30 Jahre „Anras Brass”: Von der Leichtigkeit des Seins

1992 haben fünf Osttiroler Musiker das Ensemble „Anras Brass“ gegründet. Das 30-Jahr-Jubiläum wird am 17. Juni gemeinsam mit den Gruppen „Waldauf³“ und „Titlà“ in Anras gefeiert.

Wilfried Kollreider, Johann Fronthaler, Martin Gietl, Roland Fuchs und Josef Troyer gründeten 1992 das Blechbläserensemble „Anras Brass“, das sich inzwischen längst schon zu einem Aushängeschild der Osttiroler Bläserszene entwickelt hat. Im Laufe der Zeit stießen weitere Musiker hinzu. Erweitert um zwei Gitarristen und eine Sängerin, tritt man heute auch als „Anras Brass Sessionband“ auf.

„Seinen Ausgang hat alles vor 30 Jahren bei einem Workshop der ,Haller Stadtpfeifer‘ mit Hannes Buchegger in Anras genommen. Wir waren von dieser Art von Musik so begeistert, dass wir beschlossen, ein Quintett zu gründen“, informiert Wilfried Kollreider, der von Beginn an als Obmann des Ensembles fungiert und die Trompete und das Flügelhorn spielt. Neben ihm wirken heute bei „Anras Brass“ Johann Fronthaler (Trompete, Flügelhorn, Piccolo), Martin Gietl (Horn, Gesang, Conferencier), Roland Fuchs (Posaune, Basstrompete, Gesang, Komponist, Arrangeur), Erich Pitterl (Trompete, Flügelhorn, Posaune, Conferencier), Christian Kollreider (Tuba, Kassier) und Matthias Mascher (Drums, Technik) mit.

„Anras Brass“ gehört, ebenso wie das „Barockensemble Anras“ und die „Lumpm Brass“, dem vor einigen Jahren ins Leben gerufenen „Verein zur Förderung der Ensemblemusik“ an. Die Musiker sind größtenteils dieselben und haben alle ihre Wurzeln in Anras. „Das schweißt natürlich extrem zusammen“, lässt der „Anras Brass“-Obmann wissen. Er berichtet davon, dass man allein im ersten Jahr des Bestehens über 60 Mal geprobt habe. „Mit unserer Musik wollten wir immer schon unterhalten und den Besucher*innen einen vergnüglichen Abend bieten, sodass sie fernab des Alltags die Leichtigkeit des Seins genießen können. Am Anfang hatten unsere Konzerte nicht selten Kabarettcharakter“, schmunzelt er und erzählt, dass kurze Sketche auch heute noch Teil des Programms sind.

 

 

Das Ensemble „Anras Brass“ spannt den musikalischen Bogen von Klassik und Barock über Jazz, Blues & Swing bis hin zu Rock und Pop-Elementen. Im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte haben die Musiker immer wieder Neues ausprobiert und hinzugefügt. „Wir spielen allesamt aus Freude an der Musik. Jeder hat seine Aufgabe, die den jeweiligen Fähigkeiten entspricht, und nutzt seine individuellen Netzwerke. Wichtig für den Zusammenhalt sind auch unsere gemeinsamen Ziele. Ich glaube, dass in der Gesamtheit dieser Faktoren das Geheimnis unseres Erfolges liegt.“ „Anras Brass“ und die „Session Band“ treten nicht nur bei Konzerten, sondern auch bei verschiedenen Feierlichkeiten, Hochzeiten, Ausstellungseröffnungen und sonstigen Veranstaltungen auf.

1998 haben die Musiker aus dem Osttiroler Pustertal ihre erste CD mit dem Titel „Jazz, Blues & Swing on Brass“ aufgenommen. Später folgten das Album „Ins gfollt’s“ und die Live-CD „I feel good“. An der CD zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2017 wirkten Inge Prader und Alfons Haider mit. Wilfried Kollreider erinnert sich gerne an die Zusammenarbeit mit der Fotografin und mit dem TV-Moderator zurück. „Die Präsentation von Praders Buch ,Wie schmeckt Osttirol‘ in Wien durften wir musikalisch umrahmen. Inge hat das Coverfoto für unsere neue CD beigesteuert, und aus Gesprächen mit ihr ist auch der Titel ,Aus purer Luscht‘ entstanden. Ähnlich inspirierend war der Kontakt mit Alfons Haider. Beim nächtlichen Besuch eines Wiener Würstlstandes entstand die Idee, gemeinsam ein Lied aufzunehmen – das Ergebnis war die Nummer ,Mack the knife‘.“

 

 

Anlässlich des Jubiläums „1250 Jahre Anras“ im Jahr 2019 brachte „Anras Brass“ gemeinsam mit dem Kirchenchor Anras, dem „Anraser Saitenklang“, dem Männerchor Anras und den Sternsingern die Jubiläums-CD „Weihnacht in Osttirol“ heraus. Bei der Präsentation der CD in Wien sprach der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi besinnliche Texte. Er hat familiäre Wurzeln in Anras.

Alljährlicher Höhepunkt ist ein Open Air-Konzert in Anras, das coronabedingt 2020 und 2021 entfiel. „Die Auftrittsmöglichkeiten waren in den letzten beiden Jahren im Allgemeinen stark reduziert. Trotzdem konnten wir einige Male zeigen, dass wir als Ensemble auch eine Begräbnisfeier mit getragener Musik würdevoll gestalten können“, so der Obmann. In einem neuen Genre, nämlich der Volksmusik, haben sich die Anraser Musiker im Herbst 2021 bei der Gestaltung einer „Heimatleuchten“-Sendung von ServusTV aus Osttirol versucht.

„In den drei Jahrzehnten unseres Bestehens haben wir weit über 1.000 Auftritte absolviert. Heute proben wir zwar unregelmäßig, aber zumeist einmal pro Woche. Wir treffen uns keineswegs nur wegen der Musik, sondern genießen die gemeinsame Zeit als Kollegen, die sich sehr gut kennen. Schließlich haben wir alle als Jugendliche mit ungefähr 20 Jahren bei ,Anras Brass‘ angefangen. Natürlich hat sich seit damals viel verändert. Wir haben uns musikalisch weiterentwickelt und sind älter geworden. Das Feuer und die Leidenschaft für gute Musik und Blechinstrumente brennen in uns aber genauso stark wie vor 30 Jahren“, so Wilfried Kollreider abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images

13. April 2022 um