Am Mentlis-Hof dreht sich alles um die Schafzucht
Mario Waldner ist ein begeisterter Schafzüchter. Mit seiner Leidenschaft ist er aber nicht allein – auch seine Frau Daria und die drei Töchter helfen gerne im Stall und auf der Alm mit.
Der Familienzusammenhalt ist sicherlich einer der Erfolgsfaktoren, die dazu geführt haben, dass die Tiroler Bergschafe vom Mentlis-Hof bei Prämierungen und Ausstellungen immer wieder ganz oben auf dem Siegerpodest zu finden sind.
Hoch über der Matreier Ortschaft Moos liegt der Mentlis-Hof. Wer hier herauf kommt, dem eröffnet sich ein herrlicher Blick ins Isel- und Tauerntal sowie auf das Ortszentrum der Marktgemeinde Matrei i.O. Der Bergbauernhof ist die Heimat von Familie Waldner. Gemeinsam widmen sich Mario und Daria der Landwirtschaft mit Schwerpunkt Viehhaltung und Viehzucht. 130 Schafe, 20 Rinder und 20 Ziegenkitze nennen sie ihr Eigen.
Die Begeisterung für die Landwirtschaft teilen die beiden mit ihren drei Töchtern. Die Zwillingsschwestern Claudia und Stefanie, 19 Jahre jung, und die 16-jährige Michelle sind praktisch mit den Tieren am Hof aufgewachsen. Papa Mario war erst 18 Jahre alt, als er den Bergbauernhof übernahm. „Mein Vater Peterpaul starb mit 33 Jahren an einer Krankheit, und mein Bruder Reinhard, der eigentliche Hoferbe, verunglückte bei einem Autounfall“, berichtet er von tragischen Ereignissen in seiner Familiengeschichte. Früher war der Mentlis-Hof mit seiner exponierten Lage nur per Seilbahn erreichbar, heute ist er durch einen Fahrweg erschlossen. Mario und Daria haben auf 1.250 Meter Seehöhe nicht nur ein neues Wohnhaus errichtet, sondern auch das Stallgebäude aufwendig um- und ausgebaut.
Die Zucht von Tiroler Bergschafen ist seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten die große Leidenschaft der Waldners. „Zuchtschafe benötigen eine intensive Betreuung. Mehrmals jährlich stehen Termine wie Versteigerungen, Ausstellungen oder Herdebuch-Aufnahmen an. Den Großteil unserer Schafe setzen wir über Versteigerungen ab, den Rest verkaufen wir als Schlachttiere“, gibt Mario einen ersten Einblick in den Arbeitsalltag.
Jeden Tag – morgens wie abends – müssen die Schafe gefüttert werden. Im Frühjahr und im Herbst werden die Tiere geschoren. Nachwuchs gibt es das ganze Jahr über. Eine Ausnahme bildet der Sommer, wenn die Schafe auf der Alm sind. Damit es während dieser Zeit zu keinen Geburten kommt, wird der Widder von Ende Dezember bis Ende März getrennt von den Muttertieren gehalten. Seine Frau Daria nennt Mario eine ideale Geburtshelferin. „Sie ist in allen Fragen rund um die Geburt sehr versiert. Ihr Gespür für die Tiere ist einzigartig”, sagt er. Die Klauenpflege und das Räudebad sind weitere Arbeiten, die rund um die Schafzucht anfallen. „Im Sommer kontrollieren wir ein- bis zweimal pro Woche, ob es den Tieren auf der Alm auch gut geht. Unser Hund Caro leistet dabei gute Dienste“, wirft Daria ein.
Es sei etwas sehr Schönes, sich mit der Schafzucht zu beschäftigen und die Tiere bei verschiedenen Veranstaltungen präsentieren zu können, bestätigen beide unisono. „Wir freuen uns, wenn wir bei Bewerben im oberen Feld mitmischen können. Auszeichnungen sehen wir als Bestätigung dafür, dass wir das, was wir tun, auch richtig machen“, meint Mario. „Preise entschädigen auch für die viele Arbeit und zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Die Rasse des Tiroler Bergschafes beschreibt Mario so: „Reinweiß im mittleren Rahmen mit geramstem Kopf und hängenden Ohren, ausreichend Stirn- und Kopfbewollung und einem gut ausgeprägten Mutterinstinkt. Durch seine Trittsicherheit eignet es sich besonders gut für die Almwirtschaft. Mir gefallen diese weißen Schafe auch optisch besser als andere Rassen.“ Zum Abschluss unseres Besuches auf dem Mentlis- Hof sprechen die Waldners aber auch noch einen negativen Aspekt an, der sich zuletzt rund um die Thematik „Almwirtschaft“ ergeben hat. Es geht um die Diskussion rund um die Wiederansiedlung bzw. die Bejagung von Beutegreifern. „Wir sind gegen die Wiederansiedlung des Wolfes. Schafzucht, wie wir sie betreiben, wäre kaum mehr möglich, sollte der Wolf in unserer Region wieder angesiedelt werden.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Privat



