„Bildungslockdown“: Jugendrotkreuz Tirol hilft SchülerInnen bei Lerndefiziten
Damit sich die Bildungsschere wieder schließen kann: Mit der Lernbegleitung hilft das Jugendrotkreuz auch Schülerinnen und Schülern in Osttirol.
Vielen Tiroler SchülerInnen droht der endgültige Bildungslockdown. Durch die lange Zeit ohne Präsenzunterricht spitzt sich die schulische Lage von Kindern dramatisch zu. Das Tiroler Jugendrotkreuz hilft nun mit zielgerichteten, effizienten Unterstützungsangeboten, um die schulische Gleichbehandlung wiederherzustellen. Unter dem Titel „Lernbegleitung“ wurden in den letzten Wochen die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen, um Defizite, die durch die Schulschließungen entstanden sind, niederschwellig aufholen zu können.
„Die Lernbetreuerin kümmert sich im Einzelsetting oder in Kleingruppen in Absprache mit der Klassenlehrerin um Schülerinnen und Schüler, die aktuell Hilfe brauchen. Dass manchmal sogar wenige Stunden reichen, zeigt das Beispiel eines Jungen, der nach wenigen Einheiten gemeint hat, dass er Mathe nun wieder könne“, so Maria Bürgler, Direktorin der Volksschule Lienz-Nord und Bezirksleiterin des Jugendrotkreuzes in Osttirol.
„Wir setzen dabei auf bewährte Konzepte aus der seit über 15 Jahren erfolgreich laufenden Lernhilfe und wissen, dass der Einzelunterricht oder der Unterricht in Kleinst- und Kleingruppen am effizientesten ist. Gerade jetzt, wo SchülerInnen, die zu Hause wenig bis gar keine Unterstützung erhalten, immer noch mehr in Rückstand geraten, ist es wichtig, die Hilfe konzentriert auf diese Schülergruppe zu lenken und das zu bieten, was sie dringend brauchen – eine Lernbegleiterin, einen Lernbegleiter, der für ihre Fragen und Anliegen da ist“, Werner Mayr und Bettina Ellinger, LandesleiterInnen des Jugendrotkreuzes Tirol.
Stunden für SchülerInnenbetreuung
Konkret wird mit einzelnen SchülerInnen oder in Kleingruppen der Unterrichtsstoff aufgearbeitet, der nicht verstanden oder zu wenig geübt wurde. Damit werden die LehrerInnen, aber auch die Eltern entlastet und gleichzeitig individuelle Rückstände behoben, sodass sich die Bildungsschere wieder schließen kann. Alles dies passiert in Übereinstimmung mit den Verordnungen im Kampf gegen die Covid-Pandemie.
„Oft verstehe ich nur ein Wort nicht, und auch die Übersetzungshilfen im Internet bringen keine tollen Ergebnisse. Wenn es meine Lernbegleiterin erklärt, dann geht plötzlich alles ganz einfach“, berichtet Perdita, ein 14-jähriges Mädchen, das erst seit zwei Jahren in Österreich lebt und – vor den Lockdowns durchaus erfolgreich – versucht hat, den Abschluss der Mittelklasse zu erreichen.
„Die Kinder brauchen den sozialen Kontakt nicht nur untereinander, sondern auch mit den Lehrpersonen. Wir haben neben dem Unterricht auch über Probleme gesprochen, die die Kinder einfach jemandem anvertrauen wollen – auch das ist Lernen“, meint Brigitte Mayr, eine Lernbegleiterin in Reutte. Die Lernprogramme werden vom Bundeskanzleramt, dem Bildungsministerium im Zuge der Weiterlernen-Ferienlernhilfe, dem Bereich Integration des Landes Tirol und dem Jugendrotkreuz finanziert.
Ob im Home Office oder in der Schule – bisher über 1.700 SchülerInnen erreicht
„Obwohl dieses Angebot erst wenige Wochen alt ist, konnten wir damit bereits über 100 Schulen und 1.700 SchülerInnen erreichen“, berichten die Landesleiter des Tiroler Jugendrotkreuzes stolz. „Der Bedarf an Lernbegleitung wird uns direkt von den Schulen übermittelt, die LehrerInnen empfehlen den Eltern das Lernprogramm, und schon kann die Unterstützung professionell und unkompliziert starten. Denn Chancengleichheit und Bildung für alle sind uns im Tiroler Jugendrotkreuz wichtige Anliegen!“
Text: Redaktion, Foto: Jugendrotkreuz Tirol/Wolfgang Egger