Auf den Spuren der legendären „Kuenz Buam“
Mit einer seit mehr als 75 Jahren ununterbrochenen musikalischen Kontinuität gehören die „Kuenz Buam“ zu den traditionsreichsten Ensembles in Osttirol.
Hoch oben über dem Iseltal liegt auf 1.243 Metern Seehöhe der Weiler Oberleibnig, eine Fraktion der Gemeinde St. Johann im Walde. In einem der Bauernhöfe der kleinen Ortschaft wuchsen in der Zwischenkriegszeit die Gründer der legendären Musikformation „Kuenz Buam“, Hans und Jörg Wibmer, auf. Schon als Kinder entdeckten die beiden ihre Liebe zur Musik: Eine Gitarre gehörte zum elterlichen Haushalt, Hans spielte auf einer Mundharmonika und Jörg erhielt von seinem Firmpaten eine Ziehharmonika geschenkt. Die Winter in den Osttiroler Bergen waren lang, und mit Musik konnte man schon damals für Stimmung und Unterhaltung sorgen. Die Brüder – beide Autodidakten – begannen immer öfter, gemeinsam zu musizieren und schließlich auch bei Hochzeiten, Gungln und in den Gasthöfen bzw. den Schutzhütten der näheren Umgebung aufzutreten. Mit ihrer ursprünglichen, herzlichen Art bedurften sie keiner Show, um die Leute zu unterhalten. Abwechselnd in der Besetzung mit Hackbrett und Ziehharmonika bzw. mit zwei Ziehharmonikas setzten sie mit ihrer Interpretation bekannter Stücke und Liedtexte ganz eigene, neue Maßstäbe und brachten den Menschen die Volksmusik näher. Wesentlichen Anteil am typischen „Kuenz Buam“-Stil hatte ihr Gesang, wobei vor allem Jörg mit seiner leichten, sehr hohen Stimmlage überzeugte. Später – inzwischen waren die beiden selbst Familienväter mit insgesamt 23 Kindern – zog es die „Kuenz Buam“ zu Auftritten in andere Teile Österreichs, nach Bayern, Luxemberg und Südtirol. Zu Hause musizierten sie natürlich auch in der Gaststube des Melcher-Wirts in Oberleibnig, den Hans, inzwischen Bauer am Melcher-Hof, führte. Die Liebe zur Musik gaben die „Kuenz Buam“ an ihre Kinder und später Enkelkinder weiter. Bis zu ihrem Tod – Jörg verstarb mit 67 und Hans mit 64 Jahren – pflegten sie das gemeinsame Musizieren und unterhielten Menschen aus nah und fern bei verschiedensten Anlässen.
So kannten viele die „Kuenz Buam“, die mit ihrer herzlichen Art, ihrem Humor und ihrer Musik zu begeistern wussten. Auf dem Bild neben Jörg (rechts außen) und Hans Wibmer (Mitte) auch Josef Ortner aus Lienz, der das Duo manchmal auf der Gitarre begleitete.
Heute, etwa 75 Jahre nach den ersten Auftritten der legendären Kuenz-Baum, beweisen ihre Nachfahren, dass die Musik der Familie Wibmer einfach im Blut liegt. Zu fünft als „Oberleibniger“ oder zu dritt als „Kuenz Buam“ haben sich auch Josef und Georg (Söhne von Hans), Peter und Paul (Söhne von Jörg) sowie Martin (Enkel von Hans) der echten Volksmusik verschrieben. „Wir brauchen keinen Schnick-Schnack, keine aufwändige Technik, keine Verstärker. Auspackn` und spieln` ist unser Motto“, betont Martin Wibmer, seit 2008 auch engagierter Kapellmeister der MK St. Johann i.W. Er spielt im Ensemble abwechselnd die Basstrompete oder die Bassgeige und berichtet, dass in der erweiterten instrumentalen Besetzung auch der Unterschied zu den ursprünglichen „Kuenz Buam“ liege. „Wir spielen die gleichen Stücke, besetzungsbedingt klingt es aber etwas anders. Es ist und bleibt aber echte Volksmusik!“, ist es ihm wichtig, festzuhalten. Heute sei diese Form der Musik, die in der Region verankert ist und eine lange Tradition hat, auch bei der Jugend wieder beliebt. „Es gibt viele junge Gruppen, die im Stil von Hans und Jörg musizieren und die echte Volksmusik pflegen.
Damals wie heute sorgen Mitglieder der Familie Wibmer aus Oberleibnig/St. Johann mit ihrer ungekünstelten Volksmusik für ein ganz besonderes Genusserlebnis. Die „Kuenz Buam“ heute (im Bild in der fünfköpfigen Besetzung als „Oberleibniger“) v.l.n.r.: Josef, Peter, Georg, Martin und Paul Wibmer
„Die „Oberleibniger“ und die „Kuenz Buam“ treten – wie ihre Vorfahren – vor allem bei Familienfeiern, Geburtstagen, Jubiläen, in Gasthöfen oder auf Schutzhütten in Osttirol, aber auch weit darüber hinaus auf. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen eine Reise nach Monaco, wo sie über Vermittlung des Hüttenwirtes der Schoberhütte im Marriott-Hotel vor einer illustren Gästeschar ihre Musikstücke zum Besten gaben. Inzwischen steht übrigens auch schon die nächste Generation in den sprichwörtlichen Startlöchern, wie Martin Wibmer abschließend berichtet. Auch die Kinder von Josef, Georg, Peter und Martin bleiben der Familientradition treu und beweisen mit dem Erlernen bzw. Pefektionieren verschiedenster Instrumente das familieneigene „Gespür“ für die Musik.
Text: E. Hilgartner, Fotos: privat/Expa Groder
