Aero Club Toblach: Hoch über den Dolomiten beginnt die Freiheit

Mitten in Toblach befindet sich der höchstgelegene Flugplatz Italiens. Der Aero Club Toblach darf den Militärflugplatz der italienischen Luftwaffe an Wochenenden und Feiertagen für die zivile Sportfliegerei nutzen.

Bei einem Rundgang über das Gelände erzählt uns Präsident Manfred Lanzinger von diesem außergewöhnlichen Flugplatz, der Faszination des Fliegens und der starken Gemeinschaft im Verein. „Es ist etwas ganz Besonderes, hier zu fliegen. Der Flugplatz liegt auf 1.230 Metern Seehöhe und gilt als höchstgelegener Italiens. Diese Kulisse mitten im UNESCO-Weltnaturerbe der Dolomiten, mit Blick auf die Drei Zinnen und die faszinierende Bergwelt des Hochpustertals, ist einzigartig und für jeden Piloten ein Traum“, schwärmt der Präsident.

 

Präsident Manfred Lanzinger mit seiner Partnerin Daniela Vanin

 

Der Grasflugplatz befindet sich im Eigentum der Aeronautica Militare, der italienischen Luftwaffe. Von April bis Oktober hat der Aero Club die Erlaubnis, den Platz an Freitagnachmittagen, Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen mitzubenutzen. Die Start- und Landebahn verläuft in Ost-West-Richtung und misst rund 800 Meter in der Länge und 50 Meter in der Breite. Die Clubmitglieder kümmern sich um viele Aufgaben am Flugplatz: „Wir mähen die Piste, betreuen die Windsäcke und übernehmen die Instandhaltung. Das funktioniert nur, weil alle zusammenhelfen.“

 

 

Aktuell zählt der Aero Club Toblach 42 Pilotinnen und Piloten, darunter auch zwei Frauen. Eine von ihnen ist Daniela Vanin, die Partnerin des Präsidenten. Zum Verein gehören insgesamt 21 Fluggeräte – von Ultraleichtflugzeugen über Motorflugzeuge bis hin zu Hubschraubern und einem Tragschrauber. Auch größere sechs- und zehnsitzige Maschinen, darunter eine Pilatus, prägen den Flugbetrieb.

Die Begeisterung fürs Fliegen verbindet die Mitglieder weit über Alters- und Landesgrenzen hinweg. Die Pilotinnen und Piloten kommen nicht nur aus dem Pustertal, sondern aus ganz Italien und den Nachbarländern. Das jüngste Mitglied des Vereins ist erst 23 Jahre alt.

 

 

„Das Gemeinschaftsgefühl ist uns enorm wichtig. Jeder übernimmt Aufgaben, jeder bringt sich ein. Man hilft sich gegenseitig und tauscht Erfahrungen aus“, erzählt Manfred Lanzinger, der seit 14 Jahren an der Spitze des Vereins steht. Die Leidenschaft fürs Fliegen begleitet ihn allerdings schon wesentlich länger. „Angefangen hat alles mit dem Gleitschirmfliegen. Ich nahm an italienischen Meisterschaften teil und bot Tandemflüge an, bevor ich später zum Motorflug wechselte“, berichtet er. Im Brotberuf betreibt Lanzinger ein Zeichenbüro. Seine Partnerin führt das Hotel Chasca Living – mitten in Toblach und nur wenige Schritte vom Flugplatz entfernt.

 

 

Die Geschichte des Flugplatzes reicht weit zurück. Bereits im Ersten Weltkrieg befand sich im Raum Toblach ein Flugfeld der k.u.k. Luftfahrtruppen, das zeitweise auch von bayerischen Fliegereinheiten genutzt wurde. Immer wieder landet hier auch prominenter Besuch: So verbringt Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella regelmäßig seinen Sommerurlaub im Hochpustertal, das er – von Bozen kommend – mit dem Hubschrauber erreicht. „Der Schwiegersohn des Staatspräsidenten ist sogar Mitglied in unserem Club“, freut sich Manfred Lanzinger.

 

 

Besonders eng arbeitet der Aero Club Toblach mit den Frecce Tricolori, der berühmten Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe, zusammen. Die „dreifarbigen Pfeile“ gelten als eine der bekanntesten Kunstflugstaffeln Europas. Gemeinsam mit der Luftwaffe organisiert der Aero Club regelmäßig auch Veranstaltungen und Feste. 2026 steht ein besonderes Jubiläum an: Die Luftwaffe feiert in Toblach ihr 60-jähriges Bestehen. Geplant sind Vorführungen, Modellflugshows und ein großes Herbstfest. „Der Reinerlös der Veranstaltung soll der Krebshilfe Hochpustertal zugute kommen“, so der Präsident.

„Der Flugplatz in Toblach verbindet Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen. Genau diese Gemeinschaft und die Faszination fürs Fliegen machen unseren Aero Club Toblach auch so besonders“, meint der begeisterte Pilot abschließend.

 

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Christof Gaggl

19. Juni 2026 um