Am „Weißsamstag“ tritt in Virgen der Opferwidder auf

Nach einem alten Ritual wird das Opfertier dreimal um den Hochaltar der Kirche in Obermauern geführt. Danach wird der Widder  auf dem Kirchplatz öffentlich verlost.

Am ersten Samstag nach Ostern pilgern die Bewohner von Virgen und Prägraten alljährlich mit einem prächtig geschmückten Widder zur Wallfahrtskirche Maria Schnee. Dort wird ein Dankgottesdienst gefeiert und der Widder nach einem alten Ritual dreimal um den Hochaltar geführt. Das Brauchtum gründet sich auf ein Verlöbnis aus dem 17. Jahrhundert. Um von der Pest verschont bzw. erlöst zu werden, haben die Virger und Prägratner damals eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder zur rund 45 Kilometer entfernten Wallfahrtskirche Maria Lavant versprochen.

Seit 1920 wird der „Lauantwidder“, wie das Opfertier umgangssprachlich genannt wird, nicht mehr nach Lavant südlich von Lienz, sondern in den Virger Ortsteil Obermauern zur Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ geführt. Wurde das Tier in früherer Zeit nach der Messe versteigert, entscheidet heutzutage das Los über den künftigen Besitzer. Der Gewinn aus dem Losverkauf kommt den Pfarrgemeinden von Prägraten und Virgen zugute.

Der weiße Widder wird ein Jahr nicht geschoren, in den Tagen vor dem Opfergang mehrmals gebadet und gekämmt und am „Weißsonntag" mit Bändern und Blumen herausgeputzt.

Der  Widder wird ein Jahr lang nicht geschoren, in den Tagen vor dem Opfergang mehrmals gebadet und am „Weißsamstag“ mit Bändern und Blumen herausgeputzt.

Jedes Jahr übernimmt ein anderer Ortsteil der zwei Gemeinden die Pflege und Haltung des Widders. Heuer kommt der „Lauantwidder“ vom Hof der Familie Martina und Peter Wibmer im Virger Ortsteils Mellitz. Der weiße, gehörnte Steinschafwidder wird ein Jahr lang nicht geschoren und muss in den Tagen vor dem Opfergang mehrmals gebadet und gekämmt werden. Am „Weißsamstag“ wird er mit Blumen und Bändern herausgeputzt und zur Pfarrkirche in Virgen gebracht. Von dort führt die Bittprozession zur Wallfahrtskirche Maria Schnee. Dort treffen die Begleiter des Widders auf die Wallfahrer aus Prägraten und feiern gemeinsam einen Dankgottesdienst.

Treffpunkt ist am Samstag, 26. April 2014, um 8.15 Uhr, bei der Pfarrkirche St. Virgil in Virgen. Nach der Prozession findet um 9.00 Uhr der Dankgottesdienst in der Wallfahrtskirche von Obermauern statt. Danach wird der Opferwidder verlost.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Holzer

16. April 2014 um