„Volldampf“ – Erste große Ausstellung des TAP
In seiner ersten großen Schau zeigt das Tirol Archiv Photographie ab 29. Mai 2013 die Geschichte der historischen Pustertalbahn von 1869 bis 1918 in Bildern. Das seit 2011 in Lienz und Bruneck tätige und als Interreg-IV-Projekt finanzierte Tirol Archiv Photographie (TAP) will durch Sammlung von historischen Aufnahmen sowie durch das Zeigen von künstlerischem Bildmaterial den geschichtsträchtigen Raum Osttirol und Südtiroler Pustertal verbinden. In seiner ersten großen Ausstellung widmet sich das TAP der Geschichte der Pustertalbahn von der Bauzeit 1869/71 bis zum Ende des I. Weltkrieges – schwerpunktmäßig durch das Lichtbild gesehen. Vereins-Obmann Dr. Richard Piock, der wissenschaftliche Leiter Dr. Martin Kofler und die Lienzer Bürgermeisterin DI Elisabeth Blanik stellten die fünf Standorte der Ausstellung bei einer Bahnfahrt von Lienz nach Bruneck vor. „Die von der privaten Südbahn-Gesellschaft errichtete Eisenbahnstrecke von Villach über Lienz nach Franzensfeste hat das Pustertal und Tirol mit der weiten Welt verbunden. Die Gesellschaft hat nicht nur die Gleise und Bahnhöfe, sondern als tourismusfördernde Initiative vor allem auch das Grand Hotel in Toblach gebaut“, erklärte Piock, der als Generaldirektor der Firma Durst Phototechnik Brixen-Lienz rund 160 großformatige Fotodrucke für die Schau zur Verfügung stellt.
LA Bgm. DI Elisabeth Blanik auf dem Bahnhof in Innichen: „Mit dem Bahnpersonal der Pustertalbahn kam das erste Mal auch sozialdemokratische Gesinnung in unsere bäuerlich geprägte Region.“
Im alten Heizhaus in Lienz wird in enger Kooperation mit dem Verein der Eisenbahnfreunde der technische Aspekt der Pustertalbahn dargestellt. Man kann hier nicht nur die Dampflok und die Waggons aus der Habsburger Monarchie besichtigen, sondern auch in einen alten Schneepflug einsteigen und einen Lokführerstand besuchen. „Die Südbahn hat für Lienz und den Talboden einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Die Bevölkerung der Stadt hat sich von 1870 bis 1910 von 2 000 auf 6 000 Einwohner verdreifacht“, erklärte Martin Kofler. „Eine derartige Bevölkerungsentwicklung würde ich mir für heute auch wieder wünschen. Der Zuzug von sozialdemokratisch gesinntem Bahnpersonal und das alles verändernde Dampfross stießen in unseren Breiten aber vielfach auch auf Skepsis“, wusste die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik zu erzählen.
Dampflokomotive am Lienzer Bahnhof, 3. Jänner 1907 (Foto: Unbekannt, Sammlung Eisenbahnfreunde Lienz – TAP)
Im 1878 von der Südbahn-Gesellschaft gebauten Grand Hotel in Toblach werden die durch die neue Bahnstrecke begünstigte Tourismus-Entwicklung und die Bäderkultur von der Lienzer bis zur Mühlbacher Klause in Lichtbildern präsentiert. Im benachbarten Naturparkhaus kann man Bilder der Bergfotografen Johann Unterrainer und Franz von Kahler bestaunen. „Der Ortsteil Neutoblach ist rund um das Grand Hotel entstanden. Um 1900 wurden erstmals Postkarten mit Naturmotiven gestaltet. Die Fotografen hatten damals vor allem die Drei Zinnen im Fokus“, so der Historiker Martin Kofler. Neben dem Tourismus erfuhr auch der Handel mit Vieh, Getreide, Kohle und Holz mit der Errichtung der Pustertalbahn einen enormen Aufschwung. Das neue Verkehrsmittel war schnell, bequem und billig, stellte jedoch für die Pferdefuhrwerks-Unternehmer eine große Konkurrenz dar.
Der Lienzer Bahnhof um 1885 (Foto: Georg Egger, Sammlung Heinz Mosser – TAP)
In Bruneck wird im Rahmen der Ausstellung „Volldampf“ am Postplatz der Bereich „Bahn und Mensch“ auf zehn großformatigen Würfeln dargestellt – Touristen, Bahn- und Hotelpersonal, Fuhrwerksbesitzer und Dienstmänner sind auf den Aufnahmen zu sehen. Der Ausstellungsteil in der Raiffeisenkasse Bruneck richtet den Blick auf die Eisenbahn im Krieg. „Der Tourismus war in Wirklichkeit nur ein Nebenschauplatz, die Südbahn wurde vor allem aus militärischen Überlegungen errichtet. Die Pustertalbahn war strategisch äußerst bedeutend – als Ziel der italienischen Artillerie und als essenzielles Transportmittel für Soldaten, Verwundete und Kriegsmaterial“, erläuterte Kofler. Die Abtretung Südtirols an Italien 1919/20 durchtrennte die Lebensader mit einer Grenze und degradierte die einstige „Weltbahn“ zu einer Nebenlinie. „Die historische Strahlkraft der Bahnstrecke von Lienz bis Franzensfeste wirkt aber bis in die Gegenwart. Mit der Ausstellung in Bruneck, Lienz und Toblach können die wichtigen Aspekte Technik, Tourismus, Krieg und Mensch neu entdeckt werden“, so Martin Kofler abschließend.
Die Ausstellung wird am Dienstag, 28. Mai 2013, um 19.00 Uhr, im alten Heizhaus am Lienzer Bahnhof durch LA Bgm. DI Elisabeth Blanik und die Brunecker Stadträtin Dr. Brigitte Pezzei Valentin eröffnet. Dr. Richard Piock und Dr. Martin Kofler werden einführende Worte sprechen.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Mühlburger, TAP


