigner Valentin Wurnitsch aus Virgen. Sein bekanntestes Logo ist das Tigerauge als Markenzeichen für den Tiergarten Schönbrunn. Das für das Jubiläum entworfene ergänzende Logo „Lienz/Wien“ gestaltete der Künstler Martin Tiefenthaler aus Matrei. Er war Professor für Typographie an der Grafischen in Wien.
Wanda Furtschegger
Einen literarischen Beitrag steuerte Wanda Furtschegger bei. Originell beschrieb sie die ersten Eindrücke beim Einfahren einer U-Bahn in die Station und humorvoll ihre Zusammentreffen mit verschiedenen Wiener Typen. Einen Blick auf Osttirol und seine Bewohner wagte die Volkskundlerin und Autorin Elsbeth Wallnöfer – und zwar aus der Sicht einer Südtirolerin. Sie skizzierte auch die Figur des „Salontiroler“, also einem Nichttiroler, der sich als Tiroler verkleidet. In die Welt hinausgetragen wurde das Bild des Salontirolers durch die Gemälde des Malers Franz von Defregger. So folgerte die renommierte Volkskundlerin: „Die Vorbilder für die Salontiroler in aller Welt waren die Osttiroler!”
Stefan Verra
Für den Körpersprache-Experten Stefan Verra aus Lienz war es ein Heimspiel, vor seinen Landsleuten aufzutreten. Mit der Frage „Spricht dein Körper osttirolerisch?“ startete Verra. Mit seinem quirligen Auftritt brachte er augenblicklich eine lockere, lustige Stimmung in den Saal. Sein Vortrag war gespickt mit guten Tipps für eine erfolgreichere Begegnung mit dem Gegenüber, dazu gab es amüsante praktische Übungen.

Die Mitglieder des Ensembles des Sinfonieorchesters waren extra aus Lienz angereist. Dirigent Gerald Mair aus Dölsach wurde zum neuen Geschäftsführer des Symphonieorchesters Vorarlberg bestellt. Am 1. November wird er dort den Dienst antreten. Dennoch nahm er sich die Zeit für den Auftritt beim Jubelfest des Club Osttirol in Wien.
Vinzent Nussbaumer
Singersongwriter Vinzent Nussbaumer sang zwei selbst komponierte Lieder, nur mir seiner Gitarre begleitet. Gänsehautfeeling beim Song, den er im Gedenken an seinen vor acht Jahren in den USA verstorbenen Vater Herbert Nussbaumer geschrieben hat, da rollten wohl einige Tränen aus den Augen der vielen anwesenden Freunde des Lienzer Kunstfotografen. Eine treue Wegbegleiterin des Club Osttirol ist die Künstlerfamilie Wolf aus Lienz. Robert war Soloflötist der Wiener Symphoniker und Mitglied des Concentus Musicus, Tochter Agnes ist eine gefragte Konzertpianistin und unterrichtet an der Wiener Musikuniversität. Robert Wolf spielte auf der Flöte und wurde von Agnes Wolf am Klavier begleitet.

Das opulente zweistündige Programm beendete das Ensemble des Sinfonieorchsters Lienz mit dem Schlussmarsch „Wien bleibt Wien“. Julius Deutschbauer, Österreichs prominentester zeitgenössische Plakatkünstler, trat zu späterer Stunde mit einer Lese-Performance in Erscheinung.

Wegen der zahlreichen Gäste war sowohl in den Räumen der Bibliothek als auch im Festsaal ein Buffet aufgebaut. Stefan Obkircher vom Binterhof in Virgen verköstigte die Gäste mit Osttiroler Schmankerln. Den Wein steuerte Michaela Putz, geb. Unterguggenberger, aus Nußdorf-Debant mit Wurzeln nach Prägraten bei. Michaela zog der Liebe wegen ins Weinviertel und keltert in Kollnbrunn mit ihrem Mann Leo feine Bioweine. Das vereinseigene Musiktrio begleitete den Festausklang mit Volksmusik.

Text: Redaktion, Fotos: Club Osttirol/Helmut Weixselbraun