Kurt Wallensteiner baut mit viel Geschick Langbögen

In einer kleinen Werkstatt im Keller seines Hauses in Debant stellt Kurt Wallensteiner Bögen her, die hohe handwerkliche Qualität und beste Wurfeigenschaften auszeichnen.

„Mit dem Bogenschießen habe ich vor rund 30 Jahren begonnen“, erinnert sich Kurt Wallensteiner zurück. Heute übt er das Bogenschießen als Mitglied des HSV Lienz aus. Von Beruf Maschinenbau-Werkmeister, führten ihn die Liebe zum Bogensport und das Interesse für den Werkstoff Holz irgendwann dazu, sich selbst an die Herstellung eines Langbogens heranzuwagen. Zu Beginn baute er die laminierten Langbögen nur für sich selbst, für seine Frau Sonja und seine Kinder Martin und Anna. Bald weckten seine Spitzenprodukte aber auch das Interesse anderer Bogensport-Fans. Inzwischen haben Bogenschützen mit den in Debant gefertigten Sportgeräten längst schon Europa- und  Weltmeistertitel errungen.

„Als Trägermaterial verwende ich fast ausschließlich Bambus, der sich durch eine besondere Leichtigkeit und Elastizität auszeichnet“, informiert der 52-Jährige. Als weitere Details seiner Arbeit erwähnt er die Einarbeitung von zwei Schichten Karbon unter das Zierfurnier bzw. von zwei Lagen Fiberglas in die Deckschicht. Im Mittelteil des Bogens setzt der begeisterte Handwerker auf hartes „Panzerholz“ – ein fein laminiertes Kunstharzpressholz. „Dieses Material ist sehr schwer und  verwindungsfest“, erklärt er. Der Griffteil hingegen bestehe meist aus Edelhölzern, wie z.B. Ebenholz. „Auf Wunsch baue ich auch Zusatzgewichte in den Griff ein, mit dem Vorteil, dass der Bogen dann ruhiger in der Hand liegt.“

An den Wurfarmenden bringt Kurt so genannte „Tipps“ an. „So lässt sich der Bogen an den Enden entsprechend verstärken, um Sehnen aus Hochleistungsgarn verwenden zu können. Zum Abschluss wird alles mit Epoxidharz verklebt, bevor das Werkstück zwei Stunden lang in einer Presse bei 70 Grad ausgehärtet wird.“ Wer nun glaubt, dass ein Bogen damit schon fertig ist, irrt. „Jetzt fängt die Arbeit
eigentlich erst richtig an“, hält Kurt fest. Der Bogen wird nun „getillert“, was bedeutet, dass er in seine endgültige Biegeform gebracht wird. „Dieser Arbeitsschritt erfordert sehr viel Präzision. Der obere Wurfarm muss ein wenig schwächer sein als der untere, um einen möglichst perfekten Pfeilflug zu ermöglichen. Danach erfolgen der Feinschliff und die Lackierung“, erklärt der Bogenbau-Spezialist
die finalen Produktionsschritte.

Unzählige Arbeitsstunden setzt der Debanter für einen Bogen ein, bis zu zehn Stück verlassen pro Jahr
seine kleine Werkstatt. „Ich stimme meine Bögen immer auch auf die Anatomie und die individuellen Wünsche des jeweiligen Schützen exakt ab. Faktoren wie die Körpergröße oder die Arm- und Auszugslänge sind dabei besonders zu berücksichtigen.“ Neben laminierten Langbögen stellt der
Bogenbauer aus Nußdorf-Debant auch Griffstücke für Recurvebögen, Hard- und Software-Tools für Bogen- und Pfeiltests sowie Messer und Köcher her. Pfeile in verschiedenen Spleiß-Variationen werden von ihm angefertigt, repariert und veredelt.

Längst ist das anfängliche Hobby zu einer richtigen Leidenschaft geworden. Unzählige Stunden verbringt der Osttiroler in seiner kleinen Werkstatt und tüftelt an Vorrichtungen zur Optimierung der einzelnen Arbeitsschritte. Sogar eine kleine CNC-Fräse hat sich Kurt Wallensteiner selbst gebaut. „Beim Bogenbau kann ich mein Faible für alles Technische kreativ und innovativ ausleben. Besonders
freue ich mich, wenn mit den von mir angefertigten Bögen Erfolge bei Wettkämpfen erzielt werden. Der Weltmeistertitel von Alfred Mühlburger im vergangenen Jahr war natürlich ein ganz besonderes
Highlight“, erzählt er uns zum Abschluss unseres Besuches freudestrahlend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

10. Februar 2018 um