Im Vogtturm durch die Geschichte von Zell am See reisen
Das Museum lädt zu einer Zeitreise durch die Entwicklung der Pinzgauer Bezirkshauptstadt und ihrer Umgebung ein – von Beginn der menschlichen Besiedelung bis heute.
Der mittelalterliche Vogtturm am Stadtplatz von Zell am See zählt zu den geheimnisvollsten Bauten im Salzburger Land. Obwohl der Turm neben der Stadtpfarrkirche zum Heiligen Hippolyt und dem Schloss Rosenberg zu den historisch bedeutendsten Gebäuden der Stadt gehört, sind bis heute praktisch alle wesentlichen Fragen zur Baugeschichte ungeklärt.

Es wird angenommen, dass der Turm, der bei den Einheimischen aufgrund einer früheren Besitzerfamilie auch als „Kastnerturm“ bekannt ist, ab dem 12. Jahrhundert zur Kontrolle eines Handelsweges über die Tauern diente. „Die Fensternischen mit gemauerten Sitzen, wie sie vor allem auch im 4. Stock zu finden sind, lassen Rückschlüsse zu, dass das Gebäude damals schon bewohnt war“, erklärt Kunsthistoriker Dr. Erich Erker. Er hat seit viereinhalb Jahren die Leitung des Museums inne.
Museumsleiter Dr. Erich Erker führte uns durch das Museum. Foto: Hubert Auer
Im 4. Stock des Turms befindet sich auch ein schöner Raum, in dem das „Forum Vogtturm“ eingerichtet wurde und eine Dauerausstellung dem Leben und Werk des Pinzgauer Malers Richard Hirschbäck gewidmet ist. 1984 ging der Vogtturm in den Besitz des Bankhauses Spängler über. Im Gebäude richtete in der Folge der Pinzgauer Heimatkundler Horst Scholz das Stadtmuseum ein, das zuvor im Rathaus stationiert war. In den Jahren 2019/2020 wurde der Turm schließlich in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt aufwändig renoviert. „Die moderne Einrichtung wurde rückgebaut, schließlich wollte man die Innenräume möglichst nahe an den Zustand des Mittelalters heranführen“, berichtet Erich Erker.

Im Laufe seiner Geschichte wurden dem Turm verschiedene Bezeichnungen zugewiesen. „Im 19. Jahrhundert verwendete ein Schriftsteller erstmals den Namen ‚Vogtturm‘. Der Begriff Vogt wird für Verwalter verwendet, meist von kirchlichem Gut. Es könnte sein, dass der Vogt des früheren Klosters Cella in Bisontio hier seinen Sitz hatte. Neuere historische Erkenntnisse gehen davon aus, dass der Turm nicht von der Klostergemeinschaft, sondern von den Grafen von Lechsgemünd errichtet wurde, einem Adelsgeschlecht, das Besitz bis in den Pinzgau und in das heutige Osttirol hatte. Zu den Besitzungen des Geschlechts gehörten auch Schloss Mittersill oder Schloss Weißenstein in Matrei“, so der Museumsleiter. Diese Theorie wird auch von Mag. Rainer Hochhold, dem früheren Direktor des Gymnasiums Zell am See, der die Ortschronik der Stadt verfasst und erst im vergangenen Frühjahr das Buch „Geschichte des Pinzgaus“ herausgegeben hat, unterstützt.

Heute ist der „Kulturverein Vogtturm Zell am See“ Träger des Museums. „Die Stadt steht maßgeblich hinter dem Museum. Die Renovierung, im Rahmen derer das Museum um den zweiten Stock des Nebengebäudes erweitert werden konnte, hat das Bankhaus Spängler als Eigentümer finanziert. Für die Einrichtung und die neue Dauerausstellung stellten die Stadt Zell am See und das Land Salzburg die Mittel zur Verfügung. Mit der Neugestaltung ist es uns gelungen, eine Verbindung zwischen wertvollen historischen Objekten und einem modernen, interaktiven Museum herzustellen“, freut sich Erker über die gelungenen Investitionen.

Im Museum werden spannende Funde aus der Frühgeschichte der Region präsentiert. Ein rund 3.000 Jahre altes bronzezeitliches Schwert ist das wichtigste archäologische Objekt der Ausstellung. Weitere antike Objekte belegen den Warenverkehr in römischer Zeit über Zell am See, wie z.B. eine Bronzegriffschale mit dem Kopf der Medusa aus der Zeit um 100 nach Christus.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung ist der Entwicklung des Tourismus gewidmet. Zell am See ist einst mit der Erschließung durch die Bahn zu einem der klassischen Sommerfrischeorte in den österreichischen Alpen avanciert. Mit der Gründung des Skiclubs im Jahre 1906 und mit der Errichtung der Schmittenhöhe-Bahn in den 1920er-Jahren wurde die Pinzgauer Gemeinde auch zu einem bekannten Wintersportort.

„Man kann in unserem Museum interaktiv prominenten Gästen aus der Vergangenheit, wie Kaiserin Sissi und Kaiser Franz Joseph, dem Schriftsteller Stefan Zweig oder der niederländischen Königsfamilie begegnen. Ein Teil der Schau gilt der Familie Trapp, die als singende Familie auf der ganzen Welt bekannt wurde und in der Zwischenkriegszeit eine Villa am See bewohnte.“

Dem Zeller See, neben den Bergen das prägende Element der Landschaft, ist ein eigener Raum gewidmet. Der größte jemals aus dem See geholte Hecht ist genauso zu sehen, wie Gemälde vom See in Verbindung mit den Bergen. „Die einzigartige Landschaft des Zeller Sees in Verbindung mit dem vergletscherten Kitzsteinhorn hat die bedeutendsten Maler aus Wien zur Zeit der Romantik inspiriert und fasziniert die Menschen bis heute“, betont der Museumsleiter.

Fast so groß wie die Dauerausstellung im Vogtturm ist die aktuelle Schau „Das Porsche Design Prinzip“, die noch bis Ostern 2024 zu sehen ist. Das Studio F. A. Porsche ist einer der innovativsten Betriebe von Zell am See. Seit 1972 strebt das Studio nach der perfekten Symbiose von Form und Funktion. „In unserer Ausstellung erlebt man den Werdegang und das faszinierende Oeuvre des Studios und kann das Weltklasse-Design aus dem Salzburger Innergebirg bestaunen. Zu sehen ist unter anderem der Porsche Design Chronograph 1 aus dem Jahre 1972, die erste schwarze Armbanduhr der Welt“, nennt Erich Erker ein Beispiel für die besondere Pinzgauer Innovationskraft, die im Vogtturm derzeit viel Raum einnimmt.
Zusätzlich zeigt das Museum Vogtturm im Sommer 2023 die Sonderausstellung „100 Jahre Zeller Jedermann”.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller





