Aguntum: Aufschlussreiche Grabungssaison 2012
Die 2010 begonnen Ausgrabungen am Forum wurden heuer fortgesetzt – bis zu 25 Studenten und Mitarbeiter von 2.7. bis 14.8. in Aguntum mit Grabungsarbeiten beschäftigt.
„Das Forum war ein etwa 3 000m² großer Baukomplex im Zentrum von Aguntum. Da hier die einzige römische Stadt auf Tiroler Boden inklusive Südtirol stand, war die Platzanlage zugleich die bedeutendste Platzanlage Tirols in der Römerzeit“, erklärt Grabungsleiter Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler, der gemeinsam mit drei GrabungstechnikerInnen und 18 AbsolventInnen und StudentInnen der Universität Innsbruck sowie MitarbeiterInnen aus Basel und München bereits im dritten Sommer archäologische Grabungen am Forum durchführen. Hauptziel der Grabungen 2012 war die Freilegung und Dokumentation des Ostflügels und Teilen des Nordflügels des Forums. „Das Forum besaß im Osten eine Länge von fast 57 Metern, hier lagen etwa acht gleichgroße Räume nebeneinander. In der Mitte dominierte ein etwa dreimal so großer Raum. Diese Räume grenzten an einen großen Platz im Westen, der von einer breiten Säulenhalle umgeben war“, berichtet Tschurtschenthaler über die wichtigsten Erkenntnisse. Die kleineren Räume waren verputzt, verfügten über Lehmböden und so genannte Nischenöfen – kleine Feuerstellen, auf denen Holzkohle verbrannt wurde. „Der große Raum in der Mitte war als einziger nicht direkt vom Umgang zu betreten, Klienten mussten über zwei Vorzimmer eintreten. Es dürfte sich wohl um den Sitz wichtiger Persönlichkeiten gehandelt haben, möglicherweise war dies der Amtsraum der beiden Bürgermeister von Aguntum“, sagt Tschurtschenthaler. Im Norden befand sich eine große Halle mit fast 300m² Grundfläche. „Hier handelt es sich möglicherweise um ein Gerichtsgebäude (Basilika) oder den Sitzungssaal der rund 100 Gemeinderäte von Aguntum“, vermutet der Grabungsleiter.
Bis zu 25 StudentInnen und WissenschaftlerInnen waren seit 2. Juli in Aguntum mit Grabungsarbeiten beschäftigt.
„Für die Universität Innsbruck entstehen jährliche Kosten für die Grabungen von 100.000 Euro, unser Verein beteiligt sich mit 10.000 Euro“, erklärt Dr. Leo Gomig, Obmann des Vereins Curatorium pro Agunto. Für die Sanierung der Mauern müssen bis zu 20.000 Euro pro Jahr aufgewendet werden. „Drei Lienzer Firmen haben heuer 10.400 Euro von den Aushubkosten übernommen, und die Landesgedächtnisstiftung hat jeweils 10.000 Euro für heuer und nächstes Jahr zugesagt“, freut sich Gomig über zusätzliche Gelder für Aguntum.
Im heurigen Jahr konnten auch viele prächtige Funde geborgen werden – unter anderem ein Silberring in Form einer Schlange, zwei Bronzeringe mit eingesetzten Gemmen, Kleiderspangen, ein Ohrlöffelchen zum Reinigen der Ohren, Öllampen, Glasgefäße, römische Münzen, Bergkristalle und Teile eines Marmoraltars. „Diese Funde werden in der Restaurierwerkstatt des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck restauriert und anschließend im Museum von Aguntum ausgestellt. Die archäologischen Ausgrabungen in Aguntum sollen 2013 und in den Folgejahren in den Bereichen Forum/Hauptplatz, Basilika/Gerichtsgebäude und der frühchristlichen Bischofskirche fortgesetzt werden. Außerdem erfolgt die wissenschaftliche Bearbeitung und Publikation des Atriumhauses und des Macellums.
Text und Fotos: Raimund Mühlburger
