Andreas Ulbrich – der Puppenspieler aus dem Mölltal

Die meisten seiner Stücke schreibt Andreas Ulbrich aus Winklern selbst. Derzeit tritt er vor allem mit „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen auf.

Andreas Ulbrich, Jahrgang 1959, stammt aus Berlin und ist seit Ende der 1980er-Jahre Puppenspieler. 2003 zog er mit seiner Frau Verena nach Winklern. „Ein altes Haus hatte unser Interesse geweckt. Wir konnten es nach und nach renovieren und leben mit unseren beiden Söhnen seit nunmehr 20 Jahren sehr gerne hier im Mölltal“, erzählt er. In der früheren DDR hat Andreas zunächst den Beruf Lokomotivschlosser erlernt. Später machte er sein Abitur im technischen Bereich und war von 1984 bis 1987 als Lehrer für Deutsch und Geschichte tätig.

 

 

„Schon während meiner Lehrzeit habe ich in der Berliner Staatsoper als Kleindarsteller gearbeitet und so meine Liebe zum Theater entdeckt. Über Co-Produktionen kam ich in Kontakt mit Puppenspielern – und das hat mich fasziniert.“ Nach dem Mauerfall gründete Andreas im Jahr 1990 in Berlin sein eigenes Theater – den „Prenzlkasper“. „Zuerst war der Prenzlkasper ein mobiles Theater, ab 1999 gab es dann eine eigene Spielstätte am Prenzlauer Berg mit 100 Sitzplätzen. Niemand hat es für möglich gehalten, dass ein Kasperltheater in Berlin funktioniert. Aber bereits bei der Eröffnung konnten wir uns über ein volles Haus freuen. Bis zum Jahr 2011 habe ich das Theater selbst und dann später gemeinsam mit Kollegen geführt. Viele Jahre bin ich regelmäßig nach Berlin gependelt, um dort zu spielen.“

 

 

2003 inszenierte Andreas in Berlin den „Faust“ als Figurentheater. „Die Faust-Saga gehört seit dem 16. Jahrhundert zu den am weitesten verbreiteten Stoffen der europäischen Literatur. Goethe hat ‚Faust‘ als Kind im Puppentheater gesehen und den Stoff später auf einem sehr hohen Niveau bearbeitet. 1808 erschien sein ‚Faust. Der Tragödie erster Teil‘.“

 

 

Andreas schreibt die meisten seiner Stücke selbst. „Bei Kinderstücken arbeite ich nicht nach vorbereiteten Texten, sondern entwickle sie vielmehr per Improvisation so lange weiter, bis alles eine Form hat, die mir gefällt. Bei den Erwachsenenstücken verwende ich ein Textkonzept, improvisiere aber auch hier sehr viel“, sagt er und erklärt, dass er selbst im Bereich Puppenbau kein Talent habe. „Ich konnte aber im Ehepaar Höhne gute Partner finden. Außerdem ist mir meine Frau Verena, eine ausgebildete Restauratorin, in Sachen Kulisse und Kleidung sehr behilflich.“

 

 

Hugo von Hofmannsthals Bühnenklassiker „Jedermann“ hat Andreas 2020 als Figurentheater inszeniert und damit am 3. Juli 2021 im Tirolerhof in Dölsach Premiere gefeiert. „Das Mysterienspiel ist dem Kasperltheater sehr ähnlich“, hält er fest. „Das Kasperltheater gab es bis vor etwa hundert Jahren nur für Erwachsene. Mit der Konkurrenz durch den aufkommenden Kinobetrieb spielten die Puppenspieler dann aber auch für Kinder.“

 

 

In Österreich, Süddeutschland und Südtirol tritt Andreas Ulbrich heute mit seinen Puppen in Schulen, Kindergärten, bei öffentlichen Veranstaltungen und Festen auf. Aktuell begeistert er sein junges und älteres Publikum insbesondere mit Hans Christian Andersens Klassiker „Des Kaisers neue Kleider“. In Sachen Musik arbeitet der Mölltaler mit Wolfgang Unterlercher aus Klagenfurt zusammen. Seit rund 20 Jahren gestaltet er mit seinen Puppen und Figuren auch Filme und betreibt dazu auf YouTube einen Kanal.

 

 

„Puppenspielen ist für mich Live-Unterhaltung mit sehr einfachen Mitteln. Natürlich haben die Stücke bei Kindern auch einen gewissen erzieherischen Wert. Und wie beim ,Faust‘ oder beim ,Jedermann‘ kann ich als Puppenspieler natürlich auch stark emotional berühren und zum Nachdenken anregen.“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann

15. Mai 2023 um